Wird in einem Krimi ein verdächtiges weisses Pülverchen gefunden, so kommt es schon mal vor, dass der Kommissar sich den Finger leckt, eine Zungenprobe nimmt und nach ein paar Sekunden verkündet: «Eindeutig, Kokain!»

Beim Anthrax-Alarm vom vergangenen Dienstag, als bei der Basler Steuerverwaltung ein Couvert mit einem weissen, stäubenden Pulver eintraf, war das nicht empfehlenswert: Schliesslich ist Anthrax oder Milzbrand eine hochgefährliche Infektionskrankheit – unbehandelt endet sie meist tödlich.

Am Dienstag, kurz vor 12 Uhr, wurde das Couvert geöffnet. Kurz darauf mussten die Angestellten der Steuerverwaltung das Gebäude verlassen. Noch am frühen Nachmittag brachte die Feuerwehr den Umschlag in einem Isolationsbehälter ins Kantonslabor. Dort wurde es untersucht – für die Entwarnung musste sich die Öffentlichkeit jedoch gedulden: Erst am Mittwoch um 14 Uhr, also rund 24 Stunden nach der Einlieferung, war klar, dass es sich beim Pulver nicht um Anthrax handelt.

Es dauerte aber abermals zwei Stunden, bis die Kantonschemiker wussten, mit was sie es zu tun haben: Mehl. Peter Brodmann, stellvertretender Kantonschemiker, erklärt, warum die Analyse so lange dauerte: «Wir mussten als erstes ausschliessen, dass das Pulver Sporen von Bacillus anthracis – also dem Milzbrand-Erreger – enthält. Um eine sichere Aussage machen zu können, braucht dies einfach seine Zeit.»

Eine Nacht im Nährbad

Beim Anthrax-Nachweis-Verfahren kam eine kleine Menge des Pulvers eine Nacht lang in eine Art Nährlösung. Die bouillon-ähnliche Flüssigkeit würde den Bacillus anthracis nähren und zum Wachsen bringen, so dass sich die Flüssigkeit trüben würde. Das war am Mittwochmorgen auch der Fall: «Die Nährlösung war schwach getrübt und somit wussten wir: Da hatte es Bakterien drin, die über Nacht gewachsen waren», berichtet Brodmann. Er und seine Mitarbeiter mussten also weiterhin befürchten, dass es sich um Anthrax handelt.

Mit Gen-Proben konnte dann noch am Mittwochvormittag die endgültige Entwarnung gegeben werden: Keine Spuren von Anthrax. Erst danach folgten die weiteren Untersuchungen des Pulvers. Da die Untersuchungen auf Anthrax in einer Hochsicherheitswerkbank durchgeführt werden, musste das Pulver jedoch noch dekontaminiert und aus der Werkbank ausgeschleust werden. Erst dann konnte unter normalen Laborbedingungen untersucht werden, um was für eine Substanz es sich handelt.

Weiss- oder Ruchmehl?

Am Nachmittag war dann endgültig klar: Der Steuerverwaltung wurde gewöhnliches Mehl zugestellt. Ob es sich um Weiss- oder Ruchmehl handelte, das hat das Kantonslabor übrigens nicht weiter eruiert. «Ich glaube nicht, dass das noch irgendjemanden interessiert hätte», sagt Brodmann mit einem Schmunzeln.

Ob das Couvert mit dem Pulver in die Labor-Sammlung aufgenommen wird, ist laut Brodmann noch nicht entschieden. Falls nicht, wird das Material vernichtet.