«Schauen Sie sich um, schauen Sie unter den Teppich, wir sind transparent!» Der flapsige Spruch von Felix Reiff, CEO von Bayer Basel, birgt neben Schalk auch Stolz: Der Komplettumbau der Büros am Bahnhof Basel SBB ist abgeschlossen, jetzt wird gefeiert. Für die Medien gab’s vorab eine Besichtigung.

Das Fenster von Reiffs Büro gibt den Blick frei auf den Roche-Turm, gleich um die Ecke reckt sich das Lonza-Hochhaus empor. Im Schatten der grossen Player hat sich die Zahl der Arbeitsplätze der Schweizer Tochterfirma seit 2005 auf 750 versechsfacht. Sie überholte die benachbarten Firmen Straumann mit 460 und Sympany mit 425 Mitarbeitern.

In Basel sind einige gewichtige Verwaltungsabteilungen des deutschen Konzerns angesiedelt: der globale Hauptsitz der Division Consumer Health (rezeptfreie Medikamente, Pflegeprodukte), die Pharmabereiche Krebsmittel, Augenheilkunde und Blut-Krankheiten. Diese Hauptsitzfunktionen umfassen Gebiete wie Finanzen, Personal, Logistik sowie die Planung von Forschung und klinischen Tests. Forschung betreibt Bayer in Basel keine. Die nächstgelegene Produktionsstätte ist in Grenzach.

Wachsende Hauptsitzfunktionen

Der Startschuss für Bayer in Basel fiel 2005, als der Konzern von Roche den Bereich der rezeptfreien Medikamente (wie Bepanthen und Supradyn) übernommen hatte. Bayer-Sprecher Patrick Kaiser erklärt: «Bei der Übernahme des Roche-OTC-Geschäfts durch Bayer wurde ein klares Bekenntnis zum Standort Basel abgegeben. Zudem wollte man auch die Leute an Bord behalten.»

Bayer geht davon aus, dass das Wachstum anhält und rechnet mit rund hundert neuen Mitarbeitenden pro Jahr. Kaiser schliesst nicht aus, dass sich die Beschäftigtenzahl in den kommenden Jahren verdoppelt. Was künftige Räumlichkeiten um den Bahnhof anbetrifft, ist Bayer mit verschiedenen Nachbarn, so auch mit der Fachhochschule Nordwestschweiz, im Gespräch. Neue Bereiche kämen nach Basel und mit und gleichzeitig würden Stellen mit Bayer-Mitarbeitenden aus anderen Ländern besetzt. Der grösste Teil des Zuwachses gehe aber auf das Konto des Geschäftswachstums der Firma.

Bayer hat sich im Windschatten der beiden grossen Player vor Ort, Roche und Novartis, entwickeln können. Wenn man den Bayer-Verantwortlichen zuhört, klingt das wie ein Werbespot des Standortmarketings: Basel sei der Life-Sciences-Hub in Europa schlechthin und auch für Bayer ein ausgezeichneter Standort. Zudem spiele die gute Verkehrsanbindung, die stabilen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse, das hohe Ausbildungsniveau sowie die hohe Lebensqualität eine wichtige Rolle.

Werben um Arbeitskräfte

Das Ringen um hochqualifizierte Arbeitskräfte ist wohl der Hauptgrund für die 20-Millionen-Investition in das Gebäude. Die Mitarbeiter profitieren davon: Vor dem Umbau wurden sie nach ihren Bedürfnissen und Wünschen befragt. Die Firmenleitung spricht von nicht weniger als «einer neuen Unternehmenskultur mit mehr Kommunikation und Kreativität».
Trotz hoher Löhne in der Schweiz würde Basel immer wieder die anderen Standorte ausstechen: Die Produktivität sei hier einfach am höchsten, sagt Kaiser.

Am Freitag konnten Medienvertreter einen Blick in die lichtdurchfluteten, in coolem Design gehaltenen Räume, Entrees, Open-Space-Büros, stille Arbeitszimmer, Cafeterias und Gesprächsecken werfen. Beeindruckend. Gleichwohl: Unter den Teppich konnten die Journalisten nicht schauen. Der war neu und sorgfältig geklebt.