Sanierungsbedarf
Vorsicht! – in der Basler Elisabethenkirche droht Einsturzgefahr

Der Turm der Basler Elisabethenkirche ist gesperrt, der Handlungsbedarf ist dringend. Denn: Es drohen Bauelemente 72 Meter in die Tiefe zu fallen und könnte Menschen ernsthaft gefährden.

Daniel Ballmer
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Die rund 150 Jahre alte Kirche muss dringend saniert werden.

Die rund 150 Jahre alte Kirche muss dringend saniert werden.

Nicole Nars-Zimmer

Der Handlungsbedarf ist dringend. Das weiss auch Münsterbaumeister Andi Hindemann. Der Turm der Basler Elisabethenkirche ist in einem derart schlechten Zustand, dass der Kirchenrat auf Empfehlung von Fachingenieuren beschlossen hat, ihn für die Öffentlichkeit zu sperren. Denn: Es besteht die realistische Gefahr, dass Sandsteinelemente abbrechen, 72 Meter in die Tiefe fallen und dort Menschen ernsthaft gefährden.

Risse, Abplatzungen, Rostsprengungen. «Wir haben am vorhandenen Sandstein Schäden festgestellt, die exponentiell zunehmen», sagt Hindemann. Mittlerweile würden alle drei Monate durch spezialisierte Kletterer Baustellenkontrollen und Sicherungsmass- nahmen durchgeführt. Hindemann: «Dabei werden sich lösende Bruchstücke entfernt, Schäden dokumentiert und Bauelemente in luftiger Höhe stabilisiert.» Um die erforderlichen Planungsgrundlagen zu erstellen, wurde kürzlich die ganze Aussenhülle mit Drohnen beflogen.

Glocken dürfen nicht mehr läuten

Demnächst wird die Turmpyramide mit Netzen umspannt, damit keine Steine herunterfallen können. Und das ist noch nichts alles: Um die Baumasse nicht in Schwingung zu versetzen, mussten die Kirchenglocken abgestellt werden. «Solche Einflüsse gilt es jetzt zu verhindern», sagt Hindemann. «Wir versuchen alles, um den Bau möglichst zu schonen und die grösstmögliche Sicherheit zu erreichen.»

Die von Christoph Merian und Margarethe Merian-Burckhardt gestiftete Kirche wurde von 1857 bis 1864 erbaut. Merian finanzierte den Bau in der Absicht, ein «Mahnmal gegen den Ungeist der Zeit» zu errichten – sprich: gegen die Entchristlichung von Staat und Gesellschaft. Es war der erste Kirchenneubau in Basel seit der Reformation. Dabei wurden auch Stahlträger eingebaut, wie sie beim Eiffelturm verwendet wurden. Nur so war es möglich, in nur sieben Jahren mit einem begrenzten Budget die Kirche fertigzustellen.

Dass bei Sandstein, der ständig Wind und Wetter ausgesetzt ist, Schäden auftreten, ist nicht aussergewöhnlich. «An der Elisabethenkirche hat der Stein jedoch nicht die gleiche Qualität wie zum Beispiel jener am Basler Münster. Er ist in sich schlechter gebunden und deshalb schadenanfälliger», sagt Münsterbaumeister Hindemann. Erste Schäden an der Elisabethenkirche seien denn auch bald nach deren Fertigstellung vor rund 150 Jahren festgestellt worden. Die letzten Restaurierungen wurden vor rund 25 Jahren durchgeführt.

Kosten von über 13 Millionen

Nun wird wieder an einem umfassenden Sanierungskonzept und der dazu nötigen Finanzierung gearbeitet. Daran könnten sich neben der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt auch der Kanton, die Denkmalpflege sowie der Bund beteiligen. Immerhin gilt die Basler Elisabethenkirche als die bedeutendste neugotische Kirche der Schweiz und stellt gleichzeitig in Architektur und Ausstattung ein Zeugnis des Historismus’ dar. Noch aber laufen die Gespräche dazu.

Die Kostenschätzung beläuft sich auf stolze 13,2 Millionen Franken. Das Restaurierungskonzept umfasst neben dem Turm die Aussenhülle der ganzen Kirche, eine Umsetzung würde in Etappen realisiert, sodass der Betrieb der Offenen Kirche Elisabethen gewährleistet werden kann. «Solange die Finanzierung aber noch nicht gesichert ist, ist auch unklar, wann wir mit einer Sanierung starten können», gibt Hindemann zu bedenken. Allzu viel Zeit dürfen sich die Verantwortlichen allerdings nicht lassen, denn solange bröckelt es am Kirchturm weiter.