Biergarten des Volkshauses
Von Jogi Löws Perücke bis zum durchnässten Brautpaar

Unter dem Blätterdach des Basler Volkshauses gibt es besondere Momente. Im Biergarten macht sich auch mal Jogi Löw mit Schlagersänger Dieter Thomas Kuhn einen feuchtfröhlichen Abend. Geschäftsführer Martin Reinshagen erzählt aus dem Nähkästchen.

Eva Wieser
Merken
Drucken
Teilen
Im Biergarten des Volkshauses zu Hause: Geschäftsführer Martin Reinshagen (links), Kommunikationsbeauftragte Gemma Wilson (Mitte) und Mitarbeiterin Esther Hübscher sitzen unter den Platanen.

Im Biergarten des Volkshauses zu Hause: Geschäftsführer Martin Reinshagen (links), Kommunikationsbeauftragte Gemma Wilson (Mitte) und Mitarbeiterin Esther Hübscher sitzen unter den Platanen.

Martin Töngi

Da «klöpft» der deutsche Bundestrainer Joachim Löw mit dem Schlagersänger Dieter Thomas Kuhn eine Kiste Bier – mitten in der Kleinbasler Oase. So nennt Geschäftsführer Martin Reinshagen den Biergarten des Volkshauses. «Die Fans des Schlagersängers kamen alle verkleidet an sein Konzert. Jogi Löw hatte eine riesige Perücke auf, erst haben wir ihn gar nicht erkennt», sagt Reinshagen. Mit einem Schmunzeln erinnert er sich an die Szene nach dem Auftritt. «Da haben sich ein schrill verkleideter Schlagersänger und der Star-Fussballtrainer einen lustigen Abend gemacht.»

Zeugen dieser Geschichte sind die sechs Platanen, fester Bestandteil des Biergartens im Kleinbasler Volkshaus. Unter ihrem dichten Blätterdach tauschen Stammkunden ihre Neuigkeiten aus. Doch neben dem alltäglichen Biergartengeflüster gibt es besondere Momente, welche den Ort prägen. Reinshagen hat das Volkshaus erst vor gut zwei Jahren übernommen. Trotzdem hat er schon einige Anekdoten aus dem Biergarten auf Lager.

Einmal, da habe das Team den Garten märchenhaft verzaubert. «Alles war bereit für eine Sommerhochzeit – sogar die Wetterprognosen versprachen einen wunderschönen Abend», erinnert sich der Geschäftsführer. Niemand, aber wirklich niemand habe geahnt, dass um 22.30 Uhr ein Platzregen über die Hochzeitsgesellschaft einbrechen würde. Eine durchnässte Braut, tropfender Blumenschmuck – während fünf Minuten sei alles Drunter und Drüber gegangen. Doch das Brautpaar habe den ersten Härtetest überstanden und feierte noch lange im ungeschmückten, dafür trockenen Saal weiter.

Weltstars unter den Platanen

Emotional war nicht nur die verregnete Hochzeit. Reinshagen war als Nicht-Basler völlig überrascht, als er während der Fasnacht zum ersten Mal den «Ändstraich» miterlebte. «Es ist ein wahnsinnig bewegender Moment, wenn sich die Schottenclique bei uns im Garten im Kreis versammelt und nochmals alles gibt.» Die Fans müssten draussen bleiben, der Biergarten gehöre am Donnerstagmorgen kurz vor vier Uhr ganz alleine der Schottenclique.

Musik gibt es im Biergarten immer wieder. An ein bestimmtes Konzert erinnert sich das Volkshaus-Team gerne zurück. «Wir hatten wahnsinnig Glück, dass die weltberühmte Band Fun in unserem Garten ein Showcase-Konzert gab.» Normalerweise würden diese drei Jungs das Hallenstadion in Zürich füllen – und plötzlich spielten sie im eigenen Garten. Nur gerade 250 Tickets wurden verlost. «Es waren wirklich grosse Fans, die ihr Glück nicht fassen konnten, ein so intimes Konzert der Band zu erleben», sagt Reinshagen. Eine kleine Bühne, eine familiäre Atmosphäre und ein Znacht für die Musiker: «Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es der Band unter unseren Bäumen gefiel.»

Richtig heimisch fühlte sich ein englischer Künstler, der während der Art Basel ein Atelier im Biergarten einrichtete. Sein Künstlername: Bob and Roberta Smith – es handelt sich jedoch um eine einzige Person. «Während fünf Tagen produzierte Bob unter den Platanen, es ging bunt zu und her», erinnert sich der Geschäftsführer – er wird fast etwas nostalgisch. «Wenn ich mir überlege, was wir in einer so kurzen Zeit alles im Biergarten erlebt haben, kommt es mir vor, als seien wir schon ewig hier zu Hause.»

Guckloch ins Unbekannte

Im März 2012 zog Reinshagen mit seinem Team in das umgebaute Volkshaus. Doch das dichte Blätterdach und der plätschernde Brunnen gibt es schon viel länger. Das Gebäude wurde 1925 gebaut. Zwei Dinge aus den Anfängen des Volkshauses wurden bei den Umbauarbeiten entdeckt: einerseits ein Mosaikboden im Foyer des Konzertsaals, andererseits eine Treppe, die ins Unbekannte führt. Niemand weiss, was die Treppe dort soll. Wer an der Bar sitzt, sieht die mysteriösen Stufen durch ein rundes Guckloch. «Es ist unser Zeitfenster», sagt Reinshagen. Es erinnere ihn daran, dass das Volkshaus schon lange zu Basel gehöre und auch in Zukunft das Haus des Volkes bleiben solle. Mit einem Garten fürs Volk.