Pfyfferli
Vorfasnachts-Urgestein Collette Greder: «Ich war beim ersten Pfyfferli dabei»

Am Freitag feiert das Pfyfferli Premiere. Die Schauspielerin Colette Greder ist seit Jahrzehnten im Ensemble dabei. Die gebürtige Elsässerin ist jedes Jahr neugierig, mit wem sie Szenen spielen darf.

Muriel Mercier
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Colette Greder spielt ab morgen 54 Pfyfferli-Vorstellungen im Theater Fauteuil.

Colette Greder spielt ab morgen 54 Pfyfferli-Vorstellungen im Theater Fauteuil.

Juri Junkov

Frau Greder, morgen gilt es Ernst: Die Pfyfferli-Premiere steht an. Können Sie Ihren Text?

Colette Greder: Wir im Ensemble ticken alle gleich. Wir brauchen Zeitdruck und im letzten Moment legen wir noch einen Zacken zu. Aber unsere Vorbereitungszeit war sehr intensiv, denn die Basler Fasnacht ist dieses Jahr sehr früh. Dementsprechend findet die Pfyfferli-Premiere jetzt schon statt. Auch an den Weihnachtstagen waren deshalb Proben angesetzt.

Gibt es noch Textstellen oder Situationen, die Sie bis Morgen repetieren müssen?

Zur Person

Die gebürtige Elsässerin Colette Greder - aufgewachsen in Hegenheim - hat sich durch Auftritte am Theater, Fernsehen und im Radio in der Schweiz einen Namen gemacht. Sie liess ihre Stimme am Conservatoire de Mulhouse ausbilden und gewann an einigen Gesangswettbewerben. 1974 begann ihre Laufbahn am Fauteuil. Sie war an unzähligen Produktionen wie Revue und Märchen dabei. Mit Bernhard Baumgartner produzierte sie die Kindersendung «Triggs & Gaggs». Greder singt gerne französische Chansons und hat ihr eigenes Programm «Hommage à Edith Piaf». (mum)

Wir übernehmen neben unserer Auftritte noch andere Aufgaben hinter der Bühne. Zum Beispiel überreichen wir unseren Schauspielkollegen Requisiten oder öffnen und schliessen den Vorhang. Die Bühne ist so klein, dass dort niemand von der Technik noch Platz hat. Diese Zusatzaufgaben müssen wir uns einprägen.

Sie gehören seit Jahrzehnten zum Pfyfferli-Ensemble und sind nicht mehr wegzudenken.

Ich habe beim allerersten Pfyfferli mitgespielt. Das war 1976. In den 80-er Jahren startete dann eine zweite Staffel an alljährlichen Vorstellungen im Fauteuil und seit 2003 gehöre ich fest zum Team.

Wird es Ihnen als Darstellerin nicht langweilig, weil sich Szenen oder Handlungen wiederholen?

Es gibt zwei Lieder, die jedes Jahr in irgendeiner Form in die Inszenierung einfliessen: Die «Melodie vom Pfyfferli» und «S liggt eifach öbbis in dr Luft». Die Geschichten sind aber immer anders und ich bin immer wieder aufs Neue neugierig, welche Rolle ich übernehme und mit wem ich welche Szene spiele. Und natürlich, wie sich mein Lied anhört, das ich singen darf.

Was fasziniert Sie am Pfyfferli?

In den 70-er Jahren war ich aus finanziellen Gründen froh über jedes Schauspiel-Engagement. Seit Jahren ist mir das Fauteuil-Theater aber ans Herz gewachsen. Es ist schön, immer vor vollem Haus zu spielen. Ich habe hier meine Fans. Und hinzu kommt natürlich, dass ich die Basler Fasnacht liebe.

Und das als Elsässerin.

Ja, ich finde es fantastisch, wie die ganze Stadt drei Tage lang mitfiebern kann. 18000 Leute sind jedes Jahr aktiv dabei. Das ist unglaublich. Zudem war Basel auch sonst immer meine künstlerische Heimat.

Inwiefern?

Meine Eltern haben in Basel häufig kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte und Theateraufführungen besucht. Und ich selber hatte hier die ersten Auftritte mit meiner Band «Les Allumettes». Singen war schon immer meine Leidenschaft.

Haben Sie Ihre Liebe zum Gesang und Ihre schöne Stimme geerbt?

Ja, meine Mutter hatte eine tolle Stimme. Sie hat unter anderem im Theaterchor gesungen.

Kommen wir wieder aufs Pfyfferli zurück. Man sagt der Veranstaltung nach, sie sei die poetischste aller Vorfasnachtsveranstaltungen.

Im Pfyfferli gibt es immer poetische Momente, klar. Peter Richner, der auch seit Ewigkeiten zum Ensemble gehört, und ich spielen diese Augenblicke. Aber das Pfyfferli ist auf keinen Fall «nur» poetisch.

Kennen Sie die anderen Vorfasnachtsveranstaltungen, die alle für einen anderen Stil bekannt sind?

Ich habe in meiner ganzen Fasnachtskarriere nur zwei Mal das Charivari besucht. Ich stehe ja selber immer auf der Bühne. Und wenn ich mal einen Tag frei habe, lege ich eine Fasnachts-Pause ein.

Das heisst, Sie sind während der «drey scheenschte Dääg» nicht auf der Gasse?

Doch, den «Morgestraich» lasse ich nicht aus. Auch die Laternenausstellung auf dem Münsterplatz gefällt mir und ich gehe gerne Gässeln. Aber wenn ich gegen 60 Pfyfferli-Vorstellungen innerhalb kurzer Zeit spiele, ertragen meine Nerven nicht mehr viel Fasnacht.

Sie treten also vor der Fasnacht auf der Bühne auf, an der Fasnacht selber sind Sie aber nicht aktiv dabei.

Nein, ich habe einst versucht, Piccolo zu lernen. Aber meine Ohren haben geschmerzt. Deswegen hab ich es wieder gelassen.

4. Januar bis 17. Februar, Theater Fauteuil