Es gehört schon einiges Unvermögen dazu. Ende März schaffte es ein ortsfremder Camionfahrer, mit seinem Anhänger auf dem engen Rathausplatz von Hausen im Wiesental den dortigen Basiliskenbrunnen umzufahren. Bürgermeister Martin Bühler wundert sich, wie der Chauffeur auf die Idee gekommen sei, trotz der beengten Verhältnisse den Brunnen zu umrunden.

Bekannt wurde das Ereignis durch eine Medienmitteilung der deutschen Polizei, die sich in Superlativen erging: Ein «immenser Schaden» sei entstanden, der Guss des Brunnes «irreparabel zerstört». Der Schaden wurde auf 25'000 Euro geschätzt. Und schliesslich hiess es: «Zur Aufstellung ausserhalb der Schweiz bedarf es einer Sondergenehmigung.»

Insbesondere die letzte Aussage war schwer verständlich. Ganz falsch ist sie allerdings nicht. Regierungssprecher Marco Greiner erklärt: «Tatsächlich muss die Basler Regierung für jeden Brunnen, der den Stadt-Kanton verlässt, einen Regierungsratsbeschluss fassen.» Der Basiliskenbrunnen wurde 1884 entworfen und sein Copyright liegt in Basel.

Zentrale Rolle der IWB

Installiert, betreut und repariert werden die Brunnen von den Industriellen Werken Basel (IWB), die auch ganze Brunnen oder Brunnenteile herstellen lassen. Es ist auch die IWB, die nach Hausen fährt, um sich die Schäden am Brunnen anzuschauen. Die Kosten übernimmt die Versicherung des Lastwagen-Unternehmens, das aus der weiteren Region kommt.

Bürgermeister Martin Bühler hofft, dass der Brunnen bis zum Hebelfest am 10. Mai wieder steht. Dann feiert man in Hausen Hebels Geburtstag (1760 – 1826). Der Dichter ist zwar in Basel geboren, verbrachte aber nur die Sommer in der Stadt. Im Winter zog er ins Heimatdorf seiner Mutter nach Hausen ins Wiesental. Der Ort liegt gut 30 Kilometer nordöstlich von Basel.

Der Hausener Basiliskenbrunnen steht seit 1999 vor dem Rathaus. Damals schenkte ihn die Basler Hebelstiftung der Gemeinde, auf die auch die Schenkungsurkunde ausgestellt war. Einer Privatperson dürfen die Brunnen nicht geschenkt werden. Anlass war aber die Pensionierung des langjährigen Bürgermeisters Karl Heinz Vogt. 

Eine wichtige Rolle bei der Aktion spielte Liselotte Reber-Liebrich, damalige und langjährige Präsidentin der Basler Hebelstiftung. Sie begründet das so: «Ausser dem Haus von Hebels Mutter in Hausen gab es nur wenige Verbindungen zwischen Basel und Hausen.» Das sollte mit dem Brunnen anders werden.

Mit Unterstützung der damaligen Baudirektorin Barbara Schneider gelang es Reber-Liebrich, die Regierung zu überzeugen. Fehlte nur noch das Geld, denn verschenken wollte Basel den Brunnen nicht. Er wurde der Basler Hebelstiftung in Rechnung gestellt. Die 30'000 Franken kamen mithilfe von Gönnern und wegen Stiftungsratsmitglied und Baseldeutsch-Papst Rudolf Suter zusammen. «Er hat sich zu seinem 80. Geburtstag statt Geschenken Geld für den Basiliskenbrunnen für Hausen gewünscht», sagt Reber-Liebrich.

14 Brunnen ausserhalb Basels

Am 22. September 1999 wurde der Brunnen anlässlich des Abschieds des ehemaligen Bürgermeisters feierlich in Hausen eingeweiht. Neben den 30 Basiliskenbrunnen in Basel stehen heute 14 ausserhalb des Kantons. Die vollständige Liste kommt von IWB-Mediensprecher Eric Rummer: Zürich (1983), Neuenburg (1990), Pruntrut (1991), Huningue (1993), Hattstatt (1994), Jerusalem (1997), Hausen (1999), Anwil (2002), Binningen (2004), Kumming (2005), Schanghai (2008), Wien (2008), Moskau (2012) und Mulhouse (2016).

Nur drei wurden nicht aus der Staatskasse bezahlt: Hausen, Neuenburg und Pruntrut.