Morgen Freitag feiert das Felix Platter-Spital die Eröffnung des Neubaus mit prominentem Besuch: Der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger wird vor versammelten Medien eine Ansprache halten; tags darauf findet der Tag der offenen Tür statt.

Im Vorfeld der Eröffnung ist die Stimmung beim Spitalpersonal aber alles andere als festlich. Denn der Neubau bringt nicht nur Prestige mit sich, sondern auch Entlassungen. Zwanzig Personen verlieren aufgrund des Standortwechsels ihren Job, neun davon sind ausgebildete oder angehende Aktivierungstherapeuten. Das Spital gibt damit die Aktivierungstherapie vollständig auf. Diese wird besonders häufig in der Langzeitpflege eingesetzt. Ziel der Therapie ist es unter anderem, kognitive und soziale Fähigkeiten der Patienten zu fördern.

Über den Abbau sei im Rahmen einer «Umstrukturierung» entschieden worden, sagt Personalchef Thomas Schmidiger gegenüber der bz. «Das Felix Platter-Spital hat keinen Auftrag mehr für Langzeitpflege. Seit Anfang 2019 vergüten die Krankenkassen Aktivierungstherapie im Akutspital nicht mehr. Wir können deshalb nur noch Physio- und Ergotherapeuten einsetzen.»

Das bedeutet aber nicht, dass im Spital nur Akutpatienten stationiert sind. «Wir haben einen sehr kleinen Anteil Patienten, die nach der Akutphase bei uns eine Langzeitbetreuung brauchen», so Schmidiger. Manchmal finde sich hier nicht gleich eine Anschlusslösung. Dann bleiben die Patienten für einige Tage länger als geplant im Spital. «In diesem Fall stellt das Spital natürlich ein Therapieangebot zur Verfügung.» Die Arbeit der Aktivierungstherapeuten könne aber von Ergo- und Physiotherapeuten abgedeckt werden.

Kritik vom Fachverband

Für Nina Hänsli vom Schweizerischen Verband der Aktivierungsfachfrauen und -männer (SVAT) ist der Entscheid der Spitalverantwortlichen unverständlich. «Das Problem ist, dass es solche Aktivierungstherapien nicht einfach in einer Praxis gibt und Patienten dorthin ausweichen könnten. Aktivierungstherapien werden meist nur institutsintern angeboten.»

Hänslis Verband setzt sich nun mit einer Rechtsberatung für die betroffenen Therapierenden ein. «Für die Angestellten kam die Kündigung aus heiterem Himmel.» Schmidiger hingegen betont, der Kündigung sei ein dreimonatiger Beratungsprozess vorangegangen. Überstürzt handle niemand. Er räumt aber ein: «Es kann bei den Betroffenen natürlich der Eindruck eines kurzfristigen Entscheids entstehen.»

Hänsli hofft nun auf einen Dialog mit den Spitalverantwortlichen. Ihr Verband hat eine Stellungnahme ans Spital geschickt. Bisher hat sie keine Antwort erhalten: Schmidiger hat durch die bz vom Schreiben erfahren.