Riehen

Wärmeverbund Riehen: Nächster Schritt zur zweiten Bohrung

In Riehen soll es eine zweite Geothermieanlage geben (Symbolbild).

In Riehen soll es eine zweite Geothermieanlage geben (Symbolbild).

Die IWB wollen ihren Anteil am Wärmeverbund Riehen AG erhöhen und eine zweite Geothermiebohrung wagen.

Seit 31 Jahren betreibt die Gemeinde Riehen erfolgreich ihren eigenen Wärmeverbund. Dessen Energie wird zu grossen Teilen aus einer vor 26 Jahren realisierten Geothermiebohrung im Gebiet der Fondation Beyeler gewonnen. Das Projekt hat bis heute Pioniercharakter. Weil die Nachfrage nach Energie des Wärmeverbunds Riehen AG stetig wächst, die Geothermieanlage tadellos funktioniert und Riehen seine «energiepolitische Vorreiterrolle» fortführen will, soll nun eine zweite Bohrung realisiert werden. In einer Machbarkeitsstudie wurde nachgewiesen, dass die Chance gross ist, mit einer zweiten Bohrung erfolgreich zu sein. Das Risiko für Erdbeben sei wie bei der ersten Bohrung gering.

Aktionäre des Wärmeverbunds sind die Gemeinde Riehen mit aktuell 72,9 Prozent und die Industriellen Werke Basel (IWB) mit 27,1 Prozent. Nun soll der Aktionärsbindungsvertrag angepasst werden, sodass neu beide Parteien zu gleichen Teilen am Wärmeverbund beteiligt sind. Bereits heute kommt das für die Betreibung eines Wärmeverbunds nötige Fachwissen mehrheitlich von den IWB. Sie stellen mit Matthias Meier auch den Geschäftsführer. Zudem speisen die IWB in Wintermonaten Energie ins Netz des Wärmeverbunds. Die IWB seien im Wärmeverbund ein «unverzichtbarer Partner», betont der Gemeinderat in der Einleitung zum Traktandum zur Anpassung des Aktionärsbindungsvertrags, über das der Riehener Einwohnerrat kommende Woche diskutiert. Die IWB brächten das für den Wärmeverbund nötige betriebliche und technische Know-how ein, das gerade auch im Hinblick auf die künftigen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Energiewende unverzichtbar sei. Die Parität in den Anteilen hat zwar auch symbolischen Charakter, ist für die Zukunft des Wärmeverbunds vor allem aber fachlich und finanziell enorm wichtig. Denn aufgrund der wachsenden Nachfrage und der bevorstehenden zweiten Bohrung, die gut 20 Millionen Franken kosten soll, ist das Investitionsvolumen in Produktionsanlagen und das Versorgungsnetz mit bis zu 50 Millionen Franken in den kommenden Jahren für den Wärmeverbund immens.

Für Riehen wäre das nicht stemmbar

Teil der Vereinbarung zwischen Gemeinde und IWB ist auch die Aufteilung des finanziellen Risikos der zweiten Bohrung. Sollte diese scheitern, wovon niemand ausgeht, tragen die IWB das volle Risiko von rund 5,4 Millionen Franken. Das Risiko an der ersten Bohrung in den 1990er-Jahren hingegen trug alleine die Gemeinde.

Würden die Besitzverhältnisse am Wärmeverbund Riehen AG wie heute bestehen bleiben, müsste die Gemeinde den grossen Teil der Verantwortung für die zweite Bohrung tragen. Es ist davon auszugehen, dass dies mit den heutigen personellen Ressourcen nicht machbar wäre. Die Gemeinde müsste wohl ihr Personal im Bereich Energiegewinnung kräftig ausbauen. Eine totale Übernahme des Wärmeverbunds durch die IWB brächte wohl jene auf den Plan, die den Wärmeverbund und vor allem auch die Geothermieanlage weiterhin in Verbindung mit der Gemeinde sehen möchten. Eine gewisse historische Verbundenheit und vielleicht etwas Stolz spielen da mit. Die «Partnerschaft auf Augenhöhe», wie es der Gemeinderat formuliert, scheint so der gangbare Mittelweg zu sein.

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