Rutschmadame

Wahl-Tatort ohne Gesang

Steigt am Sonntag: «Eurovision Vote Contest – wer regiert bald Basel?»

Steigt am Sonntag: «Eurovision Vote Contest – wer regiert bald Basel?»

Vergesst den Schweizer Tatort und freut Euch auf die Sonntagsshow «Eurovision Vote Contest – wer regiert bald Basel?». Die Kopie des Eurovision Song Contest wird, anders als das Original, dieses Jahr auf Gedeih und Verderb durchgeführt – und das freundlicherweise ohne Gesang. Wobei: Wer weiss, ob Jans und Ackermann nicht doch eins auf der Gitarre trällern? In coviden Zeiten hecken Politiker allerhand aus, um Politiker bleiben zu dürfen.

Aber was haben die Basler Wahlen mit der Eurovision gemeinsam? Viel. Alles ist absehbar, manchmal kommt es zu Überraschungen. Es ist todlangweilig und gleichzeitig sauspannend. Paradox. Konkret ist es so: Die SP entspricht dem Balkan. Die Länder helfen sich gegenseitig – unabhängig von der Qualität der Kandidierenden. Da sie übermässig vorhanden sind, sind sie immer ein bisschen Sieger. «Montenegro, 12 Points» heisst es aus Serbien und Albanien, egal, ob man sich bei Montenegros Performance die Ohren zuhalten musste. Die SVP ist ein Abbild der missachteten Schweiz, selten eines von Österreich: Sie erhält kaum Punkte und gewinnt nur ausnahmsweise und unerwartet mit Conchita Wurst. Mitte-Parteien wie die CVP sind in Skandinavien zu verorten: Treue Punkte kommen aus der Kälte, seit ABBA jedoch nur noch bescheiden und der Tradition wegen. Die GLP hingegen hat den Norden verlassen. Sie ist die Alternative, die gewählt wird, weil man sonst nicht weiss, was wählen – und vielleicht, weil grün und liberal als sexy gilt. Die GLP entspricht Slowenien, klein, zwischen Balkan und Österreich, keiner weiss, wo genau und warum. Fest steht: Balkan und Österreich sind in Gefahr! Slowenien holt sich Punkte aus allen Himmelsrichtungen, sogar der Süden bibbert.

Dort hocken die Bürgerlichen. Die FDP liegt in Italien, ein Land, das aus Mitleid ein paar Punkte bekommt, damit es nicht ganz untergeht. Die LDP zieht sich über Portugal, Spanien, Malta bis nach Griechenland hin. Lange Geschichte, kaum Entwicklung, aber ein sicherer Wert, wofür auch immer. Und die Grünen? Sind in Deutschland daheim. Ewig verschmäht, fern von Stil und Eleganz, und jetzt, seit Merkel und Drosten, in einem temporären Hoch. Da soll einer sagen, Basler hätten keine Ahnung von Euro-Visionen. Viel Spass bei der Show.

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