«Space Grotesk»

«Wanderzirkus» im Erlenmatt: Temporäres Möbelhaus bietet Basler Designern eine Plattform

Im neuen Einkaufszentrum Bâleo Erlenmatt haust temporär das Möbelhaus Space Grotesk. Nachhaltigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil. Die Ladeneinrichtung besteht aus recycelten Euro-Paletten und Material vom Breitling-Messestand der Baselworld.

Per Mausklick direkt ins Haus geliefert – und das erst noch zum Spottpreis. So macht man das eben, heutzutage. Und so sterben sie dahin, die Basler Lädeli.

Im Zeitalter von Online-Handel und Einkaufstourismus haben es lokale Designer oft nicht leicht. Dass das Geschäft vor Ort trotzdem funktioniert, daran glaubt eine Handvoll Stadtoptimisten, die kürzlich im neuen Einkaufszentrum Bâleo Erlenmatt ihr temporäres Möbelhaus Space Grotesk eröffnet haben.

Kollektiv Konstruktiv nennt sich das interdisziplinäre Team, das sich aus den Gesellschaftsgründern David Herrmann und Jan Knopp sowie den «Space Grotesk»-Geschäftsleiterinnen Meret Burkhalter und Anita Svaganovic zusammensetzt. Ihr Konzept: mit neuartigen Ideen leerstehende Flächen sinnvoll nutzen. «Da die Ladenfläche erst ab August dauerhaft vermietet wird, hat uns Bâleo-Projektentwickler Losinger Marazzi für eine allfällige Zwischennutzung angefragt», sagt Knopp.

Deshalb habe sich das Kollektiv dazu entschieden, die rund 500 Quadratmeter zu einer Plattform für Basler Designer und Handwerker zu machen. «Das Projekt ist eine Chance für alle Beteiligten», sagt Herrmann: Das Kollektiv dürfe die Fläche bespielen, und die Aussteller bekämen im Bâleo eine deutlich grössere Reichweite als in ihrer eigenen Werkstatt.

Persönlich und nachhaltig

Gleichzeitig steigere das «Space Grotesk» die Attraktivität des Einkaufszentrums und habe so auch für den Eigentümer einen Mehrwert. Eine bespielte Fläche sei schliesslich interessanter als ein leerer Raum.

Die meisten Vermieter würden ihre Räume jedoch lieber mehrere Jahre lang brach liegen lassen und auf grosse Ketten warten, anstatt die Fläche zu einem geringeren Mietpreis umzunutzen. «Wir wollen beweisen, dass es für den Vermieter auch lukrativ sein kann, eine Zeit lang wenig oder keine Miete zu verlangen und so eine Entwicklung zu ermöglichen», sagt Herrmann.

«Das ‹Space Grotesk› ist unsere Lösung für ein Problem, das man in der lokalen Designerszene nur zu gut kennt», sagt Knopp. Für die Handwerker sei es gerade zu Beginn ihrer Karriere oft sehr schwer, ausserhalb ihrer kleinen Werkstätten Flächen für ihre Ausstellungsstücke zu finden. «Wenn sie dann endlich eine geeignete Plattform für die Produkte gefunden haben, stehen sie vor der nächsten Herausforderung», so Knopp.

Die meisten Möbelmacher hätten nämlich weder Zeit noch die nötigen Ressourcen, um solch ein Ausstellungsprojekt auf die Beine zu stellen. Dafür fehle den Kleinbetrieben schlichtweg das Personal. «Diese Aufgabe nimmt ihnen das Kollektiv quasi ab.»

Noch bis zum 27. Juli stehen im Untergeschoss des Bâleo Erlenmatt handgefertigte Möbelstücke und andere Wohnaccessoires. Die Eröffnung sei jedenfalls ein Erfolg gewesen, sagt Herrmann. «Im Gegensatz zum anonymen Online-Shopping können hier zwischen Besuchern und Designern Beziehungen geknüpft werden, die über den Kauf eines Objekts hinausgehen.» Eine Zweitwelt, die nur funktionieren könne, weil die Nachfrage da sei.

Neben dem Direktverkauf plant das Team verschiedene Veranstaltungen rund ums Thema Möbel und Konsum. Neben einer Kunstausstellung und Vorträgen sorgen beispielsweise Nähkurse oder der Austausch über die richtige Pflege von Zimmerpflanzen für Betrieb im Geschäft.

Nachhaltigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil des temporären Möbelhauses. Die Ladeneinrichtung besteht aus recycelten Euro-Paletten und Material vom Breitling-Messestand der Baselworld. «Wir haben uns in die Idee verliebt, alles lokal zu machen. Deshalb haben wir auch lokales Material für den Aufbau verwendet», sagt Knopp.

Überall, wo es Platz hat

Bisher finanziert das Kollektiv sein Projekt über den Verkauf. «Wenn ‹Space Grotesk› funktioniert, wollen wir das Konzept weiterführen – wo und in welcher Form auch immer», sagt Herrmann.

Dann handle es sich um eine Form der Förderung, deren Subventionierung wünschenswert wäre. «Unser Laden ist jetzt quasi in Wert gesetzt», sagt Knopp. Sei eine längerfristige Nachfrage da, ziehe er eben einfach an einen anderen Ort in der Stadt: «Ein Wanderzirkus, der sich da niederlässt, wo Platz ist.»

Autor

Chloé Oberholzer

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