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Warum der Basler Strand nicht nur ein Segen ist

Die Stadt Basel hat einen Strand. Anstatt sich darüber zu freuen, macht sich Frust breit. Der Grund: Der Strand verkommt immer mehr zur Müllhalde.

Thomas Mani
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Am Tag nach der Party: der Rheinstrand in Basel. Martin Töngi

Am Tag nach der Party: der Rheinstrand in Basel. Martin Töngi

bz Basellandschaftliche Zeitung

Sonntagmorgen am Kleinbasler Rheinufer zwischen Schwarzwald- und Wettsteinbrücke: Unterhalb des Rheinbords präsentiert sich mitten in der Stadt ein breiter, flacher und heller Steinstrand. Er lädt auf den ersten Blick geradezu zum Grillieren, Sonnenbaden und Spielen ein.

Bei genauerem Hinsehen dann die Enttäuschung: Leere Bierdosen, zersplitterte Glasflaschen, Plastiksäcke, unzählige Zigarettenstummel und Fetzen von nassem Bierkarton stören die Idylle am Wasser. Die Zeugen einer durchzechten Nacht am Stadtstrand sind ein Problem für die Flussfreunde des nächsten Tages, aber auch für die Leute, die am Ufer für Sauberkeit sorgen möchten.

Berge von Abfall

Alexander Isenburg, Leiter der Stadtreinigung, sind die Probleme bekannt. «Mittlerweile kann man sogar via Kurier Pizzas an den Stadtstrand bestellen», sagt Isenburg. Für seine Mitarbeitenden sind die Aufräumarbeiten am Strand um einiges mühsamer als am teilweise betonierten Rheinbord. Sie müssten von Hand Abfall und Scherben zwischen den Steinen hervorklauben, erklärt Isenburg.

Er verstehe den Ärger über die Sauerei an den Wochenenden, die Stadtreinigung könne kaum noch mehr tun: Es stehe bereits zusätzliches Reinigungspersonal im Einsatz; zudem stünden die grossen blauen Container ja da. «Wir hoffen einfach, dass es mal wieder richtig regnet», meint Isenburg lapidar. Dann lösen sich die Probleme mit dem Stadtstrand quasi von alleine.

Pegel deutlich tiefer als im Vorjahr

Die Trockenheit der letzten Wochen hat den Rheinpegel im Vergleich zum Vorjahresdurchschnitt um mehr als 85 Zentimeter gesenkt, wie Messstatistiken des Bundes online belegen. Der tiefe Wasserstand legt so teile des peripheren Flussbetts der Flussinnenkurve in Basel frei. Ein idealer Ort zur Entspannung an heissen Tagen.

Am Nachmittag zuvor: Das sommerliche Wetter hat einige Leute an den Rhein gelockt. Einigen scheint die pralle Sonne nichts auszumachen, sie sitzen oder liegen am Strand mit einem Buch oder einem kühlen Bier und geniessen den freien Tag. Vereinzelt ist Musik aus einem Ghettoblaster zu hören. Zu stören scheint dies noch niemanden. Es gibt genug Platz und die Lautstärke ist gemässigt. Erst gegen Abend wird der Sound lauter und das Zischen der Bierdosen beim Öffnen häufiger. «Es muss ein Miteinander möglich sein», meint Silvia Rietschi vom Quartierverein Oberes Kleinbasel. Wenn alle nach ihrem Strandbesuch aufräumten und sich an die Nachtruhe hielten, sollte auch Feiern am Rhein drin liegen.

Viele Menschen kein Problem

«Erhöhte Polizeipräsenz könnte die Extravaganzen vielleicht etwas eindämmen», sagt sie. Von mehr Polizei will die Basler Grossrätin der Grünen, Mirjam Ballmer, aber nichts wissen. «Erholungsraum in der Stadt ist sehr wichtig, da fördert Polizeipräsenz nicht gerade das entspannte Wohlbefinden der Freizeitgänger», bedenkt die junge Politikerin. «Wenn man eine lebendige Stadt will, dann muss man auch mit etwas Trubel klarkommen», sagt sie. Dass man Abfall einfach liegen lässt, findet sie aber in jeden Fall inakzeptabel.

Eine Anwohnerin am betreffenden Flussabschnitt stört sich nicht an den vielen Menschen am Rhein: «Ich finde es toll, wenn es lebendig ist.» Der Lärm dringe ohnehin nicht über das Rheinbord zu ihrem Haus vor. Sie möchte nicht namentlich erwähnt werden, da in der Nachbarschaft zu dieser Angelegenheit viele gegenläufige Meinungen herrschen.

Fazit: Der Stadtstrand, den uns Petrus in diesem Frühjahr beschert hat, kommt bei den Baslern gut an. Bei einigen vielleicht zu gut. Sie vergessen, dass sie nicht die Einzigen sind, die daran Freude haben und vermiesen mit ihrem Verhalten den Nachkömmlingen den Spass. Am meisten leiden aber jene, die das Ufer sauber zu halten versuchen. Sie würden gerne auf die Mithilfe der Strandbesucher zählen können, damit der Ort für alle attraktiv bleibt.

Mitarbeit: Hans-Martin Jermann