Ein Blick auf die Kartenausschnitte zeigt: Die Pläne für das Herzstück der Regio-S-Bahn in Basel und die sich bereits im Bau befindliche «Citybanan» in Stockholm ähneln sich enorm. In beiden Städten soll eine Bahnlinie unter einer Stadt durchgebaut werden und zwei Bahnhöfe miteinander verbinden. In beiden Fällen gilt es, ein Gewässer zu untertunneln. Und in beiden Fällen soll das historische Stadtzentrum darüber weder beschädigt noch in seinem Funktionieren behindert werden.

Die «kleine» Basler Variante

Diese Verwandtschaft der beiden Grossprojekte ist es, die Stockholm für das Basler Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) so interessant macht, dass die Geschäftsleitung dort eine Fachtagung absolviert. Diese hatte die «Basler Zeitung» zu einer Verschwendung von Steuergeldern durch ein «Schwedenreisli» mit Partner-Begleitung hochstilisiert (die bz berichtete). Dabei nahm es die BaZ mit den Fakten derart ungenau, dass es eine umfangreiche Richtigstellung des BVD absetzte.

BVD-Sprecherin Jasmin Fürstenberger erklärt erneut: «Es geht uns um Erkenntnisgewinne. Diese werden die Arbeiten am Herzstück enorm erleichtern.» Deshalb sei auch bereits einmal eine Delegation des Tiefbauamtes in Stockholm gewesen.

Eine weitere Schweden-Verbindung des Baudepartements, die von BVD-internen Informanten verbreitet wird und bald in der BaZ stehen dürfte, ist folgende: Roger Reinauer, der Leiter des Tiefbauamtes, pendle mehr oder weniger zwischen Stockholm und Basel. Dem ist nicht so. Reinauer besucht regelmässig seine Frau und seine Tochter, die drei Stunden von Stockholm entfernt in Südschweden leben. Mit seiner Arbeit hat das nichts zu tun und ist deshalb nicht von öffentlichem Interesse. Im Zusammenhang mit der Aufregung rund um die Fachtagung sei es aber der Vollständigkeit halber erwähnt.

Das grosse Vorbild in Schweden

Die «Citybanan» (City-Bahn) in Stockholm, die seit 2009 im Bau ist, gilt als das komplexeste Infrastruktur-Projekt in der neueren Geschichte Schwedens. Es umfasst einen sechs Kilometer langen Doppelspur-Eisenbahntunnel zwischen den Stadtteilen Södermalm und Tomteboda. Dabei werden die Innenstadt Stockholms und ein Wasserarm des ins Meer mündenden Mälarsees unterquert. Neben dem Haupttunnel wird ein kleinerer Service- und Rettungstunnel erstellt. Zudem entstehen zwei neue, unterirdische Bahnhöfe, einer davon unter dem jetzigen Hauptbahnhof. Am Südende schliesst eine 1,4 Kilometer lange Brücke an den Tunnel an.

Mit der «Citybanan» wird die Kapazität des stark überlasteten Stockholmer Schienennetzes ausgebaut; da dieses gleichzeitig den wichtigsten Knotenpunkt für das nationale Netz darstellt, profitiert das ganze Land. Dank zwei neuen Spuren werden S- und U-Bahn vom restlichen Bahnverkehr getrennt, was eine starke Kapazitätserhöhung des innerstädtischen öffentlichen Verkehrs erlaubt.

Zur Komplexität tragen Sprengungen unter bestehenden U-Bahnlinien sowie unter dem Zentrum der Hauptstadt bei, wobei jahrhundertealte Häuser gesichert werden müssen. Herzstück ist ein 400 Meter langer Unterwasser-Senktunnel aus Beton. Dieser liegt einerseits auf Material, das für andere Tunnelbereiche aus dem Untergrund gesprengt wurde - andererseits ruht er auf vier Stützen, die wiederum auf Dutzenden in den Meeresgrund gerammten Pfählen stehen.

Spätestens 2017 soll das umgerechnet 2,4 Milliarden Franken teure Bauwerk eröffnet werden. Laut Angaben von Ende 2013 werden keine Budgetüberschreitungen erwartet, und momentan liegt das Projekt ein Jahr vor dem Zeitplan; praktisch sämtliche unterirdischen Sprengungen sind vollzogen.