Auch Stadtbäume besitzen Reserven. Ein Hitzesommer kann ihnen gewöhnlich nichts anhaben. Häufen sich jedoch die Dürreperioden, kommen sogar die grünen Riesen ins Wanken. Die Besitzer wollen sie dann rasch loswerden. So verschwinden in Basel immer mehr Bäume aus Gärten und Höfen. Das zeigen die jüngsten Zahlen der Stadtgärtnerei.

In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres bewilligte die Stadtgärtnerei das Fällen von 271 Bäumen. Im selben Zeitraum des Jahres 2018 hatte sie lediglich 169 Bäume zum Fällen freigegeben. Im langjährigen Schnitt werden jährlich rund 400 Bewilligungen im Rahmen von Gartenunterhaltsarbeiten ausgestellt. Diese Zahl wird 2019 sicherlich übertroffen – und das sei erst der Anfang, sagen Vertreter von Firmen, die sich auf Baumfällungen spezialisiert haben. Das grosse Abholzen stehe der Stadt erst noch bevor.

Der Borkenkäfer macht leichte Beute

Daniel Simon ist Inhaber von Baumpflege Simon in Basel und Münchenstein. Er habe in diesem Jahr «aussergewöhnlich viele Anfragen für Fällungen» erhalten, sagt Simon auf Anfrage. Er und seine drei Mitarbeitenden hätten in Basel und in den angrenzenden Gemeinden in diesem Jahr gegen 70 Bäume umgetan. «Es zeichnet sich schon der dritte trockene Sommer in Folge ab. Die Bäume haben zwar Wasserspeicher. Doch die Reserven sind vielerorts aufgebraucht. Das schwächt die Bäume und macht sie anfällig für Krankheiten und Schädlinge.»

Fabiano Bruni ist Geschäftsführer der Gorilla Baumpflege GmbH in Rheinfelden und Basel. «Die Bäume haben Mühe. Das ist eine Tatsache», sagt Bruni zur bz. «Das Gewitter vom Wochenende hat wieder diverse Schäden an Bäumen verursacht. Wir leisteten Notfalleinsätze – trotz bereits geplanter Ferien.» Bei vielen Bäumen sei sichtbar geworden, wie geschwächt sie seien. «Die Besitzer wollen sie möglichst rasch entfernen lassen, um kein Risiko einzugehen.»

Andreas Schauli von der Schauli AG in Zeiningen sagt, Phasen, in denen besonders viele Bäume absterben würden, habe es schon früher gegeben. Es handle sich um Wellenbewegungen. «Aber aktuell läuft wirklich viel – gerade für die Sommerferienzeit.»

Riesiger Ast bricht ab, einfach so

Emanuel Trueb, Leiter der Stadtgärtnerei Basel-Stadt, erwartet eine Stabilisierung der Fällgesuche auf hohem Niveau oder sogar eine leichte Zunahme. «Gewisse Bäume reagieren jetzt auf die Trockenperioden, andere erst in ein, zwei Jahren. Wenn sie geschwächt sind, bilden sie mehr Totholz oder weisen Pilzbefall auf. Ein weiteres Problem sind Schädlinge wie der Borkenkäfer. Er greift gerne Fichten an.»

Sind Bäume erst einmal instabil, wirds gefährlich. Mitte Juli krachte in Basel beim Claraspital ein Ast auf ein fahrendes Auto, bei ganz normaler Witterung. Die Lenkerin blieb unverletzt. Das Auto jedoch war nicht mehr fahrtüchtig, wie das «Regionaljournal» von Radio SRF vermeldete. Im Juni gab die Stadtgärtnerei bekannt, dass sie rund 40 Bäume notfallmässig fällen müsse. Sie könnten Äste verlieren oder sogar umstürzen. Eine Fällaktion am Tellplatz musste nach Protesten gestoppt werden. Dort ging es um zwölf Ahorne. Bis auf ein besonders krankes Exemplar stehen vorerst alle noch. Vergangenen Donnerstag liess die Bürgergemeinde Basel den gesamten Hardwald sperren. 6000 Bäume seien vertrocknet. Das Risiko für Spaziergänger und Sportler sei zu gross.

Wie viele Bäume in Basel auf Privatgrund stehen, weiss die Stadtgärtnerei nicht. Fällungen müssen erst ab bestimmten Stammumfängen beantragt werden – so schreibt es das strenge Baumschutzgesetz von 1980 vor. Ein solches kennen weder Riehen und Bettingen noch die Baselbieter Vorortsgemeinden. Zwar werden niemals alle gefällten Bäume wieder ersetzt. Dazu fehlt oft der Platz. Trotzdem könne sich die Stadtgärtnerei einen Überblick über Ersatzpflanzungen verschaffen, sagt Trueb: Dank Stichproben und Vollzugsmeldungen der Gesuchsteller.

Nehmen die Trockenperioden in Mitteleuropa weiter zu, hat das Auswirkungen auf die Zusammensetzung des Baumbestands in der Stadt. Birken, Pappeln und Buchen wurzeln flach. Wenn der Grundwasserspiegel sinkt, sitzen sie als Erste auf dem Trockenen – sie werden wohl grösstenteils aus der Stadt verschwinden.

Gefährlicher Pilz greift Hainbuchen an

Der private Baumbestand in Basel nimmt auch wegen der Verdichtung immer mehr ab. Auf dem Bruderholz etwa wurden in den vergangenen Jahren immer wieder Einfamilienhäuser mit Umschwung abgerissen. An ihrer Stelle stehen neu Wohnblöcke.

Emanuel Trueb sagt, ein Teil der Fällbewilligungen könnte auch mit solchen Baubegehren zu tun haben. Fürs Stadtklima sei es aber eminent wichtig, dass genügend Grün vorhanden ist. «Bäume geben viel Wasser an die Luft ab. Sie kühlen die Stadt.»

Die jüngste Meldung über Notfällungen stammt aus Pratteln, wo Emanuel Trueb wohnt und im Gemeinderat sitzt. Ein Pilz, der Hainbuchen angreife, habe jetzt auch die Region Basel erreicht, teilt die Gemeinde mit. Die ausgetrockneten Bäume seien wehrlos. Auf sie wartet die Motorsäge.