Bei vielen psychiatrischen Erkrankungen treten Gedächtnisstörungen auf. Nun konnte ein internationales Forscherteam unter Leitung der Universität Basel nachweisen, dass diese mit Störungen der Molekül-Kanäle in den Hirnzellen zusammenhängen, wie es im Fachjournal "Neuron" berichtet.

Obwohl psychische Krankheiten weit verbreitet sind, gibt es kaum Medikamente, die direkt ihre biologische Ursache angreifen. Inzwischen haben Wissenschaftler die Suche nach diesen auf das Genom ausgeweitet. Doch die Störungen sind zu komplex, als dass es ein einzelnes "Schizophrenie-" oder "Depressions-Gen" geben könnte.

Sinnvoller ist die Fahndung nach Gengruppen, die für bestimmte biologische Merkmale verantwortlich sind. So eine Gruppe hat nun das Team um Angela Heck von der Universität Basel und den Universitären Psychiatrischen Kliniken im Erbgut von 2800 gesunden jungen und älteren Testpersonen identifiziert, wie die Uni Basel am Donnerstag mitteilte.

Die Gengruppe ist für sogenannte spannungsabhängige Ionenkanäle zuständig. Dies sind Proteine in der Membran - der Umhüllung - von Zellen, die den Durchfluss von elektrisch geladenen Molekülen regulieren. Sie sind entscheidend dafür verantwortlich, dass Nervenzellen durch elektrische Impulse aktiviert werden können.

Leistung des Arbeitsgedächtnisses

Der Vergleich mit den Erbgutdaten von über 30'000 Schizophrenie-Patienten ergab, dass Veränderungen in dieser Gengruppe mit dem Schizophrenie-Risiko zusammenhängen. Anhand von Hirnscans an 700 Testpersonen zeigte sich zudem, dass sie "deutlich mit der Leistung des Arbeitsgedächtnisses verbunden" ist.

Der Zusammenhang war besonders deutlich in zwei Hirnregionen im Gross- und Kleinhirn, die das Arbeitsgedächtnis aufrecht erhalten. Mit diesem kann man sich zum Beispiel kurzfristig eine Telefonnummer merken. Das Kurzzeitgedächtnis ist bei vielen psychischen Krankheiten wie Schizophrenie gestört.

Das Fazit der Forscher: Moleküle, die die elektrische Erregbarkeit der Nervenzellen steuern, spielen für ein intaktes Arbeitsgedächtnis und die damit verbundenen Hirnareale eine wichtige Rolle. Eine Störung dieses Mechanismus könnte zur Entwicklung einer Schizophrenie führen.

Die Resultate bildeten eine gute Ausgangslage für die Entwicklung von Medikamenten für Gedächtnisstörungen und psychiatrische Erkrankungen, hiess es in der Mitteilung.

Die Arbeit fand im Rahmen der Forschungsplattform "Molecular and Cognitive Neurosciences" (MCN) der Universität Basel und der Universitären Psychiatrischen Kliniken statt. Diese wird von den Professoren Dominique de Quervain und Andreas Papassotiropoulos geleitet und erkundet die molekularen Grundlagen des Gedächtnisses und von psychischen Störungen.