Wochenkommentar

Warum der FCB politisch wichtig ist - nicht nur für Basel

Basels Marcelo Diaz bejubelt das 1:0 gegen Petersburg. Gejubelt wurde nicht nur in Basel.

Basels Marcelo Diaz bejubelt das 1:0 gegen Petersburg. Gejubelt wurde nicht nur in Basel.

Nur gut, gibt es den FCB. Wenn der FC Basel gegen Zenit St. Petersburg spielt, identifiziert man sich in der ganzen Schweiz mit der Stadt Basel. Der FCB ist deshalb ein politisch eminent wichtiger Botschafter für die Stadt Basel.

Welche Bilder fallen Ihnen ein, wenn Sie an die USA denken? Den meisten Menschen dürfte die Freiheitsstatue und die Skyline von New York einfallen.Welche Bilder fallen Ihnen ein, wenn Sie an die USA denken? Den meisten Menschen dürfte die Freiheitsstatue und die Skyline von New York einfallen. Welche symbolischen Bilder fallen Ihnen zu Frankreich ein? Sicher Eiffelturm und Paris. Und zu England? Tower-Bridge und London. Und was fällt Ihnen zur Schweiz ein? Genau: Alpen und Kühe.

Dass die Schweiz nicht mit ihren Städten identifiziert wird (und sich auch selber nicht mit ihnen identifiziert), hat aber nichts mit der mangelnden Grösse der Städte zu tun, sondern mit dem Selbstbild der Schweizer. Und da sind nun mal Kühe und Berge wichtiger als Hochhäuser und städtische Kultur.

Am letzten Wochenende ist das wieder einmal zum Ausdruck gekommen, als der Familienartikel am Ständemehr gescheitert ist. Es ist erst das neunte Mal seit 1848, dass die Mehrheit der Stimmenden eine Abstimmungsvorlage annimmt, die Vorlage aber am fehlenden Ständemehr scheitert. Interessant dabei ist die Verteilung der Ständestimmen. Auf der ablehnenden Seite finden sich konstant ländliche Stände. Der Kanton Schwyz und die beiden Appenzell haben in allen neun Fällen auf der siegenden, ablehnenden Seite gestanden. Die Kantone Luzern, Uri und Nidwalden acht Mal, Glarus und Zug sieben Mal. Umgekehrt ist der Kanton Zürich neun Mal unterlegen, der Kanton Basel-Stadt acht Mal, Genf sieben Mal. Das macht das Muster sichtbar: Land blockiert Stadt, Provinz verhindert städtischen Aufbruch. Es wäre billig, über das Ständemehr zu lamentieren, wenn es einmal greift. Bedenklich daran ist nicht die Institution an sich, sondern das Muster ihrer Anwendung. Anders gesagt: Das Problem der Schweiz ist nicht der Röstigraben, das Problem ist das (in diesem Sinne systematische) Auseinanderklaffen von Stadt und Land. Ein Auseinanderklaffen, das vermutlich mit genau diesem Selbstbild der Schweiz zu tun hat: Die Schweiz identifiziert sich nicht mit ihren Städtern, sondern mit ihren Bauern.

Nur gut, gibt es den FCB. Wenn der FC Basel gegen Zenit St. Petersburg spielt, identifiziert man sich in der ganzen Schweiz mit der Stadt Basel. Der FCB ist deshalb ein politisch eminent wichtiger Botschafter für die Stadt Basel. Und nicht nur der FCB. Eine ähnliche Rolle spielen Theater, Kunsthaus, Fondation, Sinfonieorchester, kurz: die städtischen Kulturträger. FCB, Orchester und Hodler sind für die Stadt, was Kühe, Milch und Käse für das Land sind: Sie sind die Ikonen, die uns stolz machen.

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