In den Quartieren, die bei Expats beliebt sind, fällt etwas auf: Es besuchen mehr Expat-Kinder die öffentlichen Schulen. Der Leiter der Gemeindeschulen in Riehen sagt beispielsweise: «Wir haben seit etwa vier Jahren eine deutliche Zunahme an Kindern von Expats.»

Einen ähnlichen Eindruck hat der Leiter der Basler Volksschulen, Pierre Felder, auch für drei andere Quartiere: Auf dem Bruderholz, im Neubad und St. Johann gehen ebenfalls mehr Expat-Kinder in die Staatsschulen, als vor einigen Jahren. Eine gesonderte Statistik, die den Trend bestätigt, fehlt allerdings.

Ecos-Studie hat Folgen

Dass es den Trend gibt, das bestätigt Kathy Hartmann-Campbell. Sie kam vor über 30 Jahren aus den USA nach Basel und engagiert sich seit Jahren als Coach und als Netzwerkerin für die Integration der Expats in Basel, kennt also die Community bestens. Sie nennt mehrere Gründe dafür, dass die Expats die öffentlichen Schulen entdeckt haben: «Es gibt seit ein paar Jahren vermehrt Bemühungen, den Expats das Schweizer Schulsystem zu erklären.» 2011 zeigte eine Studie von der Consulting-Firma Ecos auf, wie schlecht viele der damals auf 36'000 geschätzten Expats in und um Basel integriert sind. Und eben auch, wie wenig sie über die öffentlichen Schulen wussten.

Das hatte Folgen: Zum Beispiel begann die Fachstelle für Integration des Kantons, an Begrüssungsveranstaltungen für neue Mitarbeitende bei Novartis und Roche für die öffentlichen Schulen zu werben. Auch den Relocation-Agencies, also den Firmen, die den Umzug der Fachkräfte organisieren, wurde das öffentliche Schulsystem erklärt. Hartmann-Campbell und zwei andere Expat-Frauen gründeten ihrerseits den Verein Basel Connect – und sind derzeit damit beschäftigt, im Internet Informationen über die Basler Schulen auf Englisch zugänglich zu machen. «Unser Engagement basiert auf Freiwilligenarbeit», sagt sie. «Es ist wichtig, die Unterschiede zu anderen Systemen und die Vorteile der öffentlichen Schule zu erklären.» Gerade die frühe Selektion beunruhige viele Eltern. Ein Problem seien auch die Stundenpläne. «Die internationalen Schulen bieten Ganztagesschulen an, wenn beide Eltern arbeiten, ist das viel einfacher.»

Generell sei die Entscheidung für eine internationale Schule für Expats einfacher, gerade wenn diese nur einen sehr kurzen Aufenthalt in der Schweiz planen. Ziehen sie weiter, ist in den Kindern in einem neuen Land in der nächsten internationalen Schule sprachlich und vom System her der Anschluss garantiert. Nur zeigt die Erfahrung, dass die meisten länger in Basel bleiben, als geplant.

Firmen zahlen weniger Schulgeld

Hartmann-Campbell vermutet hinter dem Trend, die Kinder vermehrt in die öffentlichen Schulen zu schicken, auch wirtschaftliche Gründe: «Die Bereitschaft der Firmen sinkt, zeitlich unbegrenzt die Schulkosten für die Privatschulen zu bezahlen.» Weder Novartis, Roche noch Syngenta äussern sich konkret zu dieser Frage. Die Firmen sind selber Aktionäre der International School Basel. Während Roche und Syngenta keine konkreten Empfehlungen zur Schulwahl abgeben, handhabt dies Novartis anders: «Generell möchte Novartis die Mitarbeitenden aus dem Ausland motivieren, ihre Kinder auf Schweizer Schulen zu schicken», sagt Mediensprecher Satoshi Jean Sugimoto und begründet dies mit der integrativen Wirkung der Schule. Letztlich entscheide aber die Familie selber.

Dieser Entscheid fällt noch immer häufig für eine englischsprachige Schule. Die Schülerzahlen der Internationalen Schulen stiegen in und um Basel kontinuierlich, zum Beispiel der International School of Basel (ISB), der Swiss International School (SIS) und von Academia. Bei der SIS, die zweisprachig Englisch-Deutsch unterrichtet, ist das sehr eindrücklich: Seit 2009 stieg die Schülerzahl von 310 auf 595. Bei der direkten Konkurrenz, der ISB, besuchen rund 1420 rein englischsprachigen Unterricht. Die Academia berichtet von rund 140 Schülern.

Gymnasien sind Konkurrenz

Lediglich die SIS spürt die staatlichen Schulen als Konkurrenz – insbesondere auf Gymnasialstufe. Gemeint sind das Gymnasium am Münsterplatz und das Gymnasium Liestal, die eine zweisprachige Matura anbieten, das International Bacchalaureate (IB): «Seither wechseln vermehrt Gymnasiasten aus der SIS ans öffentliche Gymi. Das ist schmerzlich für die SIS», sagt Tom Huber, Division Manager. Tatsächlich merkt das Gymnasium am Münsterplatz die Trendwende in die öffentlichen Schulen: Vor drei Jahren gab es erst 60 Schülerinnen und Schüler, die das Integrationsprogramm Deutsch als Zweitsprache (DAZ) wählten, heute sind es 90 von total 650 Schülerinnen und Schülern. «Die DAZ-Schülerinnen und Schüler sind am Münsterplatz ausnahmslos Expats», sagt Rektor Eugen Krieger.