Als letzte Woche Klarheit darüber herrschte, dass SVP-General Christoph Blocher zusammen mit seiner Tochter Rahel bei der Basler Zeitung (BaZ) das Sagen hat, war der Aufschrei riesig: Empörte Politiker, Abokündigungen und sogar eine Demonstration waren die Folge. Eiligst wurden die Anteile an der BaZ weiterverkauft - zu stark provozierte das Reizwort «Blocher» das weltoffene Basel.

Miriam Blocher hilet sich heraus

Diskret aus dem allgemeinen Trubel herausgehalten hat sich dabei ein weiteres Blocher-Familienmitglied: Läckerli-Huus-Eigentümerin Miriam Blocher. Dabei dürfte beim dritten der vier Blocher-Kinder Erinnerungen an ihren Start in Basel wach geworden sein. Als die damals 32-jährige Bundesratstocher 2007 das traditionsreiche Familienunternehmen übernahm, waren die Vorbehalte und die Aufmerksamkeit gross.

Im Gegensatz zu ihrem Vater und ihrer jüngeren Schwester bei der BaZ agierte Miriam Blocher beim Läckerli-Huus allerdings weit glücklicher. Die Marke wurde klar positioniert und das Unternehmen wächst stetig. Zahlen werden zwar keine veröffentlicht, doch nach Angaben Miriam Blochers werden Gewinne geschrieben.

Dezentes Auftreten

Der wirtschaftliche Erfolg ist aber nur die eine Seite. Auch als Person hat sich Miriam Blocher in der Region hervorragend integriert. Ihr Auftreten ist um einiges dezenter als dasjenige ihres prominenten Vaters, mit dem sie wohl oder über immer wieder verglichen wird. Sie ist in die Region gezogen und engagiert in verschiedenen lokalen Gremien wie beispielsweise dem Basler Gewerbeverband oder Pro Basiliensis. Ab Januar wird sie ausserdem Präsidentin des Interesseverbands Pro Innerstadt. Aus der Politik hält sich Miriam Blocher aber konsequent heraus.

In der Öffentlichkeit tritt sie praktisch nur in professionellem Rahmen auf und liefert deswegen auch keine Munition für Anti-Blocher- oder Anti-Zürich-Reflexe. Derzeit ist es kaum möglich, Auskunft von Miriam Blocher persönlich zu erhalten. Auch nach mehrmaligen Versuchen blockt das Läckerli-Huus Anfragen nach einem Statement ab. «Derzeit ist sie mit dem Tagesgeschäft stark ausgelastet und das Geschehen rund um die BaZ kommentiert sie nicht», heisst es.

Hochkompetent und angehnehm

«Das mit den öffentlichen Auftritten werde ich mit ihr noch angehen müssen», sagt noch Pro Innerstadt-Präsident Urs Welten. Zwar sei Blocher bloss Präsidentin des Vereins - ums Dienstliche kümmert sich neu ein professioneller Geschäftsführer - trotzdem gebe es Dinge, welche sie persönlich kommunizieren müsse. Ansonsten sei die Läckerli-Huus-Chefin für seine Nachfolge die «Wunschkandidatin». Sie sei hochkompetent uns sehr angenehm im Umgang. «Wir sind halt eine links-grüne Stadt», sagt Welten zu den Reaktionen auf die BaZ. Mit Miriam Blocher hat das aber nichts zu tun: «Wir nehmen niemanden in Sippenhaft.»

Auch Josef Schüpfer hat nur Gutes zu berichten. Der Präsident des Wirteverbands kennt Blocher vom Vorstand des Basler Gewerbeverbands. «Miriam Blocher ist eine liberale Frau mit einem sehr sozialen Gewissen», schwärmt er. Sie sei eine Powerfrau, die moderne, sichere Arbeitsplätze geschaffen habe.

Es scheint, als ob Miriam Blocher nicht trotz, sondern gerade wegen ihres prominenten Nachnamens in Basel sehr beliebt ist. Sie geht ihren eigenen Weg ohne ihre familiären Verbindungen zu verleugnen und straft damit all jene Lügen, welche sie vorschnell verunglimpft haben. Und sie weiss ihre Chancen zu nutzen. Urs Welten: «Zu mir sagte sie einmal, dass der Name Blocher ihr mehr Türen geöffnet als geschlossen haben.»