Musik

Von Ira May nach L.A.: Wie Benjamin Leuenberger sein Glück sucht

Der Basler Keyboarder Benjamin Leuenberger sucht sein Glück in Los Angeles. Wie schlägt er sich da durch? Ein Gespräch über internationale Zusammenarbeiten und aufstrebende Hoffnungen.

Den Dreikönigstag erlebt er in der Schweiz: Benjamin Keys stieg vor zwei Wochen in Los Angeles in den Flieger und kehrte dahin zurück, wo man ihn noch als Benjamin Leuenberger kennt: Basel. Weihnachten, Wiedersehen mit der Familie, mit Freunden, sein 28. Geburtstag – alles gute Gründe für die Heimkehr. Hinzu kommt eine bürokratische Angelegenheit: Leuenberger muss auf sein Künstler-Visum warten, das ihm weitere Jahre Arbeit und Aufenthalt in den USA ermöglicht.

Drei Könige waren es auch, die ihn vor drei Jahren in die Stadt der Stars gelockt haben: Prince, Michael Jackson, Stevie Wonder. Das sind die Helden, deren Musik er liebt. Und das sind die Könige, deren R&B und Pop in Los Angeles unablässig am Radio und an Konzerten gespielt wird. Wer wie Leuenberger in Kalifornien von der Musik leben will, muss ihre Songs intus haben. Denn sie gehören zum Standardrepertoire, das es an einer Hochzeit, an einer Firmenparty abzurufen gilt.

Das merkte er rasch, als er in L.A. ankam, um sich am Musicians Institute weiterzubilden und in der Szene Fuss zu fassen. «Was im Jazz ‹Autumn Leaves›, ist in L.A. ‹Superstition›: ein Standard, den jeder draufhaben muss, wenn er an Gigs rankommen will», sagt Leuenberger bei einem Kaffee.

On his way to L.A.

Den Jazz hat er zwar studiert, als Pianist an der Hochschule in Luzern, doch schon immer reizte ihn der Pop-Kanon stärker. «Ich liebe die Mischung aus Show und Musik: Michael Jackson brillierte musikalisch, aber auch mit seinem Tanz und der Unterhaltung.»

Als Keyboarder in der Band von Soulsängerin Ira May kam er professionell auf Touren und zog weiter in die kalifornische Sonne. Dass das kein naiver Traum sein muss, hatte ein anderer Basler vorgemacht, der einst zeitgleich das Leonhard-Gymnasium besuchte: Roberto Cerletti.
Der Schlagzeuger lebt seit elf Jahren in Los Angeles und tourt mittlerweile als gefragter Sessionmusiker durch Nordamerika. «Zu sehen, dass ein junger Musiker aus Basel das schaffen kann, machte mir Mut.» Mit Cerletti lebt er seither in einer WG, zahlt 1000 Dollar für ein Zimmer. «Los Angeles ist schweinisch teuer», sagt Leuenberger.

Anschubhilfe erhielt er von Schweizer Stiftungen. Dank Stipendien konnte er das teure Schulgeld zahlen. In den letzten Monaten aber musste er voll und ganz von der Musik leben, was auch sein Ziel ist: «Ich bin grosser Fan von Beyoncé oder Bruno Mars. Bei einem solchen Act in der Band spielen zu können, ist mein grosser Traum.»

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#livesession

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Als er wegzog, hörte er oft die Frage: Warum ausgerechnet L.A.? Musiker könne er doch auch hier sein, in der Schweiz. «Das schon», sagt er. «Aber ich habe mir fest in den Kopf gesetzt, als Tour-Keyboarder zu arbeiten. Und wenn man das machen will, muss man nach L.A.: Dort werden die Musiker rekrutiert, finden die Proben statt, die Studio-Sessions.»

Sonntags spielt er in der Kirche

Das Grundeinkommen garantieren ihm Konzerte in Kirchen. «Es ist gang und gäbe bei den R&B-Musikerin in L.A., dass sie am Sonntag in einer Kirche spielen», erzählt er. Glücklicherweise habe es sich so eingependelt, dass er auch feste Engagements haben. Moderne Gospelshows. Die Bedingungen seien super: Volles Haus, gute Soundanlagen, anständige Gagen. Damit deckt er die Lebenskosten. Daneben nimmt er an Jam-Sessions teil, um im Gespräch zu bleiben, füttert seinen Instagram-Account mit Liveaufnahmen. «Das ist heutzutage die Visitenkarte für Sessionmusiker. So checken andere ab, wie man aussieht und spielt.»

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#ladymarmalade

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Ein Zuckerschlecken ist das nicht. Denn manchmal wartet er wochenlang auf einen Anruf. Und dann wieder kommt es vor, dass es an einem Tag gleich viermal klingelt: Eine Hochzeit am Samstag, 50 Songs, keine Proben. Eine zweistündige Studiosession unter der Woche, wo Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit oberstes Gebot sind. Oder eine kurze Tour mit einem Soloact. Das sind für ihn die wichtigsten Gigs.

So wie jene mit Ollie Gabriel, einem Soulsänger, der in Deutschland schon einen Top-10-Hit hatte. «Von solchen Engagements erhoffe ich mir am meisten. Aber ich weiss auch, dass in Los Angeles niemand auf mich gewartet hat.» Leuenberger ist kein Träumer, sondern ein Dienstleister, gewillt zu liefern. Wie sich seine Spielfreude anhört, kann man nach langer Zeit wieder in Basel erleben: Bei seiner Jamsession im Sommercasino.

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