Basler Strafgericht

Vorbestrafter zwingt 6-jährigen Sohn zum Sex

Ein rückfälliger Pädophiler muss für drei Jahre ins Gefängnis. (Symbolbild)

Ein rückfälliger Pädophiler muss für drei Jahre ins Gefängnis. (Symbolbild)

Rückfälliger Pädophiler muss für rund drei Jahre ins Gefängnis und kassiert einen Landesverweis.

«Er ist mein Blut, das geht überhaupt nicht. Ich bin seit vier Monaten im Gefängnis und möchte entschädigt werden», sagte der 34-jährige Angeklagte am Donnerstag im Basler Strafgericht. Die Vorwürfe stritt er ab, und er hatte auch keine Erklärung dafür, weshalb sein sechsjähriger Sohn so etwas erzählen sollte.

Das Dreiergericht beurteilte die Erzählungen des Sohns allerdings als glaubwürdig: Im März 2019 waren sowohl der Sohn wie auch der 34-Jährige zu Besuch in der Basler Wohnung der Mutter. Als die Frau kochte, zwang der Vater seinen Sohn zu Oralsex. Der Sechsjährige vertraute sich einige Tage später einer Betreuerin in seinem Wohnheim an. «Warum hast Du Dich nicht gewehrt?», war ihre erste Reaktion. Dennoch meldete sie den Vorfall mit dem Einverständnis des Kindes schliesslich weiter. Der Sechsjährige merkte damals auch an, seine Mutter würde ihm sowieso nicht glauben.

Die Familienverhältnisse sind schwierig: Der Knabe kam nach der Geburt direkt ins Heim, die Mutter ist in psychiatrischer Behandlung und lebt erst seit Anfang 2019 in einer eigenen Wohnung. Die Behörden machten klar, dass der Sechsjährige nur dann seine Mutter in der Wohnung besuchen darf, wenn der 34-jährige Vater nicht gleichzeitig anwesend ist. Eingehalten wurden diese Regeln offensichtlich nicht.

Das Gericht befragte gestern auch die Mutter als Zeugin, sie ist von den Aussagen ihres Sohnes ebenfalls nicht überzeugt. «Er ist so enttäuscht von seinem Vater, er hat nicht bekommen, was er erwartet hat», begründete sie die Anschuldigungen. Als der Gerichtspräsident die Frau fragte, welche Zukunft sie mit dem Angeklagten sieht, antwortete sie ausweichend. «Ich liebe ihn, aber ich weiss nicht, ob er mich auch liebt».

Landesverweis trotz Familie und langer Anwesenheit

Der 34-Jährige kam im Jahr 2006 als Flüchtling aus dem Irak in die Schweiz, nach dem abgelehnten Asylantrag erhielt er die vorläufige Aufnahme und damit den Aufenthaltsstatus «F». Er lebt im Kanton Aargau.

Bereits im Februar 2018 stand der Mann vor dem Bezirksgericht Brugg, auch damals ging es um sexuelle Handlungen mit einem Kind. Das Bezirksgericht beliess es damals noch bei einer bedingten Strafe von zwölf Monaten und verlängerte die Probezeit auf drei Jahre. Der 34-Jährige sagte dazu am Donnerstag, er sei von seiner Stieftochter um eine Massage gebeten worden und habe sie deshalb am Oberarm berührt. Mehr ist damals angeblich nicht vorgefallen. Er hat auch schon drei Vorstrafen wegen Körperverletzung.

Da die neuen Übergriffe auf den Stiefsohn vom vergangenen März in die Probezeit fallen, entschied das Basler Strafgericht, dass der Mann nun auch die damalige Strafe absitzen muss. Zusammen mit dem neuen Delikt wird eine Gesamtstrafe gebildet, diese beträgt nun insgesamt 34 Monate. Wegen Fortsetzungs- und Fluchtgefahr verlängerte das Gericht gestern auch die Sicherheitshaft. Trotz seines 13-jährigen Aufenthalts in der Schweiz sah das Gericht keinen Härtefall und ordnete einen Landesverweis von acht Jahren an. Ob dieser vollzogen werden kann, ist allerdings ungewiss.

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