Regierungsrat Baschi Dürr mag militärische Ausdrücke. So sprach der Basler Polizeidirektor bei der Vorstellung des neuen Polizeichefs im vergangenen Oktober davon, dass Martin Roth die Polizei in die nächste «Geländerkammer» führen sollte. Als eine dieser Geländerkammern benannte der oberste Polizist die Altersstruktur der Rettungskräfte. Mediensprecher Martin Schütz vom Justiz- und Sicherheitsdepartement präzisiert auf Anfrage: «Der Kommandant hat weiland übrigens nicht von einer ‹Überalterung› innerhalb des Korps gesprochen. Er hat darauf aufmerksam gemacht, dass die Kantonspolizei mit der Erhöhung des Pensionsalters auf 65 im Durchschnitt älter wird. Dies bedeutet, dass auch der Anteil von Polizisten mit physischen Einschränkungen zunehmen wird und dass darüber nachgedacht werden muss, wie damit umzugehen ist.»

Mit dem Pilotprojekt «Optio» sollen zunächst die Rettungskräfte auf eine «spätere Lebensphase vorbereitet werden», heisst es in der Medienmitteilung: «Im Rahmen des Projekts ‹Optio› wurde ein Prozess definiert, der den spezialisierten Mitarbeitenden von Berufsfeuerwehr und Sanität der Rettung Basel-Stadt Optionen für eine neue berufliche Tätigkeit in einer späteren Lebensphase schafft.» In der römischen Armee war der «Optio» übrigens der Stellvertreter des Zenturio und hatte ein «breites Betätigungsfeld», was Dürr zur Namensgebung inspiriert haben mag.

Ab vierzig schon alt

Die Arbeit der Spezialisten bei Sanität und Feuerwehr sei «physisch anstrengend», darum wolle der Kanton bei der Neuorientierung helfen und zusammen mit den Mitarbeitenden in der «späteren Lebensphase» herausfinden, wie sie ihre Karriere fortsetzen könnten. Mediensprecher Martin Schütz vom Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD) sagt auf Anfrage der bz: «Erhebungen in den Abteilungen Berufsfeuerwehr und Sanität haben gezeigt, dass die Mitarbeitenden im Alter von 50 Jahren über Optionen für eine neue berufliche Tätigkeit verfügen sollten.» Weiter sei klar geworden, dass durchschnittlich mit einer berufsbegleitenden Weiterbildungsdauer von drei bis fünf Jahren zu rechnen sei. Der Einstieg ins Programm erfolge daher im Alter von vierzig und fünfzig Jahren. Als Übergangslösung wird das Angebot auch älteren Mitarbeitern zur Verfügung stehen.

Kanton ist grosszügig

Das Durchschnittsalter aller 10'000 Kantonsangestellten liegt laut dem Statistischen Amt bei 45 Jahren. In Baschi Dürrs Departement arbeiten 2000 Angestellte. Die Statistik zeigt, dass fast die Hälfte über vierzig Jahre alt ist. Wie Schütz erklärt, zeige sich der Kanton grosszügig. Im Rahmen des Pilotprojekts beteiligt er sich an Kurskosten und ermöglicht es den Angestellten, sich während der Arbeitszeit neu zu orientieren.

Feuerwehr und Sanität seien als Erstes ausgewählt worden, da etwa bei der Kantonspolizei mehr Möglichkeiten bestünden, intern die Funktion zu wechseln: «Aufgrund ihrer Grösse und der Vielfalt an polizeilichen Tätigkeiten gibt es innerhalb der Kantonspolizei bei einer allfällig schwindenden körperlichen Leistungsfähigkeit mehr Spielraum für Einteilungen in passende Funktionen, beispielsweise ohne Schichtdienst.» Der Kanton will mit «Optio» Erfahrungen bis Ende 2019 sammeln und das Programm dann allenfalls auf andere Berufsgruppen ausdehnen. Wie Schütz erklärt, habe das Projekt «Pioniercharakter» und könne allenfalls auf andere Berufsgruppen des Kantons angewendet werden.