Archäologiefund

Von wegen «neues» Stadtquartier – schon vor 3500 Jahren wurde im Erlenmatt gesiedelt

Seit 2007 entsteht auf dem Erlenmatt ein neues Stadtquartier. Nun haben Archäologen eine Siedlung aus der Mittelbronzezeit an dieser Stelle zutage gefördert.

Seit 2007 entsteht auf dem Erlenmatt ein neues Stadtquartier. Nun haben Archäologen eine Siedlung aus der Mittelbronzezeit an dieser Stelle zutage gefördert.

Das ehemalige Areal der Deutschen Bahn gehört offenbar zu den ältesten besiedelten Orten in Basel. Das zeigt ein bis anhin nicht publizierter Fund der Kantonsarchäologen.

«Ghetto-artige Zustände» würden herrschen. «Unerwünschte soziale Erscheinungen» werde es geben und vor allem: «Da will niemand wohnen, der die Wahl hat.» So machten im Jahr 2004 SVP und Schweizer Demokraten Stimmung gegen die ihrer Meinung nach absurde Idee, das ehemalige DB-Areal zu einem neuen Stadtquartier namens Erlenmatt zu machen.

Nun, ein Ghetto ist es nicht geworden, im Gegenteil, die Erlenmatt gilt eher als Expat-Nobel-Siedlung. Und nun noch das: Die Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt kann nachweisen, schon vor 3500 Jahren wollten Menschen nichts lieber, als an ebendieser Stelle ein Zuhause finden. Zwischen dem Lauf der Wiese und dem Rhein.

Überraschender Fund

Eine Siedlung aus der Mittelbronzezeit haben die Archäologen zu Tage gefördert, auf deren Spuren man bei Bauarbeiten stiess. «Der Fund ist vor allem deshalb interessant, weil es generell wenig Funde aus der mittleren Bronzezeit gibt», sagt Norbert Spichtig, der stellvertretende Leiter der Archäologischen Bodenforschung. Einzigartig ist er aber nicht: «Auf dem Areal der Novartis gegen die Landesgrenze hin haben wir noch eine vergleichbare Siedlungsstätte festgestellt.» Die Mittlere Bronzezeit ist eine Epoche, aus der meist nur wenige, für den Laien spektakuläre Funde ans Licht kommen.

So auch hier, es ist nicht einmal mehr klar, wie gross die Siedlung war. Vor allem auch, weil die Wiese ihren Lauf mehrfach geändert hat im Laufe der Jahrtausende. «Es sind relativ wenig Strukturen klar erkennbar, so beispielsweise auch kein klarer Siedlungsrand. Aber wir konnten Gräben feststellen und einige Reste von Gebäuden. Die Ausdehnung der Siedlung ist nicht mehr feststellbar.» Doch die Hoffnung sollte man nicht ganz aufgeben, schliesslich wird auf der Erlenmatt noch weiter gebaut, eventuell taucht zumindest die Siedlungsgrenze einmal auf.

Gefunden haben die Archäologen vieles, aber keine jene, die der Zeit ihren Namen gebenden Metallgegenstände: «Wir haben einige Keramikfunde, wenig Steinfunde und keine Bronzestücke gefunden.» Es sei aber nichts aussergewöhnliches, denn Bronzeobjekte sind in ausgegrabenen Siedlungen rar.

Einer der wenigen Funde dieser Art in Basel ist ein Randleistenbeil, das am St. Alban Rheinweg gefunden wurde. Die erhaltenen Bronzegegenstände sind oft Beigaben aus den Hügelgräbern der frühen und mittleren Bronzezeit. Danach gingen unsere Vorfahren zu Brandbestattungen über.

Dass Basel in der Bronzezeit bereits ein beliebter Siedlungsort war, ist wohl auf seine Lage an den Verkehrswegen zurückzuführen. Bronze wird aus Kupfer und Zinn hergestellt. Und dieser Zinn musste aus England, der Bretagne und Spanien in den Rest Europas exportiert werden. Und wie auch heute noch, war auch schon vor dreieinhalb Jahrtausenden der Rhein ein wichtiger Transportweg.

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