Vor dem Abstimmungssonntag
In Basel zeichnet sich eine rekordverdächtige Stimmbeteiligung ab

Covid-Gesetz, Pflege-Initiative und die kantonale Wohnschutz-Initiative mobilisieren: Bis am Donnerstagmorgen gaben im Kanton Basel-Stadt bereits mehr als die Hälfte der Stimmberechtigten ihr Abstimmungscouvert ab. Es zeichnet sich die höchste Stimmbeteiligung seit Jahren ab.

Hans-Martin Jermann
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Auch am kommenden Sonntag dürfte es vor dem Wahllokal im Basler Rathaus zu Warteschlangen kommen. Übrigens: Wer vor 12 Uhr da ist, darf in jedem Fall abstimmen, auch wenn sie oder er einige Minuten in der Schlange auf den Einlass warten muss.

Auch am kommenden Sonntag dürfte es vor dem Wahllokal im Basler Rathaus zu Warteschlangen kommen. Übrigens: Wer vor 12 Uhr da ist, darf in jedem Fall abstimmen, auch wenn sie oder er einige Minuten in der Schlange auf den Einlass warten muss.

Juri Junkov (13. Juni 2021)

Exakt 50,3 Prozent der Stimmberechtigten im Stadtkanton haben bis am Donnerstagmorgen ihr Abstimmungscouvert eingelegt, teilt die Basler Staatskanzlei mit. Das ist ein sehr hoher Wert: Zuletzt war die Beteiligung drei Tage vor dem Abstimmungssonntag am 28. Februar 2016 so hoch. Damals standen unter anderem die Durchsetzungsinitiative der SVP sowie kantonal die neue Boden-Initiative an. Letztlich resultierte damals eine Beteiligung von 66,4 Prozent bei den eidgenössischen Vorlagen sowie gar 68,4 Prozent bei den kantonalen.

60 Prozent waren in Basel zuletzt fast schon Standard

Sehr gut möglich also, dass wir in Basel-Stadt auch am kommenden Wochenende eine ähnlich hohe Stimmbeteiligung sehen werden. Mit dem Covid-Gesetz, der Pflege- und der Justiz-Initiative auf nationaler Ebene sowie der kantonalen Initiative «Ja zu echtem Wohnschutz» stehen zugkräftige Vorlagen auf dem Programm. «Es sieht so aus, als würden wiederum über 60 Prozent der Stimmberechtigten teilnehmen», sagt Vizestaatsschreiber Marco Greiner auf Anfrage der bz.

Das ist noch eine vorsichtige Einschätzung: Bereits bei den letzten Urnengängen am 26. September und am 13. Juni lag die Stimmbeteiligung im Stadtkanton mit 61,3 respektive 60,8 Prozent über dieser Marke. Damals lag die Beteiligung am Donnerstag vor dem Termin bei 46,6 respektive 42,3 Prozent. Mit anderen Worten: Trudeln bei der Staatskanzlei in den nun folgenden Tagen die Wahlcouverts im selben Ausmass wie vor den beiden letzten Abstimmungssonntagen ein, so ist eine Beteiligung von 65 bis fast 70 Prozent denkbar.

Von den 72,4 Prozent der EWR-Abstimmung nicht so weit entfernt

Damit käme die Stimmbeteiligung gar in die Nähe des Rekordes in der jüngeren Geschichte des Kantons: Am 6. Dezember 1992 nahmen an der EWR-Abstimmung 72,4 Prozent teil. Dieser Rekord könnte in Basel bei wichtigen Vorlagen in naher Zukunft durchaus geknackt werden. Im Stadtkanton ist nämlich seit einigen Jahren eine Repolitisierung feststellbar, welche die Stimm- und Wahlbeteiligung in die Höhe treibt. Diese war in Basel noch zu Zeiten der EWR-Abstimmung unterdurchschnittlich – schweizweit nahmen damals gar 78,7 Prozent der Stimmberechtigten teil. Mittlerweile hat das gedreht: In Basel war in den letzten Jahren die Beteiligung oft höher als im nationalen Schnitt.

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