Statuen
Von Nero bis zu Saddam Hussein: Die Bronze als Zeichen der Ehre

Die Fälschungsvorwürfe zeigen: Bronzebildnisse bewegen die Menschen bis heute. Als Zeichen der Macht erstellt, ist auch ihre Zerstörung ein symbolischer Akt. Nur noch wenige Bildnisse aus dem beliebten Werkstoff sind jedoch erhalten.

Nicolas Drechsler (Text)Andreas F. Voegelin (Fotos)
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Dionysos 1. Jh. v. Chr. (links) und Faustkämpfer 3. Jh. v. Chr. vom Antikenmuseum Basel.

Dionysos 1. Jh. v. Chr. (links) und Faustkämpfer 3. Jh. v. Chr. vom Antikenmuseum Basel.

Zur Verfügung gestellt

Jemanden «von seinem hohen Ross zu holen» oder ihn «vom Sockel zu stürzen» sind Sprichworte für die Entmachtung der einst Herrschenden.

Der Sturz der Statue von Saddam Hussein durch die Bewohner Bagdads 2003 oder die Entfernung der Standbilder kommunistischer Grössen nach der Wende 1989 zeigen: Auch heute noch haben Bronzedenkmäler eine grosse symbolische Bedeutung.

Das dürfte einer der Gründe sein, warum Museumsdirektoren gereizt reagieren, wenn man behauptet, sie seien Fälschern aufgesessen.

So wie Andrea Bignasca, der Direktor des Antikenmuseums Basel im jüngsten Streitfall um die Büste einer Göttin.

Professor Stefan Lehmann von der Universität Halle nimmt an, diese und eine weitere Büste stammen aus einer spanischen Fälscherwerkstatt.

Statuen oft eingeschmolzen

Antike Bronze-Statuen sind heute selten. Denn Bronze war immer ein beliebter Werkstoff, leicht einzuschmelzen und anders zu verwenden. Insbesondere, als ab dem 13. Jahrhundert immer grössere Mengen Bronze benötigt wurden, um Kanonen zu giessen, waren die antiken Statuen beliebte Materiallieferanten.

Die Zahlen sind eindrücklich: 546 nach Christus, nach der Eroberung Roms durch Totilas Ostgoten, ergab ein Inventar die Zahl von zwei Kolossen, 22 Reiterkolossen und 3800 Statuen aus Bronze. Im Jahr 2001, als der deutsche Historiker Götz Lahusen für sein Standardwerk über römische Bronzen forschte, fand er noch 16 antike Bronzebildnisse in Rom und 200 weitere in Museen.

Die Seltenheit echter antiker Grossbronzen macht diese beinahe automatisch zu Prunkstücken jeder Sammlung. Die wohl Berühmteste, die heute noch erhalten ist: das Reiterstandbild des Marcus Aurelius in Rom, das die italienische 50-Cent-Münze ziert.

Klassische Handwerksmethode

Die Herstellung von Bronzeskulpturen hat sich seit der Antike nur unwesentlich verändert. Die klassische Vorgehensweise ist, ein Modell aus Bienenwachs zu fertigen. Rundherum wird die Form aus Lehm gefertigt. Erhitzt man nun die Lehmform, schmilzt das Wachs und lässt sich leicht abgiessen. Nun muss der Künstler die Form nur noch mit Bronze, also einer Legierung aus etwa 90 Prozent Kupfer und 10 Prozent Zinn füllen und erkalten lassen. Nach der Zerstörung der tönernen Form hat man den Rohling der Statue, der nun noch ausgestaltet werden muss.

Die Grösse der Statuen war in der Antike fast unbeschränkt. Die Kolossalstatue, die Kaiser Nero für sich errichten liess, war nach Schätzungen 30 bis 35 Meter hoch. Auch ihr Schicksal ist unbekannt. Sicher ist, dass sie kurz nach dem Sturz Neros in eine Herkulesstatue umgestaltet wurde.

Denn die Zerstörung von Statuen als Zeichen der Entmachtung ist keine neue Erfindung: Als der machthungrige Prätorianerpräfekt Seianus 31 n. Chr. auf Befehl von Kaiser Tiberius hingerichtet wurde, zerstörte das Volk seine Statuen.

Der Dichter Juvenal illustrierte Seianus’ Niedergang mit den Worten: «Das Gesicht, das einst das zweitwichtigste in der Welt war, wird eingeschmolzen zu Kannen und Schüsseln, zu Pfannen und Nachttöpfen.»

In manchem Museum würde man sich heute wohl über einen dieser Nachttöpfe freuen. Aber nicht ganz so sehr, wie über eine unversehrte Statue eines römischen Adligen. Es muss ja nicht gleich ein Koloss wie jener von Nero sein. Die oben abgebildeten Ausstellungsstücke des Antikenmuseums Basel und Sammlung Ludwig messen nur 25 Zentimeter und zählen dennoch zu den Vorzeigeobjekten der Basler Bronze-Sammlung.

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