Die aktuelle Klimadiskussion lässt keinen kalt. Man könnte demnach davon ausgehen, dass weniger mit dem Flugzeug verreist wird, auch ab dem Basler Euro-Airport (EAP). Doch das Gegenteil ist hier der Fall: Es wird so viel geflogen wie noch nie, von Flugscham keine Spur.

Am vergangenen Sonntag wurden am EAP rund 33'000 Flugreisende verzeichnet, was Tagesrekord bedeutet. Und auch übers ganze Jahr gesehen bahnt sich ein neuer Spitzenwert an – oder ist vielmehr schon Tatsache. Am Flughafen wird im 2019 mit einem Wachstum von rund acht Prozent gerechnet. Damit dürfte die Marke von neun Millionen Passagieren erstmals überschritten werden, es wird das neunte Rekordjahr in Folge sein. EAP-Direktor Matthias Suhr geht auf Anfrage von 9,1 bis 9,2 Millionen aus. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 wurden 7,9 und 2018 8,5 Millionen Personen verzeichnet.

Der EAP platzt aus allen Nähten

Die ungebremste Nachfrage und das überdurchschnittliche Wachstum bringen den binationalen Flughafen an die Kapazitätsgrenzen – der EAP platzt an stark frequentierten Tagen wie vergangenen Sonntag aus allen Nähten. Zwar meint Suhr, dass die Sättigungsgrenze bald erreicht sein wird und sich das Wachstum in den kommenden Jahren abschwächt, aber bis 2030 dürfe laut Studien mit bis zu 13 Millionen Passagieren gerechnet werden.

Über den Ausbau des Terminals wird deshalb längst nicht mehr spekuliert, die Pläne sind vielmehr Tatsache. Suhr sagt: «Die entsprechenden Bauarbeiten sollen in spätestens neun Jahren abgeschlossen sein, idealerweise bereits im Jahr 2026.»

Konkret soll das bestehende Gebäude auch im Hinblick auf den geplanten Bahnanschluss erweitert werden. Sei es in die Breite, in die Höhe oder in die Länge. Auch ein Anbau an das Terminal in Richtung Norden – analog der bestehenden Easyjet-Boardinghalle im südlichen Teil – steht laut Suhr zur Diskussion. Die Idee eines freistehenden Baus wie das Dock E in Zürich sei zwar eingehend geprüft, aber wieder verworfen worden: «Passagiere schätzen unseren Flughafen gerade wegen seiner kurzen Wege. Das möchten wir beibehalten.» Insider berichten, der EAP investiere mindestens eine halbe Milliarde Franken in den Ausbau und weitere Optimierungen zugunsten eines reibungslosen Betriebs.

Das entsprechende öffentliche Auswahlverfahren zur Findung eines Generalplaners ist bereits angelaufen. Suhr sagt: «Insgesamt haben sich mehr als 20 Architekturbüros bei uns beworben, nach einer Vorsondierung sind noch sieben Offerten übrig gewesen, deren Vorstellungen nun diskutiert werden.» Dem Vernehmen nach sind auch Vorschläge darunter, die den Aussen- und/oder den Innenausbau des Flughafens neu gestalten wollen.

Bis Anfang kommenden Jahres soll feststehen, wer den Zuschlag für die Generalplanung erhält. Sowohl nationale als auch internationale Büros haben sich für den Prestigejob beworben. «Wichtig ist uns, dass das Projekt einen binationalen Charakter hat», sagt Suhr.

Herzog & de Meuron im Rennen?

Gut möglich, dass sich unter den Bewerbern die renommierten Basler Architekten von Herzog & de Meuron befinden. Zum einen fehlt in deren Palmarès ein Flughafen-Projekt. Zum anderen wohnte eine Architektin des Büros Ende Mai einer Podiumsdiskussion am und zum Flughafen bei, wie die «Schweiz am Wochenende» feststellte. Branchenkenner beurteilen diese Tatsache als Zeichen für eine mögliche Beteiligung von Herzog & de Meuron an der Ausschreibung.

Auf Anfrage bestätigt Sprecherin Noemi Schmidt, dass die Architektin das Büro an diesem Anlass vertreten habe. Ob Herzog & de Meuron sich im Rennen um den Ausbau befindet, diese Frage wurde von Schmidt weder bestätigt noch dementiert: «Als in Basel ansässiges Architekturunternehmen mit vielen in Europa laufenden Projekten und entsprechender Flugtätigkeit verfolgen wir die Entwicklung des Euro-Airports mit Interesse.» Suhr derweil wollte die Frage nicht kommentieren.