Fussball
Vor dem Hochrisikospiel durfte nur Leichtbier ausgeschenkt werden

Das Spiel GC gegen FC Basel vom Samstag wurde von den Verantwortlichen der Stadt Zürich als Hochrisikospiel eingestuft. Mit der Konsequenz, dass die Fussballfans ihr eigenes Bier mitbrachten

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Es bleibt ruhig: Die Begegnung zwischen den Grasshoppers und dem FC Basel haben die Verantwortlichen der Stadt als Hochrisikospiel eingestuft. STEFFEN SCHMIDT/Keystone

Es bleibt ruhig: Die Begegnung zwischen den Grasshoppers und dem FC Basel haben die Verantwortlichen der Stadt als Hochrisikospiel eingestuft. STEFFEN SCHMIDT/Keystone

Alkohol habe das Bier schon, sagt die Serviceangestellte hinter dem Selbstbedienungstresen im Bayerischen Hof beim Letzigrund. «Zwar nicht viel.» Aber wenn man zwei davon trinke, dann passe das schon, ergänzt sie lachend.

Der GC-Fan rümpft zwar die Nase, bestellt aber dennoch: «Im Stadion gibts dann ja gar nichts mehr.» Seine Begleiterin verzichtet indes auf ihr Panache. «Dann lieber gleich nur ein Citro.» Die Begegnung zwischen den Grasshoppers und dem FC Basel haben die Verantwortlichen der Stadt als «Hochrisikospiel» eingestuft. Weit um das Stadion herum darf deshalb schon anderthalb Stunden vor dem Matchbeginn in Dutzenden Restaurants und Kiosken nur Leichtbier ausgeschenkt werden. Alkohol, so die Begründung, erhöhe die Gewaltbereitschaft.

Bier von ausserhalb ist preisgünstiger

Am Hauptbahnhof hatte zuvor eine Gruppe junger Basler über diese Massnahme gelacht. Hochrisiko? Bei einem GC-Spiel? «Da kommen doch fast keine Zuschauer», frotzelte Thomas Gubler. Der Banker nahm aber dennoch einen normalen Zug, abseits der Fanströme. «In Zürich wird man wie Verbrecher empfangen, dabei sind wir nur Fans, die ein Spiel sehen wollen.» Und mit seinen Kollegen scherzt er weiter über die Zürcher.

Dass die Stadt in einem Rayon rund ums Letzigrund den Alkoholverkauf einschränke, stärke die Basler Wirtschaft, sagt ein 34-Jähriger («bitte schreib meinen Namen nicht, ich bin nur ein Fan, aber mein Chef denkt sonst, ich sei ein Hooligan»). Den Kasten Bier, den sie bis vor das Stadion mitschleppen, hätten sie nun halt bei sich gekauft. «Selber schuld, wenn ihr auf unser Geld verzichten wollt.»

Wie diese Basler Gruppe haben es unzählige andere Fans auch gemacht: Sie bringen ihre Bierdosen von ausserhalb des Rayons mit, die dann vor den Toren des Stadions liegen bleiben. Das sei ohnehin viel günstiger, meint ein GC-Supporter, der am Eingang einen Flyer für ein Fantreffen verteilt («Düstere Aussichten beim GCZ – offene Diskussion»). Andere meinen, dass die städtische Verordnung nicht viel bringe. Die Fans, die sich auskennen, wüssten sich ohnehin zu helfen, sagen sie. «Man muss halt nur planen.»

Bier gehört zum Match

Beim Schlachthof ärgert sich derweil ein Familienvater: «Ich mache doch keinen Ärger, auch wenn ich jetzt eine Stange Bier trinken würde.» Zur Einstimmung auf den Match würde dies doch dazugehören, zumal es die letzten Sonnenstrahlen an diesem Samstag zu geniessen gelte. Das Angebot einer Gruppe GC-Fans, ihnen eine Bierdose abzukaufen, lehnt er jedoch ab. «Ein Glas dazu hätte ich schon gern.»

Dass es sich an diesem Tag um ein Hochrisikospiel handelt, lässt nur das grosse Polizeiaufgebot erahnen. Wasserwerfer stehen bereit. Kastenwagen mit Einsatzkräften fahren in Stellung. Die mit dem Extrazug angereisten Basler Fans werden von Dutzenden Polizisten zum Stadion eskortiert.

Während des Spiels bleibt es ruhig. Nur bei den beiden Basler Toren werden im Gästesektor ein, zwei bengalische Feuer entzündet. Noch bevor der Stadionspeaker seine Ermahnung beendet hat, sind diese schon wieder verschwunden. Und noch während die zweite Halbzeit läuft, sammeln Kehrmaschinen die Bierdosen auf den Strassen rund ums Letzigrund ein. (og)