Population
Von wegen Dichtestress! In Basel gibt es genug Platz für noch mehr Leute

Stadtentwickler Thomas Kessler will, dass bis in zwanzig Jahren 20'000 mehr Menschen im Kanton Basel-Stadt leben.

Martina Rutschmann
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Geht es nach dem Stadtentwickler, baden bis in zwanzig Jahren noch mehr Menschen im Rhein, als dies heute an heissen Tagen der Fall ist.

Geht es nach dem Stadtentwickler, baden bis in zwanzig Jahren noch mehr Menschen im Rhein, als dies heute an heissen Tagen der Fall ist.

KEYSTONE

Dichtestress? «Dieses Wort im Zusammenhang mit Basel zu verwenden, ist ein Witz!» Das sagte Thomas Kessler, als er am Dienstag Bilanz zog und voraus blickte. Was hat seine Abteilung, die Kantons- und Stadtentwicklung, erreicht? Wo will sie hin? Oder sollte man fragen: Wie viele Bewohner will sie? Denn die Frage kann deutlich beantwortet werden: mehr! Viel mehr.

Vor den Partnerorganisationen und -stellen seiner Abteilung sprach Kessler über das derzeitige leichte Bevölkerungswachstum und die damit verbundenen Herausforderungen. Wo mehr Menschen leben, braucht es mehr Schulhäuser, Wohnungen und so weiter. Doch keine Angst, mahnte Kessler. Basel käme bei einem Babyboom und unerwartet vielen Zuzügern nicht unter Druck. Die Stadt sei schliesslich für viel mehr Einwohner geplant, als sie jetzt habe.

Zur Erinnerung: Im Jahr 1970 lebten knapp 235’000 Menschen in Basel-Stadt. Das sind 43’000 mehr als heute. Von Dichtestress sprach damals niemand. Im Gegenteil: Bevölkerungswachstum wurde als Ehre für Basel angesehen, wie dem Film «Der Gesamtplan» aus dem Jahr 1972 zu entnehmen ist. Dort heisst es: «Alle kommen in die Stadt, alle wollen in die Stadt!»

Kanton wirbt in Frauenzeitschrift

Der Kanton wollte die Bevölkerung mit diesem Film von einem Bauvorhaben überzeugen, aus heutiger Sicht ist er aber vor allem wegen der Hoffnung der normalen Leute interessant: Sie wollten, dass die Stadt wächst. Keiner hatte Angst vor Dichtestress. Wie viele Einwohner Basel im Jahr 2000 habe, wurden Passanten gefragt. Sie schätzten 280’000, 300’000, bis zu 400’000. Ein Blick auf die Statistik zeigt aber: Seit den 40er-Jahren wohnten nie weniger Menschen in Basel als im Jahr 2000. Danach ging es aufwärts. Die aktuell 192’000 Bewohner reichen Kessler nicht.

«Stadtwohnen ist ein Dienst am ganzen Land», sagte er. Denn es verhindere Zersiedelung, ein Reizwort unserer Zeit. Wie auch «Dichtestress». Aber: «Mit durchschnittlich 40 Quadratmetern Wohnraum pro Kopf sind wir in Basel entdichtet», sagte Kessler. Seine Abteilung habe in der Zeitschrift «Annabelle» ein Inserat geschaltet, worin für das Leben in der Stadt geworben wird. «Wir haben dort inseriert, weil praktisch immer die Frau entscheidet, wo man lebt.» Kessler hofft, mit dem Slogan «Stadtwohnen, mehr Leben – Basel» viele Frauen vom Standort überzeugen zu können.

Sein Ziel: «Bis in 20 Jahren sollen 20’000 mehr Menschen in Basel leben als heute.» «Paradoxe Effekte» hielten Menschen allenfalls von diesem Schritt ab, etwa die Angst vor Delikten, obwohl derzeit weniger Delikte verzeichnet würden als vor zehn Jahren; oder das Argument, es sei zu laut in der Stadt. «Es ist paradox – denn die Geräuschkulisse der Stadt wird immer leiser.»

Basel gehe es gut. Auch das untermauerte Kessler mit Zahlen. Etwa mit der Zunahme an Wohnungen um drei Prozent oder jener der Kinderbetreuungsplätze um 72 Prozent in den vergangenen sechs Jahren.