Appellationsgericht

Vor dem «Nordstern» auf Mann eingeprügelt: Täter bekommt Strafmilderung

Der notorische Prügler muss insgesamt 42 Monate im Gefängnis absitzen. (Symbolbild)

Der notorische Prügler muss insgesamt 42 Monate im Gefängnis absitzen. (Symbolbild)

Das Basler Appellationsgericht reduzierte eine Freiheitsstrafe nach einer Disco-Prügelei von 27 auf 22 Monate. Der Verurteilte muss wegen weiteren Delikten dennoch deutlich länger im Knast bleiben.

«Ich musste mich verteidigen», betonte der 29-jährige Mann am Dienstag im Basler Appellationsgericht. Auch im vergangenen März hatte er im Basler Strafgericht von Notwehr gesprochen. Der Mann hatte im Oktober 2012 vor der Disco Nordstern einen Betrunkenen auf den Boden gedrückt und mehrmals mit Fäusten ins Gesicht geschlagen. Als die Sicherheitsleute eingreifen wollten, lief er davon. Für den Beginn der Auseinandersetzung gab es keine Zeugen.

Das Appellationsgericht bestätigte gestern als zweite Gerichtsinstanz den Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung. «Sie sagten selber, sie hätten im Kampf die Oberhand gewonnen und dann zugeschlagen. In diesem Moment haben sie nicht einfach nur einen Angriff abgewehrt, sondern völlig übertrieben», urteilte Gerichtspräsident Christian Hoenen. Dieses Verhalten sei zwar nicht gerechtfertigt, doch das Verschulden bewertete das Gericht durch die vorherige Provokation des Opfers als weniger gross. Deswegen reduzierte es die Freiheitsstrafe von 27 auf 22 Monate. Zur Reduktion führte auch ein Freispruch wegen Sachbeschädigung in einem Nebenpunkt: Der Mann hatte bei der Exfreundin randaliert, die Details dazu blieben aber unklar. Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich eine Strafe von 30 Monaten verlangt.

Alkohol und Drogen im Gefängnis

Der 29-Jährige befindet sich bereits im Strafvollzug und wird noch länger hinter Gittern bleiben: Eine bedingt ausgesprochene Vorstrafe von 14 Monaten erklärte das Gericht für vollziehbar, dazu kommt eine weitere unbedingt ausgesprochene frühere Strafe von sechs Monaten. Damit muss er insgesamt 42 Monate absitzen. Der Mann ist bereits wegen Raub, Betrug, Hehlerei, Gewalt gegen Beamte, falscher Anschuldigung und diverser Strassenverkehrsdelikte vorbestraft, schon als Jugendlicher hatte er mit der Justiz zu tun. Eine vorzeitige Entlassung ist ebenfalls fraglich: Der aktuelle Führungsbericht der Strafanstalt spricht von Disziplinarproblemen mit Alkohol und Drogen.

Geboren ist der Mann in Tansania, er besitzt die Staatsbürgerschaft von Burundi, seit seinem siebten Lebensjahr lebt er in der Schweiz, spricht Dialekt und arbeitete als Verkäufer in einem Shop für Mobiltelefone. Ob er ausgeschafft werden könnte, ist unklar.

Das Opfer fehlte vor Gericht

Das Opfer der Nordstern-Schlägerei erlitt damals mehrere Verletzungen im Bereich der Augenhöhle, erinnerte sich an nichts mehr und wollte auch nicht mehr vor Gericht auftreten. Dass das Opfer während der Schlägerei ziemlich zugedröhnt war, wurde zum Hauptargument des Schlägers: Der Verteidiger des 29-Jährigen betonte in seinem Plädoyer gestern insgesamt sechsmal, das Opfer sei mit 2,3 Promille im Blut stark betrunken gewesen und habe zudem Kokain konsumiert. «Das Opfer hat wohl auch Angst gehabt, dass gegen ihn selbst wegen seines Verhaltens ein Strafverfahren eröffnet wird», so der Verteidiger.

Den Schuldspruch kann er noch ans Bundesgericht weiterziehen, dort werden allerdings lediglich Rechtsfragen geklärt.

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