Ob im «Chez Donati» oder in einer Gartenbeiz. Die Teller, Gabeln und Gläser stören beim Erklären. Also schiebt er das Gedeck weg – und zeichnet. Mit den Fingernägeln ins Tischtuch. Dazu erzählt er Geschichten. Über die Zeit, als er als Modefotograf Grace Jones und Twiggy fotografierte; über politische Themen; über seinen Lieblingssänger Frank Sinatra und den «Gott» Mozart und ganz allgemein über Frauen. Er spricht mit den Händen, immer. Gestikuliert wild oder malt feierlich eine «schöne Frau» in die Luft. Onorio Mansutti ist Italiener, «der Italienerbub aus Allschwil», wie Medien gern schreiben.

Das Gestikulieren aber ist keine Klischee-Erscheinung eines Südländers, oder sagen wir: nicht nur. Es untermauert die Leidenschaft, die der Mann in sich trägt, immer und bei allem. Es ist ein Feuer, das brennt und nie zu erlöschen scheint. Brasilien ist ihm näher als seine eigentliche Heimat. Brasilien ist das Land, dem seine bedingungslose Liebe gilt. Dort begann alles vor fast auf den Tag genau 40 Jahren. Es entstand seine Schnapsidee, die tatsächlich eine solche war.

Der 35-jährige Mansutti sass in einem Café in Rio und trank in einer lustigen Runde Schnaps. Vor dem Café wühlten Kinder in Mülleimern nach Essen. Mansutti wollte sie ins Lokal holen, ihnen Essen spendieren, soviel sie wollen. Der Wirt hielt das für keine gute Idee. «Da wusste ich es – ich muss etwas dagegen tun.»

Im selben Jahr gründete er die Stiftung «Kinder in Brasilien» (KIB). Als Basler Promi begeisterte er mit seinen Benefiz-Events gut betuchte Gäste. Das Klosterbergfest ist der bekannteste Anlass und offen für jeden. An der seit Jahrzehnten stattfinden Kunst- und Event-Auktion im «Atlantis» hingegen trifft man sich eher im familiären «höheren» Kreis zu Glamour und Grosszügigkeit.

Obwohl der Ablauf mit Ex-FCB-Präsident Werner Edelmann als Auktionator immer derselbe ist, will keiner der Gäste den Abend in seiner Agenda missen. Und das Portemonnaie geschlossen lassen – das will auch keiner. Über 100 000 Franken kommen jeweils zusammen. Denn man weiss: Der Mansutti, der ist glaubwürdig. Er steckt das Geld ohne Umwege in die Stiftung. Hunderte Strassenkinder konnten dank KIB eine Schule besucht. Und es werden täglich mehr.

Vom Strassenkind zum Popstar

Was treibt den Mann an? Woher nimmt er mit seinen inzwischen 75 Jahren die Kraft? Mansutti mag solche Fragen nicht. Er zeichnet zwar eine Antwort ins Tischtuch, aus seinem Mund aber will keine kommen. «Ich sage ja auch nicht, ich wünsche mir Gesundheit, wenn ich nach meinem grössten Wunsch gefragt werde.» Abgedroschenes ist nicht sein Ding. «Friede, dass es allen gut geht – Mumpitz ist das.» Obwohl: wahr. Und obwohl: Er ist derjenige, der schaut, dass es allen gut geht. Bloss sagen will er es nicht. Nicht so allgemein.

Lieber konzentriert er sich auf Fassbares, orientiert sich an Beispielen, veranschaulicht seine Arbeit. Da gab es etwa das Strassenmädchen Kesia Estacio. Mit der Unterstützung von KIB konnte es zur Schule gehen, musste nicht mehr im Müll wühlen. Das Mädchen ist inzwischen eine Frau und singt morgen in Basel. In der brasilianischen Version von «Voice of Switzerland» schaffte sie es ins Finale. In Brasilien ist sie ein Star.

Mansutti ist stolz, sie für die KIB-Geburtstagsparty im Grand-Casino einfliegen lassen zu können. Auf jedes Kind, das inzwischen ein normales Leben führen kann, ist er stolz. Und auf jedes Kind, dem das noch bevorsteht. Weil es «ehrlich» sei, so zu arbeiten. «Das Geld kommt und geht wieder.» Also doch noch eine Antwort. Das Ehrliche an der Arbeit gibt ihm die Kraft. Und die Tatsache, dass auch Leute wie der brasilianische Fussballstar Pelé schätzen, was der Basler tut. Auf der Einladung für das Fest gratuliert Pelé der Stiftung. Ein bisschen Glamour, viel Grosszügigkeit. Klingt einfach, ist es auch. Man muss es bloss tun. So, wie Mansutti.