Wenn Katja Hugenschmidt mit dem Velo durch Basel pedalt, fährt sie an vielen grünen Flecken vorbei, die auf Projekte des Vereins Ökostadt Basel zurückgehen, den sie seit 20 Jahren leitet. Im St. Johann klettern 56 Rosen an Hauswänden empor, verbreiten ihren Duft und bringen viel Farbe ins Stadtbild.

Die Rosen werden von den Quartierbewohnern sehr geschätzt, denn sie machen das Quartier freundlicher. Für dieses Projekt hat Katja Hugenschmidt die Hausbesitzer persönlich angeschrieben und sie überzeugt, an ihrer Hauswand Platz für eine Rose zu machen. Gleichzeitig mussten Rosenpaten gefunden werden, die sich dazu bereit erklären, eine Rose regelmässig zu giessen.

Osterglocken am Strassenrand

Beim Projekt «Basler Frühling» hat Hugenschmidt mit Arbeitslosen entlang fünf stark befahrener Basler Strassen 25 000 Osterglocken und Krokusse gepflanzt. Auf Erdstreifen, die sonst kaum Beachtung finden. Am Kannenfeldplatz, auf dem Wettsteinallee-Kreisel oder längs der Gundeldingerstrasse steckten sie Blumenzwiebeln in die Erde. «Erstaunlich viele Osterglocken haben an diesen unwirtlichen Orten überlebt», berichtet Hugenschmidt erfreut.

Zum 20-Jahr-Jubiläum lancierte Ökostadt die Aktion «100 Apfelbäume für Basel». «Wir wollten, dass die Kinder sehen, wie ein Apfel wächst.»

Diese Projekte zeigen, worauf es Hugenschmidt ankommt. Sie möchte nicht nur mehr Grün in die Stadt bringen, sondern die Bewohner in ihre Projekt miteinbeziehen und sie überzeugen, sich selber für eine lebenswerte Umwelt einzusetzen. Dabei versucht sie oft das fast Unmögliche und bringt mit ihren Ideen unterschiedlichste Menschen zusammen.

Bei den Stadtführungen in der Reihe «Basel natürlich» führt sie zu interessanten grünen Flecken in den Quartieren und bringt bei ihren Ausführungen Stadtgeschichte und Stadtökologie zusammen. Sie weist auf reizvolle Details an Häusern und Hinterhöfen hin, beispielsweise auf Spuren früherer Werkstätten oder Läden. Diese Besonderheiten erstaunen die Teilnehmer immer wieder. «Viele erzählen mir, dass sie nach einer Führung ihr eigenes Quartier ganz anders betrachten», erzählt Hugenschmidt.

Wie mit dem Blick einer Fremden

Bei den Vorbereitungen zu einer Stadtführung flaniert sie aufmerksam durchs Quartier, auf der Suche nach interessanten Grüngestaltungen. «So, als ob ich in einer fremden Stadt wäre.» Sehr viele Basler Quartiere hat sie bereits durchforscht und dabei viel Erstaunliches entdeckt. Sie spricht mit den Leuten, erfährt dabei Hintergründe und fragt, ob sie bei einer Führung den Hinterhof zeigen dürfe. Oft entdeckt sie Dinge, die sie nie für möglich gehalten hätte. «Ein Baum, der an einem Ort wächst, wo er theoretisch keinen Platz hätte.»

Diesen Frühling hat Katja Hugenschmidt den ersten Preis der «Trophée de Femme» der Umweltstiftung Yves Rocher erhalten. Begründung der Jury war, dass sie mit ihrem Engagement eine vielfältige Begrünung der Stadt fördere und diese wohnlicher mache.

Bereits hat sie ein neues Projekt in Vorbereitung. Sie möchte Basler Hausbesitzer überzeugen, ihren Hinterhof zu entsiegeln, zu begrünen und damit aufzuwerten. «Für das Stadtklima wäre dies ein grosser Gewinn», so Hugenschmidt.

Zu hoffen ist, dass sie mit ihrer Kommunikationsfähigkeit, ihrem Humor und ihrer Liebe zur Sache auch hier wieder das fast Unmögliche schafft.