«Ich habe nichts damit zu tun. Ich bin unschuldig. Die Leute wollen mir Böses», übersetzte die Dolmetscherin. Der 58-jährige Mann aus Arlesheim beteuerte am Donnerstag im Basler Strafgericht immer und immer wieder seine Unschuld. «Ich erinnere mich nicht, dass diese Sachen passiert sind», meinte er schliesslich resigniert.

Die Anzeige kam von der Mutter eines 12-jährigen Mädchens: Im Dezember
2016 musste die Tochter mitansehen, wie ihr an der Bushaltestelle bei der Schifflände ein älterer Mann seinen Penis zeigte und eindeutige Bewegungen machte. Damit andere nichts davon mitbekamen hielt er einen Prospekt über seinen Schoss. Im Januar 2017 passierte am gleichen Ort praktisch dasselbe, das Mädchen beteuerte gegenüber der Polizei, es sei erneut derselbe Mann gewesen.

Da Wochentag und Zeit identisch waren, observierten Zivilfahnder die Bushaltestelle und beobachteten wenige Wochen später den 58-jährigen dabei, wie er sich dort «verdächtig verhalten» habe. «Die Polizei hat nicht gesehen, dass ich etwas gemacht habe. Weil ich in der Vergangenheit schon Probleme gehabt habe, werde ich jetzt für alles schuldig gemacht», meinte der Mann am Donnerstag dazu.

Seine Vergangenheit spricht tatsächlich eine klare Sprache: Bereits in den Jahren 2014 und 2016 wurde er wegen exakt solcher Delikte bereits verurteilt. Auch dazu betonte er allerdings, er sei unschuldig. Auch früher hatte er deswegen schon Verfahren am Hals, offenbar wurden sie aber aus Beweisgründen eingestellt.

Verteidiger Moritz Gall betonte, die Beweise reichten für eine Verurteilung nicht aus: Das Mädchen habe eine völlig andere Haarfarbe geschildert und das Alter des Mannes auf 40 bis 45 geschätzt. Sie sagte auch, sie habe den Mann gut erkennen können, den Angeklagten auf Fotos aber nicht identifiziert.

Einzelrichter Dominik Kiener fällte allerdings Schuldsprüche: Nur auf den ersten Blick sei die Beweislage dürftig. Allerdings habe das Mädchen viele Details des Mannes richtig beschrieben, beide Vorfälle ereigneten sich am gleichen Wochentag am selben Ort zur selben Zeit und passten exakt zum früheren Vorgehen des Mannes. Er habe dafür gesorgt, dass das Mädchen ihn beim Onanieren beobachten müsse und somit das Kind in seine sexuellen Handlungen miteinbezogen: Deshalb gab es nebst einer Verurteilung wegen Exhibitionismus auch einen Schuldspruch wegen sexueller Handlungen mit einem Kind.

Zusammen mit den fälligen Bewährungs-Vorstrafen verurteilte Dominik Kiener den Mann zu einer unbedingten Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu 30 Franken. Schlimmer dürfte ihn der Landesverweis treffen, er darf für fünf Jahre die Schweiz nicht mehr betreten und muss deshalb zurück nach Portugal. Kiener argumentierte mit der hohen Rückfallgefahr, deshalb dürften die Freizügigkeitsrechte des EU-Bürgers eingeschränkt werden. Ein Härtefall liege hier nicht vor.

«Das ist ungerecht. Ich bin krank und finde dort keine Arbeit», hatte der 58-Jährige zuvor betont. Er kam vor 25 Jahren in die Schweiz und arbeitete hier, leidet aber heute an Depressionen und wird seit Jahren von seinem Bruder unterstützt. Den Schuldspruch und den Landesverweis kann er noch ans Appellationsgericht weiterziehen.