Veloklau
Vor den Dieben ist keiner mehr sicher

In Basel werden immer mehr Velos gestohlen. Bereits über 2600 in diesem Jahr. Das sind nur die Fälle, die bei der Polizei gemeldet wurden. Die Polizei ärgert sich über miserable Aufklärungsquoten und die Gleichgültigkeit der Passanten.

Bojan Stula
Merken
Drucken
Teilen

44 Anzeigen vergangene Woche, 55 in der Woche davor: In Basel werden Velos am laufenden Band geklaut. Laut eingegangener Diebstahlsanzeigen sind es in diesem Jahr bereits über 2600 – so viele wie nie zuvor. Geht es bis Ende Jahr im gleichen Stil weiter, könnte erstmals die Schallmauer von 3000 angezeigten Velo-Diebstählen durchbrochen werden. Inzwischen sind nicht einmal mehr die Veloverkäufer vor den Dieben sicher. Vor zwei Monaten wurden dem bekannten Basler Fachhändler Jucker-Bike am Morgartenring 19 hochwertige Spitzenräder für 40000 Franken aus dem Lager gestohlen.

Aufklärungsquote von 2 Prozent

Ob Polizei oder Velohändler: Alle bestätigen übereinstimmend, dass es mit den Velo-Diebstählen im Stadtkanton immer schlimmer wird. Hinzu kommt seit etwa einem Jahr ein neuer Trend. Galten die Elektrobikes bisher als relativ sicher, werden immer öfter auch die bis zu 10 000 Franken teuren E-Bikes entwendet.

Bei der Aufklärungsquote sieht es dagegen zappenduster aus: In Basel-Stadt wurden im vergangenen Jahr nur gerade 43 Diebstähle aufgeklärt, was einer Quote von unter 2 Prozent entspricht. Oft ist dabei der Kommissar Zufall im Spiel: Etwa wenn Diebe gestohlene Fahrräder ausgerechnet jenem Velohändler anbieten, der das Rad einst an den bestohlenen Kunden verkaufte.

Occasionshandel blüht

Diese Diebstahlwelle hat Folgen: Günstige Occasions-Velo sind gefragt wie noch nie, bestätigt der Basler Velohändler Jörg Vitelli, weil es die Leute leid seien, dass ständig ihre teuren Räder wegkommen. Dem Spezialisten, der an der Dornacherstrasse ein Spezialgeschäft für Velobedarf führt, wurde selber am Bahnhof SBB ein 3500 Franken teures Gefährt geklaut.

Doch führe genau diese Haltung zu einem Teufelskreis, wie Ruedi Wenger vom 2-Rad-Shop an der Gartenstrasse anfügt: Hehler finden für ihre gestohlenen Gebraucht-Räder dankbare Abnehmer. Wenger bezweifelt die oft wiederholte These, dass die meisten in Basel geklauten Räder über die Grenze geschafft werden, um im Ausland verschachert zu werden.

Viel mehr geht er davon aus, dass Diebesbanden gestohlene Fahrräder auseinandernehmen und mit den Einzelteilen neue Velos zusammenbauen. Diese können sie dann unverdächtig in der Region an den Mann bringen. Gezielte Diebstähle von Velozubehör wie speziellen Sattel-Modellen bekräftigen Wenger in dieser Annahme.

Diebstähle werden immer dreister

Peter Kolb, seit 10 Jahren Leiter der Velosammelstelle der Basler Polizei, beobachtet zwar, dass die Diebstähle immer dreister werden. Gleichzeitig ärgert er sich über die Gleichgültigkeit der Bevölkerung. Solange Passanten wegschauten, wenn Verdächtige sich an abgestellten Velos zu schaffen machen, werde Basel ein gutes Pflaster für Fahrraddiebe bleiben. Kolb wünscht sich in diesem Zusammenhang eine öffentliche Kampagne, welche die Bevölkerung zu mehr Zivilcourage aufruft.

Denn der Experte befürchtet, dass die Diebstähle 2012 mit der Abschaffung der Velo-Vignette – der beinahe einzigen Möglichkeit zur Feststellung bestohlener Halter – weiter zunehmen werden. Das Baselbiet hat in dieser Beziehung gegenüber der Stadt die Nase vorn. Im gesamten Landkanton wurden im Jahr 2010 «nur» 1389 Velos gestohlen.