Basel

Wandtafeln, Kreide und Pulte sind umgezogen: Am Montag beginnt die Schule

In diesem Lernatelier lösen ab Montag 60 Schüler selbstständig ihre Aufgaben. In den angrenzenden Zimmern befinden sich die Gruppen- und Inputräume.

In diesem Lernatelier lösen ab Montag 60 Schüler selbstständig ihre Aufgaben. In den angrenzenden Zimmern befinden sich die Gruppen- und Inputräume.

Für die Harmonisierung der Schule baut der Kanton seine Schulhäuser um. Seit April 2014 wirken die Handwerker im Theobald Baerwart-Schulhaus. Ein Besuch zwischen Kartonkisten, bevor am Montag die Sekundarschule beginnt.

Jetzt ist jede Ecke genutzt: Wo vor eineinhalb Jahren noch der ehemalige Kohlenkeller war, laufen die Kabel der Haustechnik zusammen; aus dem Estrich entstand ein Stockwerk mit Bibliothek und Vorbereitungszimmern für Lehrer. Das Theobald Baerwart-Schulhaus hat in seinem Innern eine Totalveränderung durchgemacht.

«Aufgrund der steigenden Schülerzahlen mussten wir alles komplett ausbauen. Ab Montag ist das Haus voll», sagt Thomas Riedtmann, oberster kantonaler Schulraumkoordinator.

Er steht im Kellergeschoss des Schulhauses. Vor, hinter und neben ihm: Kartonkisten, die sich stapeln; Umzugshelfer, die voll bepackte Karren vor sich herschieben. Sie gelangen direkt von der Rheinpromenade ins Schulhaus. Mit diesem neuen Eingang und einem Lift ist das Theobald Baerwart-Schulhaus ab diesem Schuljahr auch für Rollstuhlfahrer zugänglich.

Der Schulhof des Theobald Baerwart-Schulhauses wird noch gestaltet.

Der Schulhof des Theobald Baerwart-Schulhauses wird noch gestaltet.

31 Baustellen in Schulen

Nächsten Montag ziehen hier sechs Sekundar- und zum letzten Mal zwölf WBS-Klassen ein. Mit dem neuen Schuljahr setzt der Kanton Basel-Stadt einen weiteren Schritt der Schulharmonisierung (Harmos) um: Die Schüler besuchen sechs Jahre die Primarschule, wechseln dann für drei Jahre in die Sekundarschule und können anschliessend – je nach Noten und Zukunftsplänen – in die Berufsbildung, das Gymnasium oder die Fachmaturitätsschule übertreten.

Die neue Gestaltung des Schulwesens bedingt auch grosse räumliche Anpassungen. 790 Millionen Franken investiert der Kanton in seine Schulbauten. Allein in diesem Sommer beherbergten 31 Schulen eine Baustelle.

Friesmalerei entdeckt

So auch das Theobald Baerwart-Schulhaus. Seit April 2014 höhlten Handwerker das Gebäude aus, rissen die sanitären Anlagen, die Elektrizität oder die alte Hauswartwohnung heraus. Die frühere Primarschule zog dafür ins Dreirosen-Schulhaus, die Hochschule für Künste (HGK) fand im Dreispitz ihr neues Zuhause. «Zu Beginn wussten wir nicht, in welchem Zustand die Grundstruktur des Hauses ist. Insbesondere die Erdbebensicherheit war eine grosse Unbekannte», sagt Stephan Hug, Leiter der Abteilung Raum und Anlagen.

Das Theobald Baerwart-Schulhaus wurde zwischen 1900 und 1902 gebaut, Stahlträger mit Backsteinen tragen es. Wie die Bauingenieure feststellten, halten die Böden über hundert Jahre später immer noch. Und die Handwerker entdeckten zwischenzeitlich Verborgenes: In der Aula kamen Friesmalereien zum Vorschein. Trauben, Sonnenblumen oder grüne Blätter – sie schmücken nun in kleinen Quadraten die Wand. «Es blieben keine ganzen Gemälde bestehen, deshalb zeigen wir nur gut erhaltene Teile», sagt Thomas Riedtmann.

In der Aula kamen frühere Malereien zum Vorschein.

In der Aula kamen frühere Malereien zum Vorschein.

Den Schulraumkoordinator zieht es weiter, aus der Aula, um vier aufeinander gestapelte Kartons mit Druckern. Er stösst die Tür zu einem hellen Raum auf. Entlang einer Wand sind Holzstühle aufgereiht, mobile Wandtafeln ineinander verschränkt. Hier werden am Montag 60 Schüler ihren Arbeitsplatz bekommen – wer Glück hat mit Blick auf den Rhein. «Ausser bei Fächern, die einen besonderen Raum brauchen, findet der Unterricht vorwiegend in diesem Zimmer statt», sagt Riedtmann. Lernateliers heissen diese Räume: Jeweils drei ursprüngliche Klassen ergeben neu einen solchen Verband.

Knobeln die Schüler nicht selbstständig in den Lernateliers über Aufgaben, lösen sie in den Gruppenräumen gemeinsam Übungen oder bekommen in den Inputräumen Fachunterricht. Diese sind rund um die Lernateliers angeordnet. Sowohl die Schüler wie die Lehrer zirkulieren – es gibt weder Klassenräume noch Zimmer, die ein einzelner Lehrer benutzt.

Noch poliert im Theobald Baerwart-Schulhaus eine Putzfrau die Scheiben, ein Maler spachtelt an einer Fussleiste, ein Elektriker knietvor einer Steckdose – doch am nächsten Montag sei alles bereit, versichert Thomas Riedtmann. Seine Freude, aber auch seine Erleichterung ist spürbar. «Dass alles so klappt, ist eine Sensation», sagt er. Denn die Liste mit den Vorgaben für das denkmalgeschützte Schulhaus waren lang: Brandschutz, Baumschutz oder Kriterien für den Energieverbrauch – sie alle mussten berücksichtigt werden.

790 Millionen Umbaukosten

Auflagen, Termine und Kosten scheinen eingehalten werden zu können. Auch der Bau der Tagesstruktur mit Mittagessen sei auf gutem Kurs, sagt Riedtmann. Diese zieht voraussichtlich in den Herbstferien in die ehemalige Turnhalle des Theobald Baerwart-Schulhauses ein. Dessen Gesamtsanierung beläuft sich auf rund 21,4 Millionen Franken. «Abgerechnet wird später, wir sind aber optimistisch, dass wir das Kostendach von 790 Millionen Franken für alle Schulbauten einhalten können», sagt Riedtmann.

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