Hobby

Von einem Zürcher, der Basels Veränderungen knipst

Hans-Peter Ebneter zeigt, wie sich Basel verändert hat – indem er historische Aufnahmen nachfotografiert. Auf Facebook hat er bereits eine kleine Fan-Gemeinde.

Seine Aufnahmen sind exakt geplant. Zunächst sucht sich Hans-Peter Ebneter im Basler Staatsarchiv Aufnahmen, die Basels Strassen vor 80, 90 oder noch mehr Jahren zeigen. Dann lädt er sich die historischen Bilder auf sein altes Smartphone, steigt ins Tram und begibt sich – bewaffnet mit seinem zweiten Smartphone, das ihm als Fotoapparat dient – an den Ort, wo das historische Bild geschossen wurde.

Die beiden Handys übereinander, bewegt er sich in kleinen Schritten vorwärts, seitwärts, zurück, bis die Perspektive auf dem Foto-Handy mit jener der historischen Aufnahme übereinstimmt. «Es ist manchmal eine richtige Detektivarbeit, weil nur kleinste Details erahnen lassen, von wo genau die historische Aufnahme stammt», verrät der 59-Jährige, als wir ihn am Leonhardsgraben treffen.

«Hier zum Beispiel sind alle alten Häuser weg und auch eine der Strassen fehlt – aber sehen Sie sich den Verlauf des Trottoirs an, das macht immer noch denselben Bogen», analysiert der gelernte Buchhersteller, der heute im historischen Museum arbeitet. Seit 20 Jahren macht er als Hobby solche Vergleichsfotos, neuerdings publiziert er sie auch auf Facebook, wo er bereits über 200 Fans hat. Fast täglich kommt eine neue Aufnahme hinzu.

Aus Liebe zur Geschichte

«Andere sammeln Kaffeerahmdeckeli, ich dokumentiere die Veränderung», begründet er sein aussergewöhnliches Hobby. Er habe allgemein eine Liebe zur Geschichte, und er liebe die Stadt Basel, in der er sich zu Hause fühle, sagt der Sohn einer Aargauerin und eines Kölners, der in Zürich aufgewachsen und in den 70er-Jahren beruflich nach Basel gezogen ist. «Mein Chef hätte mich damals am liebsten gleich weiter nach Japan geschickt, aber ich habe abgelehnt, weil ich endlich irgendwo heimisch werden wollte.»

So hat er in den letzten 40 Jahren viele Veränderungen in seiner neuen Heimat hautnah miterlebt. «Teilweise legen sich bei mir Bilder aus der Vergangenheit wie ein Film über das aktuelle Stadtbild, auch wenn ich nicht am Fotografieren bin. Dann sehe ich einen Neubau, aber gleichzeitig auch noch die alte Garage, die an derselben Stelle gestanden hatte und dem modernen Gebäude weichen musste.»

Grundsätzlich sei er nicht gegen Veränderungen, Basel müsse sich entwickeln und das sei nur mit baulichen Massnahmen möglich. An gewissen Orten sei es aber schade, wenn historische, tief verwurzelte Häuser abgerissen würden. «Die Gastro-Meile im Kleinbasel bei der Messe wird in dieser Form wohl nicht mehr lange bestehen und wird dem Quartier fehlen», sagt Ebneter, der dem Vorstand des Quartiervereins Oberes Kleinbasel angehört. Zu radikale Veränderungen hingegen seien heute wohl nicht mehr durchsetzbar. «Dass wie am Petersberg ein ganzer Stadtteil für den Neubau der Steuerverwaltung geopfert wird, ist heute zum Glück nicht mehr denkbar.»

Bei seinen Rundgängen durch die Stadt entdeckt der Hobby-Fotograf aber nebst all der Veränderung auch immer wieder Orte, an denen die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. «Am Petersgraben gibt es so ein altes Haus, wo sogar noch die Beschriftungen mit den Aufnahmen aus dem Staatsarchiv übereinstimmen.» Auch der Hinterhof sei wohl noch genau so, wie er vor 100 Jahren gewesen ist. «Aber vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch hier etwas Neues gebaut wird.» Doch bevor es soweit ist, wird Ebneter auch das Haus am Petersgraben 19 dokumentieren, und nach dem Umbau vermutlich wieder, getreu dem Titel seines Facebook-Albums «x mool dr glyychi Egge». Die Arbeit wird dem Fotografen nicht so schnell ausgehen. Aktuell hat er 60 historische Postkarten zu Hause, von denen er erst rund 20 nachfotografiert hat. «Ich mache das nach Lust und Laune – schliesslich ist es mein Hobby, da lasse ich mich doch nicht stressen.»

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