Euro-Airport
Von Basel mit dem Flieger direkt zu Dracula nach Hause

Planen Sie Ferien? Vielleicht in Kroatien, Serbien oder Mazedonien? Vom Basler Euro-Airport werden immer mehr Destinationen in Osteuropa angeflogen. Billigflieger Wizz Air bedient bereits acht Destinationen und rechnet 2015 mit 250'000 Passagieren.

Peter Schenk
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Ab Oktober wird der Budapester Billigflieger Wizz Air vom Euro-Airport auch die polnische Hauptstadt Warschau bedienen.Juri Junkov

Ab Oktober wird der Budapester Billigflieger Wizz Air vom Euro-Airport auch die polnische Hauptstadt Warschau bedienen.Juri Junkov

Juri Junkov

Destinationen in Osteuropa nehmen für den Euro-Airport (EAP) beständig an Bedeutung zu. Inklusive Istanbul machten sie laut EAP-Mediensprecherin Vivienne Gaskell 2014 immerhin zehn Prozent des Gesamtverkehrs aus. In absoluten Zahlen sind das 650'000 Passagiere – 2014 wies der binationale Flughafen insgesamt 6,5 Millionen Passagiere aus.

Zwei Hauptbetreiber

Lässt man Istanbul weg, das im Sommer von Pegasus und Turkish Airlines 24 mal die Woche angeflogen wird, blieben 2014 mit acht Prozent des Gesamtverkehrs immer noch 520'000 Passagiere in Richtung Osteuropa. Im Linienflugverkehr sind hier Easyjet und Wizz Air die Hauptbetreiber.

Der in Budapest beheimatete Billigflieger Wizz Air hat sich seit 2012, als er mit Skopje in Mazedonien erstmals Flüge ab EAP aufnahm, zum Wachstumsmotor im osteuropäischen Markt entwickelt. 2013 beförderte die Fluggesellschaft laut Mediensprecher Daniel de Carvalho bereits 108'000 Passagiere, 2014 waren es 160000 und 2015 rechnet er gar mit 250'000. Angeflogen wurden neben Skopje bisher Belgrad in Serbien, Bukarest in Rumänien und Cluj, auch Klausenburg genannt, im Norden Rumäniens also in Transsilvanien sowie Tuzla in Bosnien.

Neu hinzu kommt ab Oktober zwei Mal in der Woche die polnische Hauptstadt Warschau. Bereits ab Ende Juni fliegt Wizz Air mit Nis die zweitgrösste serbische Stadt im Zentrum des Balkans an. De Carvalho beschreibt sie als «Geburtsstadt Konstantin des Grossen und einst eine der wichtigsten Haltestellen des Orientexpress.» Ab Anfang Juli kommt mit Ohrid in Mazedonien, das am Ohrid See liegt, eine weitere Destination hinzu. Auf die Frage, ob weitere Destinationen geplant sind, antwortet der Mediensprecher: «Ich bin überzeugt, dass wir durchaus mehr am Standort wachsen können.» Bedingung dafür sei aber, dass der EAP seine Kostenbasis beibehalte.

Auch Easyjet baut aus

Sehr aktiv im osteuropäischen Markt ist auch Easyjet, das die ungarische Hauptstadt Budapest, Krakau in Polen, Split in Kroatien und Pristina im Kosovo anfliegt. Laut Easyjet gab es mit Ausnahme von Krakau, das drei Mal die Woche angeflogen wird, bei allen Destinationen seit der Lancierung Frequenzerhöhungen. So wird Split im Sommer sechs Mal und von April bis Oktober drei Mal die Woche angeflogen, Pristina ebenfalls im Sommer sechs Mal und ansonsten vier mal die Woche. Budapest wird das ganze Jahr über sechs Mal die Woche bedient.

Dazu, wie viele Passagiere Easyjet an die osteuropäischen Destinationen transportiert, schweigt sich der Billigflieger aus. Wenn man allerdings davon ausgeht, dass Easyjet für 2014 selber eine Auslastung von 90,2 Prozent angibt und mit Fliegern unterwegs ist, die 180 oder 156 Plätze haben, dürften die Zahlen sich auch sehen lassen können.

Der EAP selbst erwartet für den osteuropäischen Markt mit Ausnahme von Istanbul für 2015 ein Wachstum von neun Prozent. Das sind in absoluten Zahlen knapp 47 000 Passagiere. Allein, wenn Wizz Air sein Ziel erreicht, wäre das schon ein Wachstum von 90 000 Passagieren. Zu den erwähnten Linienflügen kommen noch Charterflüge nach Pristina, acht Mal die Woche, sowie Burgas und Varna, beide in Bulgarien, jeweils ein Mal die Woche.

Was passiert mit Prag?

Unklar ist, was mit Prag geschieht, das bis Ende Mai von Swiss bedient wird, die sich ganz vom EAP zurückzieht. Bisher hat der Flughafen laut Vivienne Gaskell für die Destination noch keinen Anbieter gefunden. Easyjet beantwortet die Frage nach einem etwaigen Interesse an der Destination Prag mit ihrem offiziellen Statement betreffend den EAP vom 16. April. Darin heisst es unter anderem: «Sorgen bereitet Easyjet die Tatsache, dass Schweizer Firmen im Schweizer Sektor – also zahlreiche Partner von Easyjet – in Zukunft französische Steuern zahlen sollen. Easyjet benötigt klare und stabile Rahmenbedingungen, um seinen zukünftigen Betrieb am Euro-Airport planen zu können, und hofft, dass beim definitiven Abkommen der gesunde Menschenverstand wegweisend sein wird.» Eine Ankündigung, in naher Zukunft Prag zu bedienen, hört sich anders an.