Basler Fasnacht
Von der Gipsplatte zum Bijou – So entsteht die Fasnachtsplakette

Bevor die Basler Fasnächtler sie ans Revers stecken können, muss die Fasnachtsplakette produziert werden. Seit 1939 übernimmt die René F. Müller AG die Produktion. Hier sehen Sie den langen Weg der Blaggedde von der Zeichnung zum fertigen Stück.

Michael Wieland, sda
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Sie erscheint jährlich in Kupfer, Silber und Gold sowie als Bijou und für 2018 auch als Anhänger: Die Basler Fasnachtsplakette. Erstmals war ein Abzeichen 1911 zur Finanzierung der Fasnacht verkauft worden.

Hergestellt wird die Fasnachtsplakette seit 1939 von der René F. Müller AG in Basel. Um die zehn Schritte sind für die Herstellung nötig. Je nach Plaketten-Ausführung sind es mehr oder weniger.

Zuerst überträgt ein Graveur den gezeichneten Entwurf in minutiöser Feinarbeit in ein Gipsmodell. Von diesem wird ein Kunststoff-Negativ gegossen. Dieses wird mittels Pantograph verkleinert und in ein Stück Stahl gefräst.

Mit dem so entstandenen Prägewerkzeug werden die Kupferrohlinge geprägt, von denen jedes Stück von Hand in die Prägemaschine gelegt werden muss. Ein Stanzwerkzeug gibt dann den Plaketten die äussere Form.

Danach wird auf der Rückseite die Befestigungsnadel angebracht. Die silbernen Plaketten werden von einem externen Galvaniseur versilbert, die goldenen vergoldet. Zuletzt werden alle Plaketten wieder bei der René F. Müller AG patiniert und lackiert.

Erste Plakette 1911

Die erste Blaggedde war 1911 als Anstecknadel und Medaille zum Umhängen erschienen und hat einen Ueli, eine Basler Fasnachtsfigur gezeigt. «Fastnacht» war auf dem von Wilhelm Dollinger, Graveur aus Riehen mit deutschen Wurzeln, hergestellten Abzeichen noch mit dem später verpönten «t» geschrieben.

Ein Jahr später entschied die Basler Regierung, dass die Hälfte des Plaketten-Verkaufserlöses der «Basler Heilstätte für Lungenkranke» in Davos zufliessen muss, wie der Webseite des 1910 gegründeten Fasnacht-Comités zu entnehmen ist. Erst seit 1922 komme der Erlös – nach einer Beschwerde des Comités – vollumfänglich den Cliquen zu.

Weil während des Ersten Weltkriegs keine offizielle Fasnacht stattfand, gab es von 1915 bis 1919 keine Plaketten. Auch während des Zweiten Weltkriegs fand die Strassenfasnacht nicht statt. Plaketten wurden aber hergestellt, teilweise jedoch in stark limitierter Auflage, weshalb diese Plaketten wie auch die ältesten heute einen hohen Sammlerwert haben.

In den Anfangsjahren gab es teilweise auch zwei Abzeichen mit unterschiedlichen Sujets. Erstmals nebst Kupfer auch in Silber produziert wurde die Plakette 1921. Seit 2005 gibt es ein Bijou, das für die Fasnacht 2018 zum ersten Mal auch als Anhänger verkauft wird.

Jährlicher Wettbewerb

Das Motiv der Plakette wird jährlich mittels eines vom Fasnachts-Comité ausgeschriebenen und anonym durchgeführten Wettbewerbs bestimmt. Damit die Produktion rechtzeitig beginnen kann, findet die Auswahlsitzung bereits im Sommer statt.

Rund drei Stunden dauert die Plaketten-Sitzung. Die Auswahl erfolgt in einem demokratischen Verfahren, wie Adrian Kunz, Plaketten-Verantwortlicher des Comités, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda sagt. Wichtigstes Kriterium sei die Grafik. Ausgewählt werde ein Motiv, das sich «gut verkaufen» lässt.

Zudem muss sich ein Plaketten-Thema einfach transportieren lassen sowie für ein breites Publikum erkennbar sein. Die Plaketten sind deshalb auch Zeitzeugen. Sie zeigen Motive zum Weltkrieg, zum Frauenstimmrecht oder wie – die aktuelle Plakette – zur landesweiten Diskussionen um die Post.

Erst zum dritten Mal hat in diesem Jahr eine Frau den Wettbewerb gewonnen. Zuvor war dies für die Fasnacht 1934 und 1993 der Fall gewesen. Die Gründe dafür sind gemäss Kunz unklar. Sicherlich spiele es eine Rolle, dass nur etwa zehn Prozent der jährlich bis zu 100 Einsendungen von Frauen stammen.

Zweiter Platz und Internetpanne

Nebst dem Siegerentwurf bestimmt das Comité seit einigen Jahren auch explizit einen zweiten Platz, sagt Kunz. Dies für den Fall, dass die Plakette während der Produktion zurückgezogen werden muss.

Die Massnahme ist eine Reaktion auf die Fasnacht 2002. Damals hatte das Comité kurzfristig nicht den Siegerentwurf, sondern eine andere Plakette produzieren lassen. Grund waren die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA. Der erstplazierte Entwurf zeigte unter anderem den sich damals im Bau befindenden Basler Messeturm.

Bis zur Plaketten-Vernissage zwischen Weihnachten und Neujahr bleibt die Plakette jeweils ein gut gehütetes Geheimnis, das nur wenige kennen. 2013 gab es indes eine Internetpanne, sodass die Plakette drei Tage zu früh auf der offiziellen Webseite aufgeschaltet war. Das Comité ergriff in der Folge Massnahmen.

Ein Geheimnis bleibt, wie viele Plaketten hergestellt werden. Die Fasnachts-Cliquen bekommen für jedes von ihnen verkaufte Stück 30 Prozent, und den Netto-Verkaufserlös verteile das Comité ebenfalls an die Cliquen, als Zustupf an deren grossen Aufwand, erklärt Kunz. Um für Eifersüchteleien und Streit gar nicht erst Anlass zu geben, behalte das Comité die in den Verkauf gegebene Stückzahl gleich für sich.