4 Millionen
Wahrsager soll 80-jährige Frau ausgenommen haben

Zunächst überwies die Frau, die laut der Verteidigung an Demenz erkrankt ist, 2,4 Millionen Franken an die Tochter des Angeklagten. Später brachte sie ihm bei Besuchen immer wieder Bargeld

Patrick Rudin
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(Symbolbild)

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Keystone

Den ganzen Tag sass der 59-jährige Mann aus dem Senegal ruhig auf seinem Stuhl und hörte sich die Gerichtsverhandlung an: Verteidiger Alain Joset hatte gleich zu Beginn gesagt, dass sein Mandant schweigen und daher weder Angaben zu seiner Person noch zur Sache machen werde.

Die Sache sieht auf den ersten Blick nach einem grossen Betrug aus. Doch der Teufel steckt im Detail: Der Mann scheint sich als Astrologe und Wahrsager mit einer 80-jährigen Frau angefreundet zu haben, die Details der Beziehung wurden allerdings zum gestrigen Prozessauftakt am Basler Strafgericht auch nach der Befragung mehrerer Zeugen nicht ganz klar.

Eindeutig ist hingegen, dass auf Auftrag der 80-Jährigen hin rund 2,4 Millionen Franken in den Senegal überwiesen worden sind, und zwar auf das Konto der 25-jährigen Tochter des Beschuldigten. Das Geld kam aus dem Verkauf eines Kunstwerkes, abgewickelt hatte die Transaktion eine befreundete Galeristin. Vor Gericht als Zeugin befragt redete sie allerdings hauptsächlich um den heissen Brei herum, bis der Gerichtspräsident die Befragung sichtlich genervt abbrach. Die Galeristin hat für den Verkauf eine Kommission von über 700 000 Franken erhalten und nun selbst ein Verfahren am Hals.

Gerade die beiden Kinder der 80-Jährigen waren mit der «Spende» und dem Verkauf nicht einverstanden, zumal sie ein Miteigentum am Kunstwerk beanspruchen. Die Familie ist mit insgesamt drei Anwälten im Gericht präsent: Gerichtspräsident René Ernst verfügte aufgrund eines Antrags der Familie, dass die Medienvertreter keine Informationen verbreiten dürfen, «welche einzeln oder in ihrer Gesamtheit Rückschlüsse auf die Identität der Geschädigten geben könnten».

Arztunterlagen verweigert

Nach der Millionenspende wollten die Angehörigen den Senegalesen nicht mehr bei ihrer Mutter sehen. So besuchte die 80-Jährige den Mann jeweils im Elsass und brachte dabei Bargeld mit. Im November 2013 stoppte man die Frau in einem Taxi mit 600 000 Euro in der Tasche, der Senegalese wurde daraufhin im Elsass festgenommen und im Juli 2015 an die Schweiz ausgeliefert.

Unklar ist der Gesundheitszustand der 80-Jährigen während jener Zeit: Von Demenz und einem Hirnschlag ist die Rede, immer wieder war auch von lichten Momenten die Rede. Doch ausgerechnet die Herausgabe der Arztunterlagen über die Urteilsfähigkeit der Frau wurden dem Gericht offenbar verweigert. Verteidiger Joset bezeichnete dies als «Skandal», da sein Mandant damit vom Vorwurf des Betruges entlastet werden könnte.

Formell lauern weitere Fussangeln: Zur Auslieferung des Mannes an die Schweiz fehlt noch ein Dokument, weshalb das Verfahren wohl sistiert werden muss. Am Dienstag sollen dennoch Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Plädoyers halten.