Cortège um zwei. Die Larve sitzt. Ein Aufwärmen ist nicht möglich. «Waggis! Waggis!», tönt es von allen Ecken. «Hesch mer öppis?» Aber sicher doch! Am Messeplatz und in der Clarastrasse ist viel Betrieb, die Sonne scheint. Das lockt Publikum an. «Hesch mer ebbis z dringge?», schreit da ein junger Mann. «Stoht do Bar agschriiebe?», antworte ich. Schliesslich haben wir keine Getränkekarten aufgehängt. Ich werfe ihm eine Orange zu und meine: «Kasch rüschte und denn e Säftli prässe». Er findet es nicht lustig.

«Kai Alkohol?», fragt er nun, leicht gereizt. Ich gebe auf, denn schon steht wieder eine Schar kostümierter Kinder vor mir und schreit: «Waggis, Waggis». «Do bini», antwortet mein Kollege nebenan und hält die Popcorntütchen bereit. Ich drücke einer Alte Dante einen Schläggstängel in die Hand. Sie strahlt. Kinder sind mit wenig und sehr einfach zufrieden zu stellen. Das macht den Waggis oben auf dem Wagen ebenfalls glücklich. Nur greifen die Kleinen zwischendurch zu fest zu, wenn ich «e Hampfle Dääfeli» bereithalte – dann kommt gleich der Handschuh mit.

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Nahe Claraplatz ein Bild, das in den letzten Jahren zum Glück seltener geworden ist: Eine ältere Dame steht im Gedränge und hält mir einen Abfallsack, 35 Liter, geöffnet hin. Ja, es gibt Leute, die sind gierig. Sehr gierig.

In der Webergasse – meine Kollegen warten immer nur auf diesen Streckenteil – ist #metoo kein Thema. Bis jetzt hat sich noch keine Dame über die Räpplidichte beschwert – immerhin steht der Segen in einem guten Verhältnis zur Blumenquote.

Auf der Mittleren Brücke und in der Kurve zur Schifflände hat es immer sehr viele Leute, da macht – zugegeben – Räppli werfen mehr Spass. Bei uns liegt immer Gemüse bereit: Riebli, Ziibele oder Rettich. Damit lässt sich hervorragend mit dem Publikum ins Gespräch kommen. Die Leute lassen sich gerne «anzünden», sie machen meist auch mit, wenn man ihnen mit einem Spruch kommt: «Nimm emol d Händ us de Hoosesegg», rufe ich einem Mann zu. Er erschrickt, macht wie geheissen und erhält dann eine Orange. Er lacht, bedankt sich und steckt seine Hände wieder in die Hosentasche. Gut, es ist ja kalt.

Eine Frau, die soeben eine Karotte von mir erhalten hat, schreit hoch: «Hesch nit no ebbis zem dünngle?» «Nai, mer hän kei Salatsoosse!» Es war nicht das, was sie hören wollte. Aber ein Waggiswagen ist definitiv kein Tankstellenshop. Weiter geht es über den Marktplatz Richtung Hauptpost. Dort sitzen immer junge Leute auf den Schaukästen. Die eignen sich allerdings hervorragend, um meine Werferqualitäten auszuleben. Leider ist die Fangquote im Publikum nicht gleich hoch wie meine Trefferquote. Räppli weht es mir plötzlich in die Larve: Bravo, die Kollegen können die Windrichtung nicht einschätzen.

Dann, zum Schluss: Ein junger Mann zeigt mit seinem Finger auf seine Freundin. Seine Absicht ist klar: Er möchte, dass wir sie stopfen. «Du muesch se scho sälber do aane bringe», rufe ich ihm zu. Schwupps steht er mit ihr im Schlepptau vor uns. Wir bedienen ihn mit Räppli und sie mit den Blumen. Ein bisschen Erziehung gehört auch an der Fasnacht auch dazu.