Einen Boulevard hatte sich Alt-Regierungsrätin Barbara Schneider im Rahmen der «Stadtentwicklung» im Gundeli gewünscht. Zwölf Millionen Franken später wurde die neue Güterstrasse 2008 von der Baudirektorin feierlich eröffnet. Die Kritik aus dem Quartier liess nicht lange auf sich warten. Die Güterstrasse sei noch immer wenig belebt. Dazu wenig boulevardesk.

Damals sprach das Basler Baudepartement davon, dass die Restaurants mehr Stühle rausstellen sollten und das Boulevard-Feeling würde dann schon folgen. Darum sei die Umgestaltung ein Erfolg gewesen. Zehn Jahre später bewahrheitet sich der Wunsch des Departements jetzt doch.

Auf der 1,2 Kilometer langen Strecke von der Margarethenstrasse bis zum Tellplatz verwandelt sich die Güterstrasse mehr und mehr in eine Fressmeile. Vom zweistöckigen griechischen Restaurant bis zur hippen Weinbar oder einem Thai-Take-Away oder den Pizza-Spezialisten Vito finden Boulevard-Gänger auch klassische Beizen im Angebot.

Restaurants statt Läden

Fausi Marti beobachtet die Entwicklung mit Skepsis. Der Präsident des neutralen Quartiervereins Gundeldingen hofft, dass die Durchmischung von gastronomischen und Laden-Angeboten an der Güterstrasse erhalten bleibt. Er sagt: «Die Frage müssen wir uns schon stellen.» Im Gespräch sagt er, dass etwa das Vitalis-Reformhaus schon verschwunden sei und es nicht die Lösung sein könne, dass im Lokal einfach ein weiteres Café eröffne. «Es hat sich auch gezeigt, dass es einen gewissen Verdrängungskampf gibt», sagt Marti und verweist auf die Schliessung des Café «Fortuna».

Mit der Fertigstellung des Meret Oppenheim-Hochhauses im Frühling 2019 eröffnet die vegetarische Fast-Food-Kette Tibits eine zweite Filiale in Basel. Nebenan baut der weltweit tätige Pizza-Service Domino’s Pizza in einem ehemaligen Tattoo-Shop an ihrer dritten Basler Niederlassung, zu der auch ein Kurierdienst gehört.

Der Pizza-Gigant betreibt weltweit über 11'000 Lokale. Auf einem Spaziergang die Güterstrasse hinab zeigt sich, dass bis zum Tellplatz 31 verschiedene gastronomische Angebote geöffnet haben. Der Gipfelispezialist «La République Du Croissant» hat schon im September ein neues Café eröffnet, wo einmal das Reisebüro Kuoni seine Filiale hatte.

Auf die Frage, ob sich der Bahnhof auf die Entwicklung der Güterstrasse auswirke, sagt Fausi Marti vom Quartierverein, dass es ein «Riesenangebot und eine Riesennachfrage» nach Verpflegungsangeboten gebe. Auch die 300 zusätzlichen Arbeitsplätze des Schweizer Fernsehens im Meret Oppenheim-Hochhaus würden sich auswirken. Marti spricht von hungrigen Fernsehmitarbeitern, die zur Mittagszeit ausschwärmen würden.

Ob nun Boulevard oder nicht: Läden hat es an der Güterstrasse schon noch. Auch ziemlich spezielle: Da findet sich der Fischerei Shop neben dem Perückenhaus, Computerhändler Ingeno Data neben dem Bücher Brocki und auch der obligate Hanfladen fehlt nicht. Möbel und Dekoartikel gibt es im «Schauraum» zu kaufen.

Alle paar Meter eine Beiz

Den Beizenboom erklärt sich Quartiervertreter Marti so: Den Kaffee, den man im Quartier um die Ecke trinken gehe, könne man nicht online einkaufen, sodass die Gastronomen einen Vorteil gegenüber den Ladenbesitzern hätten. Im Gundeli jedenfalls kann man sich nicht beklagen. An der Güterstrasse trifft man alle paar Meter auf ein gastronomisches Angebot.