Was haben wir uns geärgert! Was ärgern wir und immer noch! Und: Was werden wir uns noch ärgern!

Überall sind sie, diese Baustellen, diese lauten, staubigen Baustellen, die den Verkehr und das gepflegte Spazieren behindern. Und Parkplätze besetzen sie auch mit ihren Bauwagen! Parkplätze, die es abgesehen davon sowieso kaum mehr gibt, genauso, wie Autos im Allgemeinen, da deren Besitzern das Leben in Basel zur Hölle gemacht wird. Und wem haben wir das alles zu verdanken? Es kann nur einen geben: Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels!

Er hat das sichtbarste Departement unter sich. Der Roche-Turm schiesst vor unser aller Augen in die Höhe, die Raucher vereinsamen wegen des Beizen-Rauchverbots – weniger sichtbar zwar, dafür konsequent. Velofahrer leiden, Autofahrer auch und die BVB sind sowieso nicht mehr zu retten.

Nehmt ihn mal richtig dran!

Das sind mehr als genug Gründe, diesen Wessels endlich dranzunehmen. Ausnahmsweise machen das nicht ausgewählte Medien – und mit Stockholm hat es auch nichts zu tun. Das Ausmass ist grösser: Eine Mehrzahl der Fasnachtsformationen hat sich für Wessel’sche Sujets entschieden: Rang 1 belegen Baustellen und Hochhäuser, dicht darauf folgen das Bewilligungs- und Verbotswesen und der Verlust der weissen Parkplätze.

Dem Obmann des Fasnachts-Comités, Christoph Bürgin, hat das Blättern im Fasnachtsführer «Rädäbäng» dieses Jahr besonders viel Spass gemacht. Sein Fazit: «Es wird eine sehr bissige und kritische Fasnacht». Und das, obwohl am Cortège mit 466 Einheiten 21 Formationen weniger teilnehmen als letztes Jahr. Unter den 150 Sujets hat Bürgin besonders viel Lokales entdeckt. Und Lokales wird erfahrungsgemäss besonders kritisch ausgespielt. Ausserdem haben es im Vergleich zum Vorjahr kaum Soft-Sujets auf die ersten Ränge geschafft. Zur Erinnerung: Zum grossen Erstaunen war die eingestrickte Wettsteinbrücke vergangenes Jahr Top-Thema.

Doch jetzt folgen auf die lokalen Behörden-Sujets Themen rund um die NSA-Spionage-Affäre oder tierische Ernsthaftigkeiten wie die Fleischproduktion oder das Bienensterben. Als halbes Soft-Thema könnte allenfalls der geplante Club de Bâle bezeichnet werden, der immerhin zwanzigmal als Sujet genannt wird.

Ob wegen mangelnden Lokalbezugs oder der aussergewöhnlich geerdeten Art des Würdeträgers: «Der jetzige Papst ist nicht sujetfähig», stellte Bürgin nach der «Rädäbäng»-Lektüre fest. Ob dies auch für Schnitzelbänke gilt, ist ungewiss. Anders als die Cortège-Teilnehmer verraten die 70 Formationen vor der Fasnacht nichts.

Klar ist aber: Die Honorar-Affäre und die BVB-Dramen werden oft vorkommen. Und sollte bis zum Morgenstreich am 10. März ein weiteres Skandälchen ans Licht kommen, käme dieses ebenfalls als Vers und Helgen daher: Die Dichter unter den Fasnächtlern müssen ihre Sujets nicht wie die Cliquen bis im Herbst einreichen. Und anders als Cliquen müssen sie sich auch nicht ins Kleinbasel begeben. Das Schnitzelbank-Comité jedenfalls tritt im minderen Basel erstmals nur im Café Spitz auf. «Wegen des Termindrucks treten wir nicht mehr im Kleinbasel auf», sagt Obmann Walo Niedermann. Die Beizer freuts nicht. Doch sie wissen: Für Überraschungen sorgen immer wieder die Wilden. Und von denen hört man wirklich erst an der Fasnacht.