Wahlen Basel-Stadt
Wahlflyer fluten Basel – Propaganda für die Tonne

Die Basler Briefkästen quellen über mit Werbung für Kandidaten und Parteien. Doch die Wahlpropaganda kommt beim Wähler gar nicht richtig an, meint ein Experte.

Benjamin Rosch
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Wahlwerbung aller politischer Couleur fluten derzeit die Basler Briefkästen.

Wahlwerbung aller politischer Couleur fluten derzeit die Basler Briefkästen.

Kenneth Nars

Wenn sich Briefkästen von Briefen ernähren sollten – derzeit würden sie fett. Jeden Tag werden ihnen Flyer, Broschüren oder gleich ganze Parteizeitungen in den Schlund gestopft. Klar, es sind Wahlen. Und das Verteilen von Wahlpropaganda ist noch immer ein weitverbreitetes Mittel, um viele Menschen zu erreichen.

«Wir stellen seit letzter Woche in Basel-Stadt eine erhebliche Zunahme an Postsendungen fest», sagt Richard Pfister, Sprecher der Post. Zum einen hänge dies mit den Wahlcouverts selbst zusammen, zum anderen aber auch mit «unadressierten Werbesendungen». Für die Milchbüchlein-Rechner: Bei durchschnittlich zwei Flyern am Tag wird in Basel derzeit eine Tonne Wahlpropaganda pro Woche verteilt.

Die Post unterscheidet zumindest in der Statistik nicht zwischen herkömmlicher Werbung und politischer Propaganda. Am Briefkasten allerdings trennt sich die Werbungs-Spreu vom Propaganda-Weizen. Denn ein «Stopp Werbung»-Kleber gilt zwar für die Anzeige des Schuhladens und des Elektronikhändlers, Wahlflyer aber lassen sich dadurch nicht abweisen: «Sendungen von Parteien oder von Komitees fallen in die Kategorie der sogenannten ‹offiziellen Sendungen›, welche die Post in alle Briefkästen verteilt», erklärt Pfister. Der Kriterienkatalog für die Zustellung «offizieller» Sendungen entspräche der langjährigen Praxis der Post und werde vom Konsumentenschutz akzeptiert.

Nutzlos bis kontraproduktiv

Sowieso: Nur ein Teil der Wahlpropaganda wird durch die Post zugestellt. In vielen Parteien sind es die Kandidaten selbst, die ihre Wahlkreise beackern und ihre Botschaft von Tür zu Tür säen.

Dabei ist der Nutzen dieser Form von Wahlkampf umstritten. «Auf der einen Seite erreicht man mit dieser Methode eine Vollabdeckung des Wahlkreises, weil politische Werbung in alle Briefkästen verteilt werden darf», sagt Politologe und Campaigner Mark Balsiger. «Auf der anderen Seite ist ihre Wirksamkeit sehr bescheiden. Werbung verdampft meistens wie ein paar Wassertropfen in der Wüste.» Balsiger geht sogar noch weiter: «Wenn Flyer billig produziert wurden oder sich Fehler im Text eingeschlichen haben, sind sie kontraproduktiv.» Der potenzielle Wähler denke dann: «Ach, ich bin dieser Partei nur einen dünnen Wisch wert!», so Balsiger.

Auffallend ist, dass manche Kandidaten deshalb auf grelle Flugblätter verzichten und stattdessen auf persönlich unterschriebene Briefe vertrauen, die den Adressaten an gemeinsame Interessen erinnern sollen. Ein Mittel, das insbesondere Bürgerliche wie Dieter Werthemann (GLP) oder Alexander Sarasin (FDP) einsetzen. Die Linken schreiben dafür Postkarten, die das Konterfei ihrer Kandidaten zieren.

Ob bunt oder schlicht: Am Ende ihrer kurzen Lebenszeit steht für den grössten Teil des Propaganda-Materials der Weg in die KVA bevor. Dort hinterlassen die Kandidaten keinen bleibenden Eindruck: Bei 1000 Tonnen verbranntem Abfall täglich fällt die Werbung nicht ins Gewicht.