Damit sich d Zircher nimme blamiere,
Sett me dä Böögg nei konschtruiere.
Stellet doch der Blocher druff,
dä drotzt em sterggschte Wind,
Und falls äär drotzdäm aabe kunnt:
Dää hätt e haaarte Grind.

Mit diesem Vers des Schnitzelbanggs Peperoni klang die Geschichte des letzten Besuchs Basels als Gastkanton am Sächsilüüte aus. Beinahe ein Jahr nach dem Besuch der Basler, an der Fasnacht 1994. Doch die Zürcher Medien, allen voran die «NZZ» hatten es bereits am 20. April 1993, dem Tag nach dem Sächsilüüte kommen sehen, nun sei man sicher ein Fasnachts-Sujet. Und Niggi Schoellkopf, als Meister der Ehrengesellschaft zum Rebhaus abends zu Gast bei den Zünftern Wittikon, dichtete prophetisch:

Dä Kniefall finde mir in Ornig,
dr Böögg isch längschtens pflutterweich.
Meh dryber denne Ändi Hornig,
uff Widerseh am Morgestraich.

Einer, der den Kotau des Schneemannes vor den Baslern in bester Erinnerung hat, ist Hans-Rudolf Striebel, damals als Basler Regierungspräsident Anführer der Delegation. «Ich habe den Zürchern noch gesagt, das geht doch so nicht. Als Physiker und Chemiker habe ich gesagt, hört doch auf, Brandbeschleuniger drauf zu schütten. Was fehlt ist Sauerstoff. Aber sie wollten nicht hören.» Und das nachhaltig nicht. Im Jahr darauf, da fiel der Böögg wieder. Obwohl man eine dickere Mittelstange besorgt hatte und diese monatelang wässerte. Roland Dütsch, der Verantwortliche für den Böögg, gestand der «NZZ» damals: «Letztes Jahr brachte ich keinen Bissen herunter und hatte erst noch eine schlaflose Nacht.

__________

1993 fiel der Böögg um...

__________

Nicht das erste Mal

Derart traumatische Erlebnisse sind an des Zürchers höchstem Feiertage selten. Der Böögg stürzte 1960 schon von seinem zehn Meter hohen Scheiterhaufen, ebenso 1950. Und am spektakulärsten ging es dem Kriegs-Böögg von 1944: Der musste in Zürich-Enge am Seeufer verbrannt werden, da auf der Sächsilüüte-Wiese im Rahmen der Anbauschlacht die Kartoffeln wucherten. Und das Brennmaterial war ebenfalls rationiert. So kippte der Böög, anstatt laut zu detonieren, leise, angekokelt und qualmumhüllt ins Wasser.

Böögg-Veteran Striebel

Den Besuchern wurde erst später klar, was für ein Unglück sich da vor ihnen ereignet hatte, erzählt Striebel. Es sei danach um nahezu nichts anderes mehr gegangen. Und Striebel war 1993 kein Novize am Sächsilüüte. «Ich war einige Jahre zuvor schon dabei, auf Einladung eines Militärkameraden». Und auch nach dem Bööggen-Flug ging Striebel nochmals ans Frühlingsfest. «Es ist eine schöne Sache. Sehr gesellig und fröhlich».

Wenn nun aber die diesjährige Delegation glaubt, sie könne noch einmal auf den Veteranen vieler Scheiterhaufen und seine Böögg-Erfahrungen zählen, dann werden sie enttäuscht. «Nai, ich mag nicht mehr», sagt Striebel. Er sei mit seinen 88 Jahren nicht mehr ganz so gut zu Fuss. «Der Marsch dauert elend lang, etwa drei Stunden, wenn ich mich recht erinnere. Und es gibt davor ein Mittagessen und danach ein Dinner auf einer Zunftstube, das würde mir zu viel.» Das Abendessen ist denn auch kein leichter Imbiss, sondern ein längeres Gelage mit Ansprachen.

Der Ablauf wird in etwa auch heuer derselbe sein, wie anno 1995. Und in jedem Jahr seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Damals wurde die Gestalt eines Schneemannes festgelegt. Das Verbrennen des Winters als Ritual ist uralt und längst nicht auf Zürich beschränkt. So wird beispielsweise in Sissach das «Chluri» angezündet. Allerdings wird in Zürich erst seit 1892 am Sächsilüüte gezünselt. Damals führte Heinrich Cramer – ja, der stammte aus dem gleichen Geschlecht wie der hiesige Regierungsrat Conradin – die einst separaten Bräuche zusammen. Das Sächsilüüte selbst hat zünftige Wurzeln: Es markiert den Wechsel von der winterlichen Arbeitszeit, die bis fünf Uhr abends dauerte und der sommerlichen bis sechs Uhr.