Hitzewelle
Wankende Giganten – 241 Bäume wurden diesen Winter notfallmässig gefällt

241 Bäume musste die Stadtgärtnerei diesen Winter notfallmässig fällen.

Benjamin Wieland
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Kenneth Nars

Die deutsche Eiche. Der Baum schlechthin. Sie steht für Kraft und Beständigkeit. Doch gegen Hitzesommer wie denjenigen 2018 hat selbst die Eiche, die fast eineinhalb Jahrtausende alt werden kann, keine Chance.

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Bäume musste die Stadtgärtnerei diesen Winter notfallmässig fällen.

So war es auch bei zwei über 100-jährigen mächtigen Eichen in Basel. Sie säumten die Dorenbach-Promenade im Neubau-Quartier. Die Basler Stadtgärtnerei musste die beiden Gewächse, die über 30 Meter hoch waren, kürzlich bis auf den Stamm und einige Hauptäste zurückstutzen, wie das «Neubad-Magazin» mitteilte. Ihr Holz war derart vertrocknet, dass es eine ständige Gefahr darstellte.

Zwei von 241 Bäumen auf der Fäll-Liste

Gepflanzt wurden die zwei Stiel-Eichen, wie deutsche Eichen auch genannt werden, im Jahr 1914, also zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Ein Stamm hatte einen Umfang von über vier Metern. Die zwei Giganten sind nicht die einzigen Opfer der heissen Sommer in den vergangenen Jahren. Ein paar Meter weiter wurde eine erst zwanzig Jahre junge Eiche komplett umgetan, ebenso eine Schwarz-Erle mit Jahrgang 1949. Sie war schon komplett abgestorben. «Bei solchen Bäumen bleibt keine andere Möglichkeit, als sie zu fällen», sagt Yvonne Aellen, Leiterin des Grünflächenunterhalts der Stadt Basel.

Damit befinden sich die drei Eichen und die Schwarz-Erle in bester Gesellschaft. 2019 setzte die Stadtgärtnerei 241 Bäume auf die Fäll-Liste, spätestens bis Ende Februar sind diese Arbeiten ausgeführt. Bereits im vergangenen Juni waren 60 Bäume notgefällt worden. Sie waren derart instabil, dass spontane Astabbrüche drohten – so geschehen beim Claraspital.

Hinzu kommen Verluste von Bäumen, die auf privaten Grund standen. Pro Jahr erstellt Basel-Stadt im Schnitt 400 Fällbewilligungen, auch diese Zahl nimmt stark zu. Private Baumfällunternehmen kamen im Sommer mit der Arbeit kaum noch nach.

Nicht nur flachwurzelnde Arten wie Birken, Pappeln und Buchen haben Mühe mit der Trockenheit. Wenn der Grundwasserspiegel sinkt, bekommen auch Tief- oder Pfahlwurzler Probleme. Ihre Wurzeln reichen zwar bis zum Wasserhorizont. Doch auch sie sitzen irgendwann sprichwörtlich auf dem Trockenen, wenn der Grundwasserspiegel sinkt. Die Eiche gilt als die Pfahlwurzlerin schlechthin – ihr Wurzelwerk ist häufig so gross wie der sichtbare Teil des Baumes.

Wegen der Trockenheit haben Pilze leichtes Spiel

Yvonne Aellen sagt zur bz, vor allem der Trockensommer 2018 habe den Bäumen stark zugesetzt. «Solche Perioden schwächen die Bäume enorm. Dann sind sie auch anfälliger für Krankheiten und Pilze, ebenso tut ihnen Streusalzeinsatz nicht gut.» Ob das Baumsterben weiter gehe, könne sie nicht sagen. «Das wäre Kaffeesatz-Lesen. Es hängt sehr davon ab, wie sich das Wetter entwickeln wird. Wenn es genügend Niederschläge gibt, gehen wir davon aus, dass etliche Bäume genügend Reserven haben und sich wieder erholen können.» Andere würden jedoch viel Totholz bilden, das mache Pflegeschnitte notwendig. Und wie im Fall der vier Bäume entlang der Dorenbach-Promenade komme jede Hilfe zu spät. Dass es auch sehr junge Bäume erwischen könne, sei nichts Aussergewöhnliches. «Das hängt häufig auch vom Standort ab, etwa mit der Exposition, also dann, wenn der Stamm starker Hitze ausgesetzt ist», so Aellen.

In Basel stehen rund 26000 Bäume. Sie leisten einen grossen Beitrag zur Lebensqualität, wirken wie riesige Kühlanlagen im Sommer, bilden Sauerstoff und filtern die Luft. Bei Ersatzpflanzungen achtet die Stadtgärtnerei darauf, Arten zu pflanzen, die heissere Temperaturen und zunehmende Trockenheit aushalten können.

Die zwei gefällten Bäume entlang des Dorenbachs werden mit Jungbäumen ersetzt. Die zwei gestutzten Eichen bleiben als sogenannte Ökobäume stehen – so lange, wie die Sicherheit es zulässt. Ökobäume dienen Vögeln als Nistplatz und Insekten sowie vielen weiteren Tieren als Lebensraum. Die Dorenbach-Promenade bleibt also grün – bis der nächste Hitzesommer die Reihen wieder lichtet.