Musikfestival

Von Grönemeyer bis Krokus: Das Jahr der Wiederkehrer an der Baloise Session

Von Herbert Grönemeyer bis Krokus steckt die diesjährige Baloise Session ein breites Spektrum an gängigen Namen ab.

Das Gefühl sei jedes Jahr das gleiche, wenn Sie vor einem leeren Papier sitze, um das Programm der kommenden Baloise Session zusammenzustellen, sagt Beatrice Stirnimann. Entsprechend erleichtert sei sie jeweils, wenn sie einen Künstlervertrag unterschrieben habe, so der CEO der Basler Konzertreihe bei der gestrigen Pressekonferenz im Atlantis. Insgesamt 19 Mal habe sie heuer «jauchzen» dürfen.

Besonders erfreut sei sie über die Zusage von Herbert Grönemeyer, schliesslich hätten sie und ihr damaliger Kollege und Festival-Gründer Matthias Müller bereits vor 14 Jahren das Versprechen bekommen, dass der deutsche Sänger in Basel auftrete. Kurz zuvor war Grönemeyer mit «Mensch» das bis heute meistverkaufte Album Deutschlands geglückt. Seither hat der 63-Jährige zwar kein annähernd so erfolgreiches Werk mehr abgeliefert (sein aktuelles, vor einem Jahr erschienenes Album «Tumult» konnte gerade noch knapp fünf Prozent der Absatzahlen von «Mensch» für sich verbuchen), doch als zugkräftiger Name hat sich Grönemeyer längst etabliert.

Und dies auch in der Schweiz: Vor fünf Monaten hat der deutsche Sänger ein weiteres Mal das Hallenstadion ausverkauft, in den kommenden Tagen tritt er an den grossen Festivals in Deutschland und der Schweiz auf. So ist es nur klug, dass die Baloise-Macher den zugkräftigsten Künstler im diesjährigen Line-up gleich an zwei Abenden (12. und 13. Oktober) auftreten lassen. Wer Grönemeyer im intimeren Rahmen erleben möchte, der tut gut daran, den Vorverkauf frühzeitig zu nutzen. Tickets sind ab Mittwoch, 28. August, um 8 Uhr morgens erhältlich.

Im Programm wimmelt es von Comebacks

Auffällig ist, wie oft in Stirnimanns genüsslich zelebrierter Programmvorstellung der Begriff «Comeback» fällt. Ein grosser Teil der Acts sind Wiederkehrer, die sich nach beendeter Kreativpause zurückmelden: So zum Beispiel 77 Bombay Street, die nach zwei Jahren Auszeit mit einem Akustik-Set auf die Bühnen zurückkehren. Dass sie dabei weder auf Animations-Zurufe noch auf Stadion-Chöre verzichten wollen, stellen die Gebrüder Matt und Joe Buchli mit einem kurzen Showcase im Atlantis unter Beweis. Man mag ihre eingängigen Popnummern mit den simplen Reimen nicht für grosse Kunst halten, doch dürfte das Quartett am 18. Oktober Hecht, den Headlinern des Abends, in Sachen Publikumsnähe eine steile Vorlage bieten.

Sanfte Popklänge von zwei Rückkehrern hält der 25. Oktober bereit, wenn Dido auf die Lighthouse Family trifft. Die 47-jährige Britin hat im März mit «Still On My Mind» ihr erstes Album in sechs Jahren veröffentlicht und geht nach einer ausgedehnten Babypause von 15 Jahren wieder auf Tour. Beim ebenfalls britischen Duo Lighthouse Family hat es gar 18 Jahre gedauert, ehe ein neues Album fertig war.

Mit Spannung und Vorfreude darf man auf den 29. Oktober blicken, an dem mit Michael Kiwanuka und Brittany Howard zwei grossartige Acts des Neo-Soul mit neuen Alben auf die Bühne treten. Der Baloise-Abend, der unter dem Motto «Welcome Back» steht, dürfte der stimmigste und stimmungsvollste der 34. Ausgabe der Konzertreihe sein.

Der 32-jährige Kiwanuka, der in der Region vor vier Jahren am Open Air Basel zu begeistern wusste, wird zurecht als Nachfolger von grossen Namen wie Marvin Gaye oder Bill Withers gehandelt. Die zwei Jahre jüngere Howard, die sich als Frontfrau der Alabama Shakes einen Namen machte, steht ihm in keiner Weise nach.

Bereits 2010 hatte sich Michael Patrick Kelly zurückgemeldet, wenngleich das der breiten Masse entgangen sein dürfte. Zuvor hatte sich der Ire in einem französischen Kloster sechs Jahre lang eine Auszeit vom Rummel um die Kelly-Family genommen. Vor zwei Jahren schliesslich schaffte es der 41-Jährige mit seinem vierten Solo-Album auf Platz zwei der Deutschen Charts. Die gleiche Platzierung gelang Wincent Weiss, der am gleichen Abend (16. Oktober) auftritt, diesen Sommer mit «Irgendwie anders».

Acht Jahre lang still war es um die schottische Formation Snow Patrol, die mit ihrem Landsmann Tom Walker («Leave a Light On») für einen melancholischen Indiepop-Abend (30. Oktober) sorgen wird. Dazu passen die am Folgeabend auftretenden Madrugada aus Norwegen. Die zum düsteren Pop neigende Band hatte sich vor zehn Jahren nach dem Tod des Gitarristen aufgelöst und erst dieses Jahr wieder – ohne neues Material – für rund 20 Konzerte zusammengefunden.

Bei so vielen Comebacks ist die Abschlussformation für den 31. Oktober gut gewählt, auch wenn Krokus stilistisch etwas schräg im Programm stehen. Nach 45 Jahren im Business (mit Unterbrüchen) haben die Schweizer Hardrock-Haudegen für dieses Jahr ihre letzten Konzerte in Aussicht gestellt. Die «final party», die im Dezember im Zürcher Hallenstadion steigen soll, ist bereits ausverkauft.

An der Baloise-Session tröstet Frontmann Marc Storace, der seit Jahren in Basel lebt, darüber hinweg, dass im diesjährigen Programm die regionalen Vorbands erstmals gänzlich fehlen.

Meistgesehen

Artboard 1