Spitaldebatte

Von wegen Basel tanzt aus der Reihe: Es gibt gute Gründe für die hohe Dichte an Spitalbetten

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Oft wird dem Kanton Basel-Stadt die schweizweit höchste Dichte an Spitalbetten zum Vorwurf gemacht. Der Vergleich der Städte verändert das Bild.

Am Donnerstag war es wieder so weit: Stimmen aus Basel-Stadt forderten die Schliessung des Bruderholzspitals. Dieses Mal war es die Basler SP in ihrer Vernehmlassungsantwort zur geplanten Spitalgruppe von Universitätsspital Basel (USB) und Kantonsspital Baselland (KSBL). Es dürfte nicht lange dauern, bis eine gepfefferte Replik aus dem Baselbiet zurückschallt. Im Abstimmungskampf zur Bruderholzspital-Initiative vom Mai gab es dabei jeweils ein Totschläger-Argument: Der Kanton Basel-Stadt weist die höchste Dichte an Spitalbetten aller Kantone auf. Mit 10,8 Betten auf 1000 Einwohner liegt der Wert mehr als doppelt so hoch wie der Schweizer Durchschnitt (4,5) und fast dreimal höher als in Baselland (3,7). Sprich: Basel-Stadt solle gefälligst erst einmal bei sich Betten abbauen, bevor man den einzigen Spital-Standort im Unterbaselbiet kritisiere.

Äpfel mit Birnen verglichen

Bloss: Dieser oft gewählte Vergleich der Kantone greift zu kurz. Kein anderes Kantonsgebiet ist so deckungsgleich mit dem Kantonshauptort wie jenes von Basel-Stadt. Es fehlt an Umland, das den Dichtestress der Gesundheitseinrichtungen innerkantonal entlasten könnte. Der Stadtkanton muss deshalb nicht mit Kantonen, sondern mit anderen Städten verglichen werden. Doch eine solche Statistik zur Spitalbettendichte gibt es beim Bund nicht. Die «Schweiz am Wochenende» hat deshalb eine eigene erstellt.

Basierend auf der Spitalliste des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) lässt sich der Städtevergleich präzis berechnen (siehe Tabelle). Freilich ist nur ein Vergleich der Grossstädte mit Zentrumsfunktion sinnvoll, da grosse Spitäler die Quoten kleinerer Orte völlig verzerren – das beweist Liestal mit 60,5 Betten auf 1000 Einwohner.

Und siehe da: Plötzlich tanzt die Stadt Basel nicht mehr aus der Reihe. Die Quote von elf Betten ist zwar weiterhin hoch, doch liegen Genf und Lausanne praktisch gleichauf. Auch Zürich rückt mit 8,5 näher – und Bern schwingt mit 15,4 sogar deutlich obenaus. «Der Vergleich ist interessant – und legitim», sagt Felix Schneuwly, Gesundheitsökonom beim Vergleichdienst Comparis. Das Argument der hohen Bettendichte allein genüge nicht, um Abbauforderungen an Basel-Stadt zu stellen.

Basler gehen öfter ins Spital

Auch Stefan Felder, Professor für Gesundheitsökonomie an der Uni Basel, stimmt dem zu. Er weist zusätzlich auf zwei Dinge hin, die die hohe Dichte rechtfertigen: Mit 87 Prozent weisen die Spitäler Basel-Stadts eine sehr gute Auslastung auf. Die Nachfrage für diese Kapazitäten ist also vorhanden. Zudem besuchen in keinem anderen Kanton mehr Patienten die Spitäler, die aus anderen Kantonen oder dem Ausland stammen. Rechnet man diese dazu, sinkt die Bettendichte.

Also alles gut im Basler Bettenwald? Nicht unbedingt: «Auch bei der Hospitalisierungsrate ist Basel-Stadt nationaler Spitzenreiter», sagt Felder. Das heisst, dass in keinem anderen Kanton die Menschen häufiger ins Spital gehen. «Das fördert das Aufbauen von Kapazitäten zusätzlich.» Allerdings sei auch hier angemerkt, dass die Unterschiede bei einem Vergleich der Städte wohl geringer ausfallen würden, da Menschen medizinische Angebote öfter nutzen, je besser der Zugang zu ihnen ist.

Bei der Frage, ob in Basel eine teure Überversorgung besteht, bringt Schneuwly noch etwas ins Spiel: «Auch die ambulanten Leistungen, die ausserhalb der Spitäler angeboten werden, müsste man berücksichtigen.» Dabei denkt er etwa an die Spitex. In Sachen Versorgung zeigen die Berechnungen, dass in der Stadt Basel mit 161 deutlich weniger Betten auf ein Spital kommen als in Bern, Genf oder Lausanne. Nur Zürich mit 183 ist ähnlich. Es gibt also mehr Anbieter. Dies weist auf eine Zersplitterung des Gesundheitsangebots und eine grössere innerstädtische Konkurrenzsituation hin.

Pro Fusion, gegen Bruderholz

Wären weniger Anbieter besser? «Konkurrenz ist grundsätzlich positiv», sagt Felder. Zudem seien die Privatspitäler in Basel keine blossen Rosinenpicker, die sich auf die lukrativsten Leistungen beschränken, auch wenn Orthopädie sehr präsent sei. «Es gibt keinen Beleg, dass ein grösseres Spital besser als ein kleines ist», ergänzt Schneuwly. Der Schlüssel, um die Kosten zu senken, seien Spezialisierungen und eine gute Auslastung. «So gesehen könnte die Spitalfusion von USB und KSBL schon helfen, da sie spezialisieren möchte – vorausgesetzt, die Wettbewerbskommission gibt grünes Licht.» Das sieht auch Felder so. Die Tagesklinik-Pläne auf dem Bruderholz unterstützt er aber nicht. Dafür sei der schlecht erschlossene Standort nicht geeignet. Womit wir wieder bei der Forderung der Basler SP wären. Denn Felder sagt: «Es wäre besser, den Standort Bruderholz aufzugeben.»

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