Friede, Freude, Eierkuchen. Die erneute Ernennung von Joël Thüring zum Parteisekretär der Basler SVP habe kaum für Aufsehen gesorgt. So stellt es Parteipräsident Lorenz Nägelin dar. Weder Vorstand, noch Fraktion oder Basis soll gross aufgemuckt haben, liess er sich gestern in der bz zitieren.

Das erstaunt, hatte er doch selbst vor etwas mehr als einem halben Jahr eine Medienmitteilung verschickt, in der er Thürings Rücktritt von diesem Amt verkündete. Es sollte ein Schlussstrich sein unter die im Mai tagelang wogende E-Mail-Affäre – Grossrat Thüring soll wochenlang heimlich Mails von Nationalrat Sebastian Frehner mitgelesen haben. Er sollte dafür von seinem Amt als Parteisekretär zurücktreten. Im Gegenzug zog Frehner seine Strafanzeige zurück.

Ganz so eitel Sonnenschein scheint in der Basler SVP aber nicht zu herrschen, wie es der Parteipräsident darstellt. Selbst in der Parteispitze gibt es Unzufriedene. Ein Mitglied droht gar mit Parteiaustritt, sollte sich die Sache nicht klären: «Man kann doch keine Vereinbarung unterzeichnen und sich dann nicht daran halten. Das Vertrauen wäre dahin.»

Mafia-Vorwürfe gegen Vorstand

Aus diesem Grund wird sogar Parteipräsident Nägelin infrage gestellt. Noch sind es nur Einzelne. Und mit Namen wollen derzeit noch weniger hinstehen; zuerst soll die Angelegenheit parteiintern besprochen werden. Auch Nationalrat Frehner will im Moment überhaupt nichts sagen, obwohl die schriftliche Vereinbarung mit ihm vom Parteivorstand nie eingehalten worden ist.

In der Grossratsfraktion gibt es mehrere Kritiker des Entscheids. Zu ihnen gehört Rudolf Vogel. Er ist schwer enttäuscht: «Ich halte wenig davon, dass Joël Thüring nun wieder als Parteisekretär amtet. Unehrlichkeit soll nicht belohnt werden.» Vogel verweist nicht nur auf den Umstand, dass der Fraktionskollege während Monaten heimlich die E-Mails von Frehner mitgelesen haben soll, sondern hält ihm auch frühere Verfehlungen vor.

Gleichzeitig erhebt er gegen den Vorstand schwere Vorwürfe, nennt ihn eine «Mafia»: «Noch immer wird nicht darüber geredet, dass wir als Partei eine Spende in der Höhe von einer Million Franken erhalten haben.» Das sei intern ein Tabuthema, «gleichzeitig werden die Mandatsabgaben erhöht», sagt Vogel. Er wisse nicht, wie das so weitergehen könne, sagt er.

Etwas gemässigter pflichtet ihm Grossratskollege Patrick Hafner bei. Der Präsident der Finanzkommission findet den Entscheid der Parteileitung «seltsam». Es habe wohl gute Gründe für die Absetzung Thürings gegeben, «und an der Sachlage hat sich ja nichts geändert». Joël Thüring macht er in dieser Frage indes keine Vorwürfe: Er habe das Sekretariat stets zu grosser Zufriedenheit geführt. Vielmehr stelle sich die Frage, ob das «Hüst und Hott der Parteileitung sinnvoll ist».

Christian Heim: «Habe mich schon lange gewundert»

In der Riehener Untersektion ist der Missmut über das Vorgehen des Vorstands gross. Einwohnerrat Christian Heim sagt: «Thüring war nie weg, darüber habe ich mich schon lange gewundert. Und so habe ich auch gestaunt, als ihn der Vorstand erneut ins Amt setzte.» Immerhin sei Riehen weit weg, «wir hier sind nicht so stark davon betroffen».

Natürlich aber findet Nägelins Entscheid auch Unterstützer. So spricht sich Pascal Messerli für die nun gefundene Lösung aus – er selber war Teil der Arbeitsgruppe, welche die Nachfolge Thürings regeln sollte. «Wir haben verschiedene Optionen geprüft und waren uns bei dieser Variante einig», sagt er.

Klar aber ist auch: Die Parteileitung hat keinerlei Interesse daran, dass der alte Streit nun wieder aufflammt. Noch während der gestrigen Recherche meldete sich Präsident Nägelin gleich mehrfach bei der bz, um das Schlimmste zu verhindern. Den Stein aber hat er selber längst ins Rollen gebracht.