Central Park

Wann kommt der Central Park? Kanton und SBB schalten auf stumm

Das Projekt eines Central Parks über den Geleisen beim Bahnhof SBB ist bei der Bevölkerung beliebt, bei den Behörden aber nicht. Die Regierung hat dem Stadtentwickler untersagt, an einer Podiumsdiskussion teilzunehmen. Auch die SBB schweigen.

Seit sieben Jahren kämpft Donald Jacob für das Projekt Central Park Basel, eine parkähnliche Überdachung der Geleise westlich der Bahnhofpasserelle. Morgen Abend findet in der Markthalle dazu eine Podiumsdiskussion statt. Der Kanton Basel-Stadt verweigert sich jedoch der Diskussion.

Breite Zustimmung

«Die Bevölkerung verliert langsam die Geduld», erklärt Jacob, Landschaftsarchitekt und Inhaber eines Planungsbüros. «Alle wollen den Park, das wird aber von den Amtsstuben nicht wahrgenommen.» Jacob ortet bei der Stadt eine «Hinhaltetaktik». Das sei nicht wirklich begründbar: «Der Central Park Basel ist ja wirklich das einzige Projekt, das so breite Unterstützung geniesst.» Tatsächlich ist eine Volksinitiative für den Central Park Basel Ende letzten Jahres in Rekordzeit zustande gekommen: Innert sechs Wochen hat das Komitee 3700 Unterschriften gesammelt. Im Februar 2012 wurde die Initiative eingereicht. Sie fordert, dass die «Umsetzungsarbeiten unverzüglich in Angriff genommen werden». Für Jacob ist der Central Park Basel nicht einfach eine Projektidee, sondern die Lösung für gleich eine Handvoll drängender Probleme. «Wir alle kennen die Problematik des Bahnhofs SBB: verstopfte Passerellen, lange und unübersichtliche Laufwege durch den Bahnhof, Velos die überall herumstehen.» Der Bahnhof sei ein «Unort mitten in der Stadt». Ein Unort, der zudem das Gundeli-Quartier von der Stadt trennt.

Tatsächlich könnte man manchmal meinen, das Gundeli liege am Rhein: Die Gleisanlagen des Bahnhofs bilden gegenüber der Stadt eine so starke Schranke wie ein Fluss - nur sind sie wesentlich weniger schön anzusehen. Und fast schwieriger zu überqueren. Zwar gibt es einige Brücken über die Geleise, die sind aber so stark genutzt, dass in Stosszeiten Engpässe entstehen.

SBB denken über Passerelle nach

Leidtragende der schlechten Anbindung des Gundelis an die Stadt und der schlechten Zugänglichkeit der Geleise sind die Passagiere. Die SBB denken deshalb selbst über eine weitere Passerelle nach. Aber auch die Läden in der Markthalle leiden darunter, dass sie am Ufer des unzugänglichen Geleiseapparats stehen.

Das Gundeli ist nicht irgendein Quartier. Es ist mit fast 20 000 Einwohnern eines der grössten Quartiere der Schweiz. Es hat beispielsweise deutlich mehr Einwohner als Liestal, mehr als Olten und fast so viele Einwohner wie die Stadt Aarau. Im Umfeld des Bahnhofs sind fast 15 000 Arbeitsplätze situiert. Und rund um den Bahnhof gibt es eine ganze Reihe Projekte.

Stadtentwicklung offen angehen

Neben dem Central Park Basel sind das zum Beispiel der Leimental-Anschluss durch die BLT, der über die Margarethenbrücke und den Margarethenstich erfolgen soll. Im Osten entsteht im Dreispitz ein neues, städtisches Quartier. Es wird über einen Tunnel unter dem Gundeli nachgedacht, der das Leimental an die Autobahn anschliessen soll. Für Donald Jacob ist das Anlass dazu, möglichst umfassend über die Stadtentwicklung rund um das Gundeli nachzudenken. Er hat deshalb in der Markthalle, die von den Entwicklungen ebenso betroffen ist, eine Podiumsdiskussion organisiert (siehe Kasten).

Kanton verweigert Diskussion

Die wichtigsten Protagonisten nehmen an der Diskussion allerdings nicht teil. «Wir haben Thomas Kessler, den Leiter der Kantons- und Stadtentwicklung in Basel, zum Podium eingeladen und von ihm auch eine Zusage erhalten», erzählt Jacob. «Allerdings hat ihm der Regierungsrat offenbar die Teilnahme an der Diskussion untersagt. Er musste seine Zusage zurücknehmen.» Weil die Stadt nicht teilnehme, hätten auch die SBB ihre Teilnahmezusage zurückgenommen. Dass die Stadt Basel nicht einmal an einer Podiumsdiskussion teilnehmen will, ist für Jacob unverständlich. Zumal es bei dem Projekt für einmal gar nicht darum geht, den Fiskus zu belasten. Laut Jacob wäre das Projekt nämlich zu einem grossen Teil mit Mitteln aus dem kantonalen Mehrwertfonds zur Schaffung neuen Grünraums finanzierbar.

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