«Es wird der grösste politische Anlass, den Basel je gesehen hat», sagt der Basler Regierungspräsident Guy Morin. Und weil grosse Anlässe grosse Medienkonferenzen verdienen, wurde am Montag im Basler Grossratsvorzimmer dick aufgetragen. Die Rede ist vom Ministerratstreffen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), das am 4. und 5. Dezember in Basel stattfindet. 57 Aussenminister werden sich im Congress Center treffen, fast alle Länder der nördlichen Hemisphäre kommen zusammen. Mit 1200 Delegierten und 200 Journalisten wird gerechnet, die von rund 900 Polizisten und bis zu 5000 Militärs bewacht werden. Am Montag wurde über den Stand der Dinge informiert.

Basels Messe-Ambitionen

Klar ist: Basel will das OSZE-Treffen als Werbefenster nutzen. Das räumt Guy Morin offen ein. «In der Schweiz gibt es nur zwei Städte, die so grosse Kongresse durchführen können: Basel und Genf.» Genf mit dem UNO-Sitz ist in der Schweiz oft die naheliegende Lösung für solche internationalen Zusammenkünfte. Doch Basel hat Ambitionen. «Wir wollen Kongresse in dieser Grössenordnung nach Basel holen», sagt Morin.Der Anlass im Dezember soll eine Visitenkarte werden. Deshalb ist man im Präsidialdepartement schon eifrig daran, Marketing-Aktionen rund um die gut abgeschirmten Aussenminister zu planen. Diese wird man kaum zu Gesicht bekommen, doch dass in Basel Grosses passiert, werden in der Stadt trotzdem alle merken.

«Die Bekanntheit steigern»

Sabine Horvath, Leiterin des Basler Standortmarketings, arbeitet an einer neuen Imagekampagne. Miteinbezogen werden sollen Hotels, Restaurants und Detailhändler. Es wird ein Kulturprogramm geben. Und da die Aussenminister - für alle gibt es ein Willkommensgeschenk - während der Adventszeit ans Rheinknie kommen, will man auch den Basler Weihnachtsmarkt in Szene setzen. «Wir wollen in bester Erinnerung bleiben und die Bekanntheit Basels steigern», fasst Horvath ihre Ziele zusammen. Ausserdem: Die knapp 2,9 Millionen Franken, die Basel der Anlass kostet, soll Einnahmen in gleicher Höhe für das hiesige Gastgewerbe generieren.

Drohnen und Helikopter

Zu reden geben wird die Sicherheit. Gut 900 Polizisten aus der ganzen Schweiz dürften für den Schutz von Aussenministern wie John Kerry (USA), Frank-Walter Steinmeier (Deutschland) und ihren Kollegen sorgen. Beim Congress Center - wo das Treffen stattfindet - dürfte es zu Verkehrssperrungen kommen. Die Tramlinien nach Riehen werden wohl unterbrochen. Auch Helikopter und Drohnen dürften zum Einsatz kommen. In welchem Ausmass die Bevölkerung im Kleinbasel betroffen ist, konnte der Sicherheitsverantwortliche des Kantons, Martin Roth, nicht im Detail darlegen. Er sagt aber: «Bei der Fasnacht oder der Bundesfeier muss man mit mehr Einschränkungen rechnen.» Auch bestreitet er, dass die ganze Stadt voll Uniformierter sein wird. «Das wird lokal auf das Congress Center und die Hotels beschränkt sein.» Die betroffenen Anwohner werden im Sommer noch genauer informiert.

«Alles im Griff», war die Message, die die Behörden am Montag aussenden wollten. So langsam dürften sich in Basel aber die kritischen Stimmen mehren. Im Kleinbasel haben linke Sprayer mit entsprechenden Graffitis ihre Ablehnung schon einmal kundgetan. Und auch auf rechter Seite macht man die Faust im Sack: «Unnötige Beschränkung der Bevölkerung ohne Mehrwert», findet SVP-Grossrat Joël Thüring.

Guy Morin allerdings ist guter Dinge: «Weihachten ist eine Zeit des Friedens. Es wird also eine Friedenskonferenz in einer Zeit des Friedens werden.» Hoffen wir, dass er recht behält.