Die Post ist abgegangen. Die Fasnacht kann abgehakt werden. Es geht ans Aufräumen. Die Laternen werden sorgfältig ausgeschnitten und, wo möglich, gerollt und archiviert. Die Wagen werden mühsam abgebaut, von allem Fasnachts-Anstrich befreit, und verschwinden irgendwo in 135 versteckten Scheunen, Lagerräumen und Remisen zum langen Sommerschlaf. Die Zyyschtigs- und Morgestraich-Kostüme werden geputzt, versorgt. Die Zugskostüme: entsorgt.

Die Strassenreinigung atmet auf, weil Petrus uns vom Regen verschont hat und die Lawinenkegel der Räppli-Tonnen nicht zum Austrocknen ins Zwischenlager gefugt werden müssen. Die Politiker und anderen lokalen Sujet-Lieferanten atmen auf. Und schliesslich dürfen auch die BVB wieder von ihren aufwendigen Sonderfahrplänen zum normalen Betrieb mit den ebenso normalen Pannen, Staus und Störungen zurückfinden.

Der Alltag kehrt wieder ein. Frau Fasnacht zieht sich zurück und bleibt nur noch dort präsent, wo sie es eben immer übers Jahr ist. Bei ganz eingefleischten Fasnächtlerinnen und Fasnächtlern mit ihren alternativen Devotionalien-Sammlungen grüssen die Morgestraich-Helge von den Stubenwänden, die Keramikfiguren, Stein-Waggisse und gehäkelten Alte Dante aus den Vitrinen, die Plakettensammlungen von umfunktionierten Trommelreifen. Die Aktiven ziehen sich zum Übersommern in ihre Cliquenkeller zurück wie die Murmeltiere im Winter in ihre Höhlen.

War’s denn das? Ich habe dazu eine gespaltene Meinung. Einerseits ist es natürlich ganz im Sinn der Basler Fasnacht, dass sie eben nur 72 Stunden dauert und der Vergänglichkeit verpflichtet ist. Wir wollen keine Ganzjahresfasnacht mit Kostümen und Schnitzelbängg bei jeder Hundsverlochete.

Andererseits lebt unsere Fasnacht, anders als manch andere Fasnachten, von einem einzigartigen Stil und Geist, den wir durchaus ein wenig mehr in den fasnachtslosen Alltag holen dürfen. Offener, kritischer, aber auch versöhnlicher Witz, Toleranz und Selbstkritik sind ganz besondere Prädikate, die wir in Basel beherrschen, und die wir nicht nur für die drei Tage nach Aschermittwoch aufsparen dürfen. Mehr Kreativität, Ideenreichtum und der Mut, einmal ein Auge zuzudrücken, täte unserem Zusammenleben und unserer Politik auch übers Jahr sehr gut. Jetzt haben wir wieder 383 Tage Zeit, dies zu üben.