UPK Basel

Vor 100 Jahren grassierte die Alkoholsucht, aber Tee und Kaffee waren verboten

Abstinenzlerinnen schöpfen Alkoholikern eine warme Mahlzeit aus. Staatsarchiv Basel-Stadt/Neg. 2753

Abstinenzlerinnen schöpfen Alkoholikern eine warme Mahlzeit aus. Staatsarchiv Basel-Stadt/Neg. 2753

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts werden in Basel Suchtkranke betreut. Damals war vor allem der Alkoholmissbrauch sehr verbreitet. Heute kommen neue Probleme auf die Gesellschaft zu. Damit beschäftigt sich die neue Ausstellung.

Die Suchtpolitik des Kantons Basel-Stadt ist und war schon immer fortschrittlich. Das scheint unbestritten, hört man die Reden zur Ausstellungseröffnung von «Rausch. Ekstase, Sucht» in der Mensa der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK).

Regierungsrat Carlo Conti betonte die hervorragende Zusammenarbeit mit der Klinik, deren Vertreter Professor Gerhard Wiesbeck wiederum lobte die Gesundheitsdienste für die Kooperation. Was nach blosser gegenseitiger Lobhudelei klang, hat jedoch Hand und Fuss und ist tatsächlich das Fundament einer bemerkenswerten Entwicklung im Umgang mit Sucht und Abhängigkeit.

Wie Conti ausführte «erfolgt Regulierung erst, wenn der Konsum zu einer Bedrohung der allgemeinen Gesundheit wird.» Es sei entscheidend, dass es in Basel gelungen sei, die Repression, die immer als erstes Mittel der Wahl gelte, durch Akzeptanz und niederschwellige Betreuung zu ergänzen. «Ich bin froh, dass die Drogenpolitik nicht mehr so kontrovers diskutiert wird», sagte Conti mit Blick auf die Skandalisierung der 1990er-Jahre.

Erstes Gassenzimmer in Basel

Doch nicht erst mit dem Aufkommen der harten Drogen ging Basel neue Wege. So war Ende des 19. Jahrhunderts der Alkoholmissbrauch in der Gesellschaft weit verbreitet. Gleichzeitig standen auf den Konsum von Tee und Kaffee zeitweise schwere Strafen – aus Angst des Staates, die Einnahmen aus dem Biermonopol zu verlieren. Erst private, dann zunehmend staatliche Initiativen versuchten, dem Problem Herr zu werden. Der Küchenwagen der Abstinenten-Bewegung oder die Trinkerfürsorgestelle setzten bereits damals auf Betreuung.

Nicht so weit verbreitet, jedoch ab den 1980er-Jahren so präsent, dass es gesamtgesellschaftlich zum Thema wurde, waren Drogen – speziell die offene Drogenszene. Auch hier nahm Basel eine Vorreiterrolle ein und führte die ersten Gassenzimmer ein. Zu Beginn waren diese wiederum privat organisiert, ab 1991 übernahm der Staat.

Trotz internationaler Kritik hielten die Verantwortlichen an ihrer Vision fest, dass über einen kontrollierten Konsum und intensive Betreuung mehr zu erreichen ist, als durch Verbote und Repression. 2008 wurde diese Politik schliesslich gesetzlich verankert, jedoch nur, weil die Liberalisierung von Cannabis fallen gelassen wurde. Dieses Problem bestehe also weiter, wie Professor Wiesbeck ausführte.

Und es kommen neue Probleme auf die Gesellschaft zu: Zum einen sind dies alternde Suchtkranke, für die es in den Altersheimen keine Betreuungsstruktur gibt. Zum Anderen Abhängigkeiten, die nicht mit dem Konsum von Substanzen zusammenhängen. Damit sind Verhaltenssüchte wie Spielsucht und Internetsucht gemeint, die einzig im Kopf passieren. Auch hier ist Basel Vorreiter.

Zwei Jahre bevor die erste dieser Süchte ins Psychologische Diagnosekompendium DSM (Diagnostic and statistical Manual of Mental Disorders) aufgenommen wurde, richtete die Abteilung Sucht bereits ein Kompetenzzentrum für Verhaltenssucht ein.

Die Ausstellung «Rausch. Ekstase. Sucht» widmet sich denn auch eher der Zukunft. Für die Vergangenheit gibt es das Magazin «ausgesucht.bs». Promillebrillen und Computerspiele laden zur Selbsterfahrung ein, und wer sich zu Hause gerne mal auf sein Suchtpotenzial testen möchte, findet auf www.gesundheitsdienste.bs.ch entsprechende Möglichkeiten.

Rausch Ekstase Sucht, 6.–11. Mai. Mensa der Universitären Psychiatrischen Kliniken, Wilhelm Klein Strasse 27.

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