Freiraum
Wagensiedlung darf nicht auf dem nt-Areal bleiben

Die Bewohner der Wagenburg auf dem Basler nt-Areal nutzen den Freiraum für ihre unkonventionelle Lebensform. Die Stadt bot den «Wagenburgern» den Platz bis Mitte 2012. Doch die Wagen stehen auf Naturschutzgebiet und müssen nun verschwinden.

Franziska Zambach
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Die Bewohner des Wagenplatzes schreiben ihren Standort, auf dem Naturschutzgebiet scherzhaft als Wagenschutzgebiet aus.
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Die Situation ist aber ernst.
Die Wohnwagen sollen bis Ende Februar vom nt-Areal verschwinden.
Ein neuer Standort ist noch nicht gefunden.
Die Wagenplatz-Bewohner appelieren an die Stadt.
Der Wagenplatz auf dem Basler nt-Areal

Die Bewohner des Wagenplatzes schreiben ihren Standort, auf dem Naturschutzgebiet scherzhaft als Wagenschutzgebiet aus.

Kenneth Nars

«Alles was wir wollen, sind 1500 Quadratmeter Platz an der Sonne, mit etwas Ruhe, zentral gelegen und gut erschlossen.» Diese Worte werden per Rekorder an einem Traktor befestigt gegenüber der Presse verkündet.

Es handelt sich um den Wunsch der Bewohner des Wagenplatzes, der zurzeit auf dem nt-Areal aufgebaut ist. Sie selbst wollen nicht vor der Presse auftreten, Fotos des Wohnraums in den Wagen dürfen auch keine gemacht werden. Wenigstens einen kleinen Einblick gewähren die Bewohner den Aussenstehenden auf ihrer Website.

Langer Kampf

Das Misstrauen gegenüber der Presse lässt sich mit dem Kampf erklären, den die Wagenbewohner mit den Behörden seit Monaten führen. Sie bemühen sich seit Ende August letzten Jahres um einen Standplatz für ihre «Wohnungen». Damals quartierten sie sich an der Uferstrasse im Kleinhüninger Hafenareal ein.

Doch lange konnten sie dort nicht bleiben. In der Industriezone ist das Wohnen nicht erlaubt, ist die Begründung. «Wir werden zum Schluss immer mit mehr oder weniger fadenscheinigen Argumenten abgespeist», beklagen sich die Wagenburg-Bewohner.

Taube Ohren

So sei es auch beim jetzigen Standort dem nt-Areal gewesen. Die Stadt Basel hatte den Wagenbewohnern eigentlich den Standplatz bis im Sommer 2012 zugesichert. Doch die Pro Natura erhob dagegen Einsprache. Das Gebiet ist eine seit 2005 definierte Naturschutzzone und dürfe nicht bewohnt werden.

Für die Leute auf dem Wagenplatz unverständlich. Sie hätten Vorschläge gebracht, wie sie im Unterhalt des Naturschutzgebiets mithelfen könnten. Doch diese seien auf taube Ohren gestossen. Dass neben dem Wagen-Dorf, ebenfalls auf geschütztem Boden ein grosser Beton-Parkplatz der Firma «Fröde» stehe, werde aber von Pro natura toleriert, sagen sie bedauernd.

Das Lebenskonzept der Wagenburger setzt auf Selbstbestimmung. «Uns ist sehr wichtig, dass wir unseren Wohnraum selbst gestalten können», erklären sie. Durch die ständige Suche nach einem geeigneten Standort, fehle es ihnen aber an Zeit, gestalterisch aktiv zu sein - sei dies beim Wohnen oder auch auf kultureller Ebene.

Keine geringen Ansprüche

Auch die Stadt Basel möchte den Wagen-Bewohner einen passenden Platz bieten. Sie versucht eine möglichst gelungene Lösung für sie zu finden, doch mit allem wollen die Wagenburg-Leute sich nicht zufrieden geben. So geschehen beim Standort an der Freiburgerstrasse.

Vertrieben von der Uferstrasse und keinen neuen Standort in Sicht, einigten sich die Wagenburger mit der Stadt ihr Lager auf einem Hinterhof in der Freiburgerstrasse aufzustellen. Schnell wurde den Bewohnern klar, dass diese Lösung für sie auf keinen Fall zufriedenstellend ist. Nach zeitintensiver Suche nach einem passenderen Plätzchen, fand man schlussendlich das nt-Areal.

Die Ansprüche an den Standort sind seitens der Bewohner keinesfalls gering. Ihr Wunschplatz wäre im Horburgpark neben dem neu gestalteten Hundespielplatz. Doch von der Stadt wurde dieser Vorschlag bereits abgelehnt. «Die Stadt muss endlich politische Grösse zeigen», fordern deshalb die Wagenburger und stellen sich auf einen weiteren Kampf ein: «Wir sind jetzt hier auf dem nt-Areal und werden uns Ende Februar nicht in Luft auflösen.»